Skiorte schwindeln mit Pisten-Längen

Auch heuer werben Wintersportorte wieder mit hunderten von Pistenkilometern. Für die Schneefans besonders ärgerlich: Die Pistenkilometer lassen sich nicht ohne weiteres vergleichen, da jeder Skiort messen kann wie er will. Oft wird masslos übertrieben. Es fehlt an Normen und Standards.

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Bildlegende: Ist eine Skipiste breit, wird sie von einigen Skigebieten in der Gesamt-Längen-Berechnung 1,5 x gezählt. Keystone

Zusammen mit Partnerverbänden in Deutschland und Österreich hat die Organisation «Seilbahnen Schweiz» eine Empfehlung für die Berechnung der Pistenkilometer erarbeitet.

Diese wurde vor dem Start in die Wintersaison 2013/2014 an die rund 200 Mitglieder verschickt, die Wintertourismus anbieten.

Pisten nicht mehr doppelt zählen

Neu soll die Pistenlänge einheitlich gemessen werden, massgebend ist der direkte Kurs in der Pistenmitte. Heute werden Teilstücke mehrfach erfasst oder breitere Pisten gar doppelt gezählt. Das möchte der Verband «Seilbahnen Schweiz» in Zukunft vermeiden.

«Nur so ist das Angebot für die Wintersportler transparent und vergleichbar», zeigt sich Andreas Keller vom Verband überzeugt in der Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF1.

Empfehlung zeigt Wirkung

Die neuen Berechnungsempfehlung haben erste Konsequenzen. Das österreichische Skigebiet Zillertal wirbt neu nur noch mit 88 statt wie bis anhin mit 181 Pistenkilometern.

Die Schweizer Wintersportorte reagieren gemäss einem Artikel der Sonntagszeitung wesentlich verhaltener. Bisher habe noch kein Schweizer Skiort seine Angaben zur Pistenlänge angepasst.

Immerhin wollen nun die Jungfraubahnen über die Bücher. Die jahrelang kommunizierte Anzahl von 213 Pistenkilometern wird schon bald nach unten korrigiert, sagt Marco Luggen von den Jungfraubahnen gegenüber «Epresso»: «Wir machen unsere Hausaufgaben und messen nach. Ab dem nächsten Jahr weisen wir die effektiven Pistenkilometer aus.»

Hoffnung auf Nachahmer

Marco Luggen hofft, dass auch andere Skiregionen dem Beispiel der Jungfraubahnen folgen und ihre Angaben zu den Pistenkilometern anpassen. «Sonst fallen wir in den Konkurrenzvergleichen zurück, die sich einzig auf die Pistenkilometer konzentrieren.»

Der Wintersportleiter bei den Jungfraubahnen geht jedoch davon aus, dass der öffentliche Druck in Zukunft viele Skigebiete dazu bringen wird, bezüglich Pistenangebot die Wahrheit zu kommunizieren.

Der Bluff mit den Pistenkilometern gibt schon seit längerem zu diskutieren. Vor zwei Jahren berichtete «Kassensturz» über dieses Thema:

Video «04.01.11: Angeberei mit Pistenkilometern» abspielen

04.01.11: Angeberei mit Pistenkilometern

9:16 min, aus Kassensturz vom 4.1.2011