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Geld Illegales Geschäft mit Bankgebühren

Viele Vermögensverwalter und Banken machen gleich zweimal die hohle Hand: sie kassieren hohe Gebühren von ihren Kunden und stecken auch Provisionen stillschweigend ein. Das ist illegal. Jetzt sagen Experten: Auch Kleinanleger, die ein Wertschriftendepot bei der Bank haben, können Geld zurückfordern.

Der Vermögensverwalter, der das Kundenvermögen betreut, legt das ihm anvertraute Geld bei Banken an und kauft für seine Kunden Aktien oder Fonds.

Was viele Konsumenten nicht wissen: Für solche Käufe erhält er von der Bank Rückvergütungen, so genannte Retrozessionen oder «Kick-Backs». Ein Milliarden-Geschäft, an dem der Kunde, Vermögensverwalter und Bank beteiligt sind. Der Kunde entrichtet seinem Vermögensverwalter eine Gebühr für die Verwaltung des Vermögens. Zusätzlich zahlt er auch Gebühren an die Bank, bei der sein Vermögensverwalter das Geld anlegt, beispielsweise für den Kauf von Anlagefonds oder Aktien.

Bis zu 50 Prozent dieser Gebühren fliessen als Retrozessionen zurück an den Vermögensverwalter. Nur leider findet das Geld noch immer nicht zum Kunden zurück.

Kunden haben Ansprüce auf Retrozessionen

Für Rechtsanwältin Monika Roth, Spezialistin für Finanzrecht, haben solche versteckte Zahlungen Nachteile für die Kunden. Der Vermögensverwalter habe den Auftrag, die Interessen des Kunden zu wahren, nicht seine eigenen, sagt sie.

«Da er aber für die gleiche Transaktion Geld von jemand anderem annimmt, steht er in einem Interessenkonflikt. Unter Umständen lässt er sich nämlich vom Anreiz einer zusätzlichen Provision bei der Auswahl der Anlage beeinflussen.»

Die Schweizer Vermögensverwalter verwalten über 500 Milliarden Franken. Pro Jahr dürften ihnen Rückvergütungen von über zwei Milliarden Franken zufliessen. Dieses Geld gehört den Kunden, sagt das Bundesgerichtsurteil vom März 2006, das in der Finanzbranche für viel Aufregung sorgt. Doch in der Praxis sieht es anders aus: 81 Prozent der Vermögensverwalter leiten Retrozessionen nicht an ihre Kunden weiter, heisst es im Bundesgerichtsurteil.

Monika Roth hat ein Buch über Retrozessionen geschrieben. Sie erklärt die Ansprüche von Kunden: «Der Vermögensverwalter muss offenlegen in welcher Höhe er Retrozessionen bekommt. Der Kunde hat Anspruch auf diese Entgelte.»

Kassensturz liegen Dokumente eines Rechtsfalls vor. Eine Kunde verlangt von einem Vermögensverwalter die einkassierten Retrozessionen zurück. Es kommt zu einem Vergleich. Die Parteien haben striktes Stillschweigen vereinbart. Es ist viel Geld im Spiel: Der Vermögensverwalter zahlt dem Kunden für Retrozessionen 150'000 Franken zurück. Trotz klarer Rechtslage weigern sich andere Vermögensverwalter, eingenommene Rückvergütungen an ihre Kunden zurückzuzahlen.

Bundesgerichtsurteil wird ignoriert

Der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer hat verschiedene Vergleiche abgeschlossen und vertritt auch Interessen von Vermögensverwaltern und Banken. Er sagt, dass viele Vermögensverwalter das Bundesgerichsurteil einfach ignorieren. Eine Strategie, die auf Dauer nicht aufgehen wird. Daniel Fischer rät dazu, einen Vergleich mit den Kunden auszuhandeln.

Jean-Pierre Zuber, der Präsident des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter, vertritt die Interessen von rund 800 Vermögensverwaltern. Zuber verneint nicht, dass es zu Interessenskonflikten kommen kann. «Die Interessenkonflikte bestehen. Sie haben damit zu tun, dass der Kunde möglichst viel Geld verdienen möchte, und dass der Vermögensverwalter von den Vermögen, die er verwaltet, möglichst gut leben will.» Das sei legitim, so Zuber. Der Vermögensverwalter sei aber daran interessiert, auf lange Sicht ein Vermögen erfolgreich zu verwalten. Wenn er ohne Rücksicht auf seinen Kunden das Vermögen im Hinblick auf die Retrozessionen anlegen würde, wäre er nicht lange erfolgreich in der Branche.

Banken und Retrozessionen: ein umstrittenes Gebiet

So oder so: Retrozessionen gehören den Kunden. Das gilt auch für Kleinsparer, die ihr Vermögen bei Banken anlegen. Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht der Universität Bern hält fest: Auch Banken müssen Retrozessionen herausrücken, wenn sie Kunden bei der Anlage beraten. «Nicht nur Vermögensverwalter selber, sondern auch Banken, die Kundengelder anlegen, sind Vermögensverwalter. Und wenn eine Bank für ihre Kunden das Geld verwaltet, also nicht nur abwickelt, sondern auch anlegt, bekommt sie Retrozessionen, die dem Kunden gehören.»

Die Schweizerische Bankiervereinigung sieht es anders:

 «Im Produktevertrieb erbringt eine Bank verschiedene Dienstleistungen für den Produkteanbieter, die sie sich abgelten lässt. Das sind keine Retrozessionen. Verkauft sie dem Kunden eigene Produkte oder Produkte aus dem Eigenbestand, kann ebenfalls nicht von Retrozessionen die Rede sein.»

Rechtsprofessor Peter V. Kunz von der Universität Bern stellt klar, dass der Kunde Ansprüche nicht nur gegenüber von einem eigentlichen Vermögensverwalter hat, sondern auch gegenüber der Bank, welche die Vermögensverwaltung für ihn übernimmt. Einerseits habe der Kunde Anspruch auf vollständige Information über die Höhe von entrichteten Entgelten, andererseits hat er Anspruch auf seinen Anteil daran.

Die Banken sperren sich gegen diese Auslegung. Ob nun auch Kleinanleger die Rückvergütungen zurückbekommen, dürften erst neue Prozesse zeigen.