Geld weg: Lebensversicherer verschweigt Gebühren

Die Swiss Life kassiert für eine Lebensversicherung hohe Prämien und Verwaltungskosten, sagt bei Vertragsabschluss aber kein Wort davon. Jetzt fordert der Kunde sein Geld zurück.

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Geld weg: Lebensversicherer verschweigt Gebühren

6:15 min, aus Kassensturz vom 22.3.2005

Im Jahr 2000 schloss Kurt Müller bei der Swiss Life eine fondsgebundene Lebensversicherung ab. Der Rentner zahlte 20'000 Franken ein. Die Swiss Life verpflichtete sich, das Geld dieser sogenannte Einmalprämienversicherung anzulegen und im Fall von Müllers Tod rund 27'000 Franken zu zahlen. Damit wollte Müller seine Frau finanziell absichern.

Doch die Lebensversicherung entpuppt sich für den ehemaligen Finanzfachmann als schlechtes Geschäft: Wie abgemacht legte die Swiss Life Kurt Müllers Geld in Aktien an. Im Jahr 2000 herrschte an der Börse noch Feststimmung. Doch die Stimmung an der Börse hat sich inzwischen geändert. Müllers Vermögen schrumpft nicht nur wegen der Kursverluste: Plötzlich belastet Swiss Life dem Rentner hohe Prämien für die Todesfallversicherung und Verwaltungsgebühren: Im Jahr 2002 zahlte Müller für Risiko und Verwaltung 755 Franken, 2003 waren es 901 Franken und 2004 bereits 947 Franken.

Swiss Life zieht die Prämien direkt dem Fondsvermögen ab. Das Vermögen schmilzt, Müllers Police ist immer weniger wert.

Doppeltes Risiko für die Kunden

Von den 20'000 Franken waren Ende 2004 nur noch 8'545 Franken übrig. Vom einbezahlten Geld wird im schlimmsten Fall bis zum Ablauf der Versicherung nichts mehr vorhanden sein. "Wenn ich gewusst hätte, dass solche Kosten anfallen, wäre ich mit einem Sparkonto viel besser gefahren. Dann hatte meine Frau mindestens immer die 20'000 Franken gehabt", ärgert sich Müller. Die hohen Abzüge sind eine der Tücken von fondsgebundenen Lebensversicherung: Je tiefer die Börsenkurse sind, desto höher sind die Prämien.

Für die Kunden ein doppeltes Risiko. Doch genau dieser Zusammenhang hat die Swiss Life bei Vertragsabschluss mit keinem Wort erwähnt. "Es war nur von einer Einmalprämie die Rede. Es stand nirgends etwas von zusätzlichen Kosten für Verwaltung und Risiko. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich den Vertrag nicht abgeschlossen", sagt Müller. Tatsächlich steht in Kurt Müllers Unterlagen nichts von zusätzlichen Prämien und Kosten. Das Bundesamt für Privatversicherungen kritisiert als Aufsichtsbehörde die Swiss Life: "Die Kostenstruktur des Produktes ist nicht zu beanstanden. Aber nach unserem Kenntnisstand dieses Falles war die Information von Swiss Life tatsächlich ungenügend", sagt Manfred Hüsler vom Bundesamt für Privatversicherungen. Swiss Life sieht das anders und schreibt:

« "Neben der geleisteten Einlage werden von Swiss Life keine zusätzlichen Prämien oder Gebühren eingefordert. Die Prämie wird aus der einmalig geleisteten Einlage finanziert und schwankt mit dem Wert der Fonds". »

Darf die Versicherung nachträglich so hohe Prämien abziehen? Kassensturz legt den Fall Rechtsprofessor Alfred Koller vor. "Im konkreten Fall, müsste man prüfen, ob sich Herr Müller mit der Versicherung über die Kriterien der Prämienkalkulation geeinigt hat. Und das ist nach den mir zur Verfügung stehenden Unteralgen nicht der Fall. Da ist nur von dieser Einmalprämie die Rede. Und wenn dem so ist, dann ist der Vertrag aus meiner Sicht ungültig", sagt Koller. Der Vertrag könnte vor Gericht rückgängig gemacht werden. "Herr Müller kann die Rückgabe seiner Einmalprämie verlangen. Gewisse Abzüge muss er sich allerdings gefallen lassen, da die Versicherung bereits bestimmte Leistungen erbracht hat", sagt Koller.