Schul-Kochbuch lehrt Energie-Vergeudung

In Sachen Energie-Effizienz hat das Schul-Kochbuch «TipTopf» seine Hausaufgaben nicht gemacht. Es werden auch in der neusten Auflage Koch- und Backmethoden gelehrt, mit welchen Energie geradezu verbraten wird.

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3 Liter Wasser für 300 Gramm Spaghetti oder 1,5 Liter Wasser um 250 Gramm Reis zu kochen: Das sind zwei Beispiele für eine pure Energieverschwendung. «Ein Problem ist das verbrauchte Wasser, das wieder gereinigt werden muss», erklärt Susanne Marti.

«Andererseits ist es ein unnützes Volumen an Wasser, das mit Energie aufgeheizt werden muss», so die Hauswirtschaftslehrerin und Fachberaterin an der Pädagogischen Hochschule Luzern.

Nicht nur beim Kochen, sondern auch beim Backen verpufft Energie, hält man sich blind an die Angaben des «TipTopf». «10 Minuten vorheizen» werden die (angehenden) Hobbyköche im Unterricht gelehrt. «Tatsächlich eine etwas veraltete Angabe.

Bei heutigen Geräten reichen maximal 7 Minuten Vorheizzeit - mit Heissluft gar 4 Minuten», sagt V-Zug Marketingleiter Philipp Hofmann. Und Hauswirtschaftslehrerin Susanne Marti ergänzt: «Ausser bei Wähen und Speisen mit Blätterteig kann man in den meisten Fällen sowieso auf das Vorheizen verzichten.»

Grosse Energieeinsparungen möglich

In Zeiten, in denen Energie- und Stromsparen in aller Munde ist, mutet es komisch an, wenn das meistverkaufte Schulbuch der Schweiz veraltete Kochmethoden lehrt, die der Nachhaltigkeit und Sparsamkeit entgegenwirken. Und es handelt sich dabei um grosse Mengen an Energie, die mit zeitgemässen und einfachen Kochtricks eingespart werden können.

«Alleine beim Eier- oder Kartoffelkochen lässt sich ein Viertel bis ein Drittel an Energie einsparen, wenn die Ogi-Methode anstelle der im TipTopf vorgeschlagene Kochmethode gewählt wird», sagt Jürg Nipkow von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz.

Verbesserungen versprochen

Beim Schulbuchverlag zeigt man sich einsichtig und verspricht Verbesserungen mit der nächsten grösseren Auflage. Diese ist auf 2015 zu erwarten. «Ich bin völlig einverstanden, dass in der heutigen Zeit eine nachhaltige und energieeffiziente Art zu kochen gelehrt wird», sagt Daniel H. Friederich.

Das Geschäftsleitungsmitglied des Schulbuchverlags, bei welchem der «TipTopf» herausgegeben wird, gibt gegenüber «Espresso» auch zu: «Der Vorwurf ist nicht aus der Luft gegriffen. Im TipTopf wird das energieeffiziente Kochen nicht explizit herausgestrichen».

Er gibt allerdings zu bedenken, dass neben dem TipTopf noch das Lehrbuch «Hauswärts» eingesetzt wird, welches nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen lehrt. Nichtsdestotrotz: «Eine Verbesserung im TipTopf kann auf 2015 erwartet werden», so Friederich. Dann nämlich kommt die nächste grössere Auflage in die Schweizer Schulstuben.

Tipps zu sparsamem Kochen, Backen und Kühlen

  • Reis kochen: für eine Tasse Reis reichen 3 Tassen Wasser aus. Eine weitere Faustregel; eine Fingernagelbreite mehr Wasser als Reis in die Pfanne geben
  • Teigwaren kochen: Verhältnis 1 zu 5 erscheint sinnvoll: 1,5 Liter Wasser reichen für 300 Gramm Spaghetti aus (Teigwaren schwimmen). Am Anfang gut rühren, damit Teigwaren nicht zusammen kleben.
  • Backen: Ausser bei Speisen mit Blätterteig, einem gerührten Teig und Lebkuchen mit Natron kann auf das Vorheizen verzichtet werden. Evtl. verlängert sich die Backzeit ein bisschen.
  • Kühlschrank: Die Kühlschranktemperatur auf 6/7 Grad einstellen - pro Grad höhere Temperatur lassen sich 5 Prozent Strom einsparen. Empfiehlt sich, wenn er nicht viel geöffnet wird.
  • Kühlschrank und Gefrierschrank abtauen, wenn starke Eisbildung an den Wänden.