Viele Händler ignorieren Tropenholz-Raubbau

Für die legendären Gitarren von Gibson, für Klaviere oder Klarinetten: Die Hersteller von Musikinstrumenten verwenden illegal gerodete Edelhölzer. «Kassensturz» zeigt, dass Schweizer Instrumentenverkäufer das Problem herunterspielen und was Konsumenten beim Kauf von Instrumenten beachten müssen.

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Händler ignorieren Raubbau für Gitarren

9:09 min, aus Kassensturz vom 21.2.2012

Es gibt kaum ein klassisches Instrument, das ohne Ebenholz auskommt. So sind etwa die schwarzen Tasten des Klaviers, das Griffbrett des Cellos oder der Geige aus Ebenholz. Auf tropische Hölzer wie Ebenholz oder Palisander könne kein Gitarrenbauer so einfach verzichten. Dies sagt Gitarrenbauer Claudio Pagelli aus dem bündnerischen Scharans. Er hat schon mit vielen einheimischen Hölzern experimentiert.

«Es gibt in unseren Breitengraden einfach kein Holz, dass so hart ist, dass es nicht gerade kaputt geht. Auch beim Korpus: Ein Klangkörper aus aus Tropenholz tönt komplett anders. Wenn ein gewisser Klang verlangt ist, reichen unseren Hölzer nicht», sagt Pagelli.

Weltweit nur noch wenig Ebenholz

Die Bestände des sehr gesuchten Holzes sind heute weltweit praktisch erschöpft. Auch in Madagaskar gibt es sie nur noch in den geschützten Zonen.

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Bildlegende: Tropenholz in Gefahr SRF

Doch verdeckte Recherchen belegen: Die gefährdeten Holzarten sind auch hier bald ausgerottet. Mit der blossen Hand und für Hungerlöhne schleifen die Madagassen die schweren Hölzer aus dem Nationalpark. Die Eben-, Palisander- und Rosenhölzer sind für den Export bestimmt.

Genauer: Das Holz ist für die Musikindustrie bestimmt. «Daraus entstehen zum Beispiel Griffbretter für Gitarren», erklärt Alexander von Bismarck von der US-amerikanischen Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency. «Kassensturz» traf von Bismarck in den USA in Washington D.C. Der Umweltaktivist hat die Aufnahmen gemacht und die ganzen Handelswege der Hölzer aufgedeckt.

«Wir waren verdeckt als mögliche Käufer in Madagskar. Dort wurden wir sofort Roger Thuman vorgestellt, dem grössten Boss. Er hat uns offen erklärt, dass alles illegal ist», sagt von Bismarck. «Und dann haben die Handelsdaten gezeigt, dass das Holz zu Gibson nach Amerika geht.»

Gitarrenhersteller nicht an Transparenz interessiert

Gibson ist einer der grössten Gitarrenhersteller der Welt. Grosse Stars wie Elvis Presley oder Jimmy Hendrix  haben die Marke einst berühmt gemacht. Wegen der problematischen Holzimporte steht Gibson nun im Visier der amerikanischen Justiz.

Der Zürcher Zoo-Kurator Martin Bauert war mehrfach im echten Masoala-Nationalpark auf Madagaskar. Der Biologe ist um das einzigartige Ökosystem äusserst besorgt.

«Gibson und andere Gitarrenhersteller haben vor zweieinhalb Jahren Masoala besucht.Obwohl sie dort festgestellten, dass das Holz nicht nachhaltig produziert wurde, kaufen sie dennoch ihre Rohstoffe in Madagaskar,» sagt Bauert.

Doch auch andere Gitarren- und Musikinstrumenten-Hersteller kümmern sich wenig um die Herkunft der Tropenhölzer. Bauert moniert: «Viele Hersteller drucken sich um die Deklaration ihrer Hölzer. Sie wollen es nicht genau wissen, weil viele der Hölzer unter komischen oder schwierigen Umständen hergestellt wurden.»

Auch Schweizer Musikhäuser deklarieren kaum

«Kassensturz» wollte wissen, wie Schweizer Instrumentenhändler mit dem Problem umgehen. In sieben grossen Musikläden wurden verdeckte Stichproben gemacht. Es sollte erhoben werden: Weiss das Verkaufspersonal, woher die verwendeten Tropenhölzer kommen? Ist die Herkunft nachhaltig? Und: Gibt es Alternativen?

Das Fazit ist ernüchternd: Kaum ein Verkäufer konnte genau sagen, woher die Hölzer stammen. Auch nicht, ob sie nachhaltig erwirtschaftet wurden. Ganz offen informiert wurde nur in «Gitarren Total» in Zürich. Bei «Stoffler Musik» in Basel sagte der Verkäufer, die Herkunft der Gitarren-Tropenhölzer sei gänzlich unproblematisch.

Bei «Jecklin» in Zürich behauptete das Verkaufspersonal, dass das tropische und gefährdete Rosenholz auch in Kanada wachse. «Jecklin» entgegnete dazu, man wolle die Schulung verbessern. Aber selbst das FSC-Label für nachhaltige Forstwirtschaft sei keine Garantie.

Bei «Musik Hug», dem grössten Musikhaus der Schweiz, nimmt Marco Peic, Leiter Gitarrenabteilung, Stellung. «Es gibt viel zu wenige Gitarrenhersteller, die FSC-zertifizierte Hölzer verwenden. Wir haben Produkte, die zertifiziert sind. In der Filiale wo «Kassensturz» testete, hatte Jecklin keine im Sortiment. Sie würden aber sicher wieder eintreffen. Und dass unser Verkaufspersonal zu wenig darauf geschult ist, das ist uns jetzt bekannt. Dementsprechend wird Jecklin noch Schulungen durchführen.»

Musikhaus «Stoffler» aus Basel schreibt, es führe nur akustische Gitarren von Herstellern, die belegen, dass sie legales Holz verarbeiten. Andere Geschäfte erklären, es sei schwierig herauszufinden, wo genau das Holz von einer Gitarre herkomme. Die US-Firma Gibson bestreitet den Vorwurf, sie hätte illegales Holz importiert.

Kaum «saubere» Gitarren erhältlich

Alternativen gäbe es, wenn auch nur vereinzelt: Gitarren gänzlich ohne Tropenholz mit dem Nachhaltigkeits-Label FSC. Oder Griffbretter aus schwarzem Kunststoff, welche optisch von Ebenholz nicht unterscheidbar sind.

Gitarrenbauer Claudio Pagelli aus Graubünden achtet beim Tropenholzeinkauf auf nachhaltige Herkunft. Er muss als kleiner Einkäufer jedoch den Händlern vertrauen.

Pagelli fordert die grossen Stars auf, Vorbilder zu sein: «Damit weniger von dem gefährdeten Tropenholz gebraucht wird, wäre es gut, wenn die grossen Hersteller, wie Gibson, Fender, Taylor, Martin, anderes Holz brauchen würden. Die haben auch alle Stars bei Hand.»