Ausverkauf: Teuer bezahlte Schnäppchen

Die Läden überbieten sich derzeit darin, mit besonders tiefen Preisen zu werben. Häufig ist nicht ersichtlich, welcher Preis denn nun gilt. Die Waren sind falsch angeschrieben, heisst es meist von den Verkäufern.

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Ausverkauf: Teuer bezahlte Schnäppchen

10 min, aus Kassensturz vom 17.1.2006

Im Berner Kleiderladen "Companys" will Thomas Gerber zwischen Weihnachten und Neujahr im Ausverkauf Hosen kaufen. Schnell findet er ein Paar passende Jeans. Thomas Gerber erzählt:

«  Sie war mit Fr. 49.50 angeschrieben. Erst als ich zu Hause war, bemerkte ich, dass mir zu viel abgebucht wurde, nämlich 99 Franken. »

Umgehend kehrt er in den Laden zurück und macht auf den Irrtum aufmerksam. "Zwei Jeans waren irrtümlich falsch angeschrieben. Statt 199 Franken hätten sie 99 Franken kosten sollen. Doch fälschlicherweise waren zwei Jeans mit falschem Preis angeschrieben. Ich konnte an der Kasse nicht wissen, welches der richtige Preis war", sagt Filialleiter René Burach. Dem Kunden stellt der Laden einen Gutschein über den zu viel bezahlten Betrag aus.

Anspruch auf Rückerstattung

Rechtsexpertin Doris Slongo betonte in der Sendung, es gelte stets der Preis, der angeschrieben ist. Ausser es handle sich um einen offensichtlichen Irrtum und die Schuhe seie mit 15 statt mit 150 Franken angeschrieben. Im vorliegenden Fall muss der Kunde beweisen , dass die gekauften Jeans mit Fr. 49.50 angeschrieben waren. Ist beim Kauf niemand dabei oder sind die Aktionsartikel weg, wenn der Kunde ins Geschäft zurück geht, könnten nur noch die Angestellten des Geschäfts als Zeugen befragt werden. Wollen die nichts vom behaupteten Preis wissen, hat der Kunde Pech. Es sei deshalb wichtig, stets sofort zu kontrollieren, wie viel von der Kreditkarte abgebucht wird. Einen Gutschein muss sich der Kunde nicht gefallen lassen. Er hat Anspruch auf Rückerstattung des zu viel bezahlten Betrags.

Thomas Rosenberger wollte sich letzten Herbst einen neuen Computer kaufen. "Auf der Homepage von Dell sah ich gute Angebote und war dann überrascht, als ich das Gerät bestellen wollte: Plötzlich war der PC zehn bis 15 Prozent teurer als auf der Homepage zeurste angegeben", erzählt Rosenberger. Er schreibt der Firma Dell, um zu Erfahren, ob es sich um ein Versehen handle. Er erhält keine Antwort. Der Zürcher Gastronom vergleicht die Produkte erneut auf der Dell-Webseite.

Und wieder: Der Preis erhöht sich wie von Geisterhand um 10 Prozent. Von « Kassensturz» auf den Fall angesprochen, schreibt Dell:

« Die Preisberechnung in Aktionen basiert oft auf der kürzesten Garantiedauer. Bei der Bestellung per Internet wird die für den ausgewählten Computer optimale Garantiedauer angezeigt. »

Doris Slongo unterstrich in der Sendung: "Verbindlich ist der Preis, zu dem Dell den PC offeriert hat." Ist das Online-Bestellformular so eingerichtet, dass sich bei einer Bestellung der Preis ändert, sei dies für den Kunden nicht verbindlich. Dieser könne darauf bestehen, dass er den zum tieferen Preis erhält.