Bankkonten-Vergleich: Gebühren fressen Zinsen auf

Die Zinsen bei Schweizer Banken sind schon länger im Keller. Jetzt werben die Bankinstitute mit Kombi-Angeboten und locken Kunden mit vermeintlich attraktiven Bedingungen. Ein «Espresso»-Vergleich zeigt: Nach dem ersten Jahr zahlt man meistens drauf.

Immer mehr Banken versuchen, sogenannte Paketlösungen an den Konsumenten zu bringen. «Alles aus einer Hand zu attraktiven Konditionen», heisst es. Gelockt werden Sparerinnen und Sparer mit höheren Zinsen und Rabatten auf die Kontoführungsgebühr. Bedingung: Auch die Kreditkarten müssen über dieselbe Bank laufen.

Banken locken mit Paket-Lösungen

Werbeplakat mit Roger Federer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Beispiel: Die Credit Suisse scheut keine Kosten, um für Ihr Bonviva-Paket aufmerksam zu machen. CS

Das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 hat die sieben grössten Schweizer Banken und deren Angebote für Privatpersonen unter die Lupe genommen.

Verglichen wurden Zinsen und Gebühren für Privat- und Sparkonto plus zusätzliche Debit- und Kreditkarten (siehe Tabelle). «Espresso» will wissen: Lohnen sich die Kombi-Angebot der Banken?

Beim Vergleich stellt sich heraus, dass bei vier Banken der Kunde bereits nach zwei Jahren ein Minus einfährt. Nach fünf Jahren erhält der Kleinsparer gerade noch bei einer Bank Geld.

Ab dem zweiten Jahr wird es teuer

Rechnet man aber die folgenden Jahre aus, fressen die Gebühren den Gewinn des ersten Jahres auf (siehe Tabelle). Bei einem Gesamtvermögen von 30‘000 Franken resultiert gerade mal beim Bonviva-Paket der Credit Suisse ein Plus. Bei der Zürcher Kantonalbank resultiert ein Minus von 72 Franken und bei der UBS eines von 98 Franken.

Beispiel Kunde mit 10'000 CHF auf Privat- und 20'000 CHF auf Sparkonto

mitErtrag/Verlust im 1. JahrErtrag/Verlust im 2. JahrErtrag/Verlust nach 2 Jahren
Credit Suisse (Bonviva)Silber-Karte161.65 CHF- 75.00 CHF86.65 CHF
Gold-Karte35.00 CHF- 305.00 CHF- 270.00 CHF
UBS (Individual)Silber-Karte11.00 CHF- 109.00 CHF- 98.00 CHF
Gold-Karte11.00 CHF- 205.00 CHF- 194.00 CHF
ZKB (Inklusiv)Silber-Karte- 11.00 CHF- 61.00 CHF- 72.00 CHF
Gold-Karte- 83.00 CHF- 133.00 CHF- 216.00 CHF
Postfinance (Kein Paket, Lohn- + Spark.)Silber-Karte15.00 CHF15.00 CHF30.00 CHF
Gold-Karte- 25.00 CHF- 25.00 CHF- 50.00 CHF
Raiffeisen (Kein Paket, Lohn- + Spark.)Silber-Karte65.00 CHF- 75.00 CHF- 15.00 CHF
Gold-Karte65.00 CHF- 175.00 CHF- 115.00 CHF
Bank Coop (Kein Paket, Lohn- + Spark.)Silber-Karte85.00 CHF- 25.00 CHF60.00 CHF
Gold-Karte5.00 CHF- 105.00 CHF- 100.00 CHF
Migros Bank (Kein Paket, Lohn- + Spark.)Silber-Karte- 60.00 CHF- 60.00 CHF- 120.00 CHF
Gold-Karte- 160.00 CHF- 160.00 CHF- 320.00 CHF

Den detaillierten Vergleich finden Sie hier.

Konto-Nomadentum

Zusatzinhalt überspringen

Ein Vergleich

Ein Vergleich

Sehen Sie hier den detaillierten Vergleich von Paketlösungen.

Im ersten Jahr locken die meisten Banken Neukunden mit attraktiveren Konditionen: höhere Zinsen oder geringere Kontoführungs-Gebühren. So ist es möglich, ein Plus zu erwirtschaften. Ab dem zweiten Jahr, wenn diese Zückerchen wegfallen, zahlt man bei einem Gesamtvermögen von 30‘000 Franken bei allen Banken drauf – ausser bei der Postfinance. Hier resultiert auch im zweiten Jahr ein Plus von 15 Franken – und das bleibt auch in den Folgejahren so (Zinseszins bei allen Banken nicht einberechnet).

Am meisten lässt sich sparen, wenn jährlich die Bank gewechselt wird. Ein solches Konto-Nomadentum ist allerdings mit erheblichem Zeitaufwand verbunden: Daueraufträge und Lastschriftverfahren müssen angepasst, der Arbeitgeber und andere Ansprechpartner wie Steueramt oder Krankenkasse müssen informiert werden.

Kleinsparer werden am meisten geschröpft

Wer der Bank nicht unnötig Gebühren zahlen will, kommt um einen Vergleich nicht herum. Dass sich dieser finanziell aber lohnt, zeigt der «Espresso»-Vergleich. Innerhalb von drei Jahren besteht zwischen dem attraktivsten und dem schlechtesten Bankangebot ein Unterschied von 570 Franken.

Frustrierend für Kleinsparer: Wer keine 7500 Franken Gesamtvermögen auf die Bank legen kann, profitiert kaum von Vergünstigungen bei den Kontoführungsgebühren und hat so den grössten Verlust.

In dieser Situation sollte ein Konto gewählt werden, bei dem die Debit- bzw. die Kreditkarte nicht zwingend dazugekauft werden muss. Diese Karten fallen bei den Bankkonto-Kosten oft stark ins Gewicht.