Wiehernder Amtsschimmel: Reiterhof verboten

In der Schweiz leben 90'000 Pferde. Sie benötigen Auslauf – für Pferdehalter ein Problem: Denn unsinnige Bestimmungen im Raumplanungsgesetz verbieten den Bau von Reiterhöfen. Zahlreiche Pferdehalter wissen nicht mehr, wo sie ihre Pferde unterbringen können. Und Reiter bangen um ihren Reitplatz.

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Wiehernder Amtsschimmel: Reiterhof verboten

6:05 min, aus Kassensturz vom 23.3.2010

Auf einem Bauernhof mitten im Wohnquartier von Bassersdorf ZH betreibt Andrea Schmidt den Reiterhof «Riit-Muus». Jede Woche nehmen Dutzende Kinder aus der Umgebung Reitstunden und besuchen die 20 Pferde und Ponys. Aber: In der Wohnzone ist nur das Halten von höchstens vier Pferden erlaubt. Der Reiterhof muss bis August verschwinden.

Andrea Schmidt findet in Kloten ZH einen neuen Hof. Er liegt in der Landwirtschaftszone. Ideal, denkt die Unterländerin und kauft das Anwesen: «Die Umgebung stimmt. Die Stallungen entsprechen den Tierschutzbestimmungen.»

«Unerwünschte Auswirkungen»

Doch Schmidt freut sich zu früh, denn auch in der Landwirtschaftszone darf sie nur vier Pferde halten – weil sie keine Bäuerin ist. Und ein Reiterhof nicht als Landwirtschaftsbetrieb gilt. Manuel Häberli, Abteilungsleiter Bauverfahren bei der Zürcher Baudirektion: «Die produktive Fläche soll der Landwirtschaft vorbehalten bleiben. Reitbetriebe haben mir ihren Pferdezäunen und Sandplätzen unerwünschte Auswirkungen.»

Unerwünscht fühlen sich auch Peter und Sabine Blaser aus Selzach SO. Sie kaufen für ihre zwei Pferde ein Stück Weideland in der Landwirtschaftszone und zäunen es ein. Doch dagegen interveniert das Raumplanungsamt.

Nun hat das Bundesgericht entschieden: Der Zaun muss weg: Hobby-Pferdehaltung gehöre nicht in die Landwirtschaftszone. Peter Blaser versteht die Welt nicht mehr: «Eine Pferdeweide ohne Zaun nützt uns doch gar nichts.»

Auch Bauern sind für Öffnung

Dem galoppierenden Amtsschimmel will CVP-Nationalrat Christophe Darbellay nicht mehr länger zuschauen. In einer vom Nationalrat vergangenen September unterstützten parlamentarischen Initiative verlangt er eine Änderung des Raumplanungsgesetzes. «Ich möchte, dass Pferde in der Landwirtschaftszone wieder Platz finden, so wie das normal
 ist.»

Der Bauernverband unterstützt die Initiative. Sogar die Bauern, die eigentlich mit dem restriktiven Gesetz geschützt werden sollen, möchten die Landwirtschaftszone öffnen.