Kreditkarten: Unverschämte Wechselkurse im Ausland

Die Kreditkartenabrechnung kommt Wochen nach dem Einkauf, wer erinnert sich da noch an den genauen Wechselkurs. Das nützen Kreditkartenfirmen aus: Sie verrechnen intransparente und unverschämt hohe Euro-Wechselkurse. Wäre Bargeld oder die Bankkarte günstiger? «Kassensturz» rechnet nach.

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Kreditkarten: Unverschämte Wechselkurse im Ausland

6:58 min, aus Kassensturz vom 5.11.2013

Überall – und vor allem im Ausland – auch ohne Bargeld willkommen zu sein,so erklärt die Werbung den Einsatz von Kreditkarten.

Das böse Erwachen für die Kunden folgt meist mit der Abrechnung. Anders als im Inland ist der Einsatz der Kreditkarte im Ausland nicht gratis. Im Ausland fallen für jeden Einkauf Transaktionsgebühren an, zwischen 0,9 und 2,5 Prozent des ausgegeben Betrages an.

Nicht nur das schlägt zu Buche, dazu kommen noch Fremdwährungszuschläge. Diese Zuschläge sind versteckte Gebühren und Kreditkartenherausgeber informieren nicht transparent wie Fremdwährungen umgerechnet werden.

Aufschlag auf Eurokurs

Diese Erfahrung machte auch Swisscard-Kunde Hans-Rudolf Brauchbar. Anfangs September verbrachte er mit seiner Frau einige Tage in Spanien. Im Hotel bezahlte Hans-Rudolf Brauchbar die Rechnung mit der Kreditkarte von 1679 Euro.

Als er kurze Zeit die Kreditkarten- Abrechnung bekam, staunte er: Das Hotel kostete nun 2164.75 Franken. Auf der Rechnung seiner Mastercard ebenfalls aufgeführt waren, das Datum der Buchung, der verwendete Euro-Kurs und die Bearbeitungsgebühr pro Transaktion von 2,5 Prozent.

Hans-Rudolf Brauchbar wunderte sich über den Eurokurs: «Als erstes habe ich den 7-stelligen Euro-Wechselkurs von 1.2578578 gesehen! Da habe gedacht, das ist sehr seriös. Bis ich im Internet den Euro-Wechselkurs gesucht habe.»

Bei Finanzen.net findet er den Euro-Devisenkurs vom 11. September, dem Tag als der Betrag verbucht wurde. Der Höchstkurs an diesem Tag betrug 1.2415 Franken. Differenz zum Swisscard-Kurs: 0.016 Franken.

Hans-Rudolf Brauchbar rechnet zusammen: Allein die Wechselkursdifferenz macht bei seiner Rechnung 28.- Franken aus, dazu kommen noch 52.- Franken aus dem Bearbeitungszuschlag von 2,5 Prozent. Total: 80.95 Franken.

Doch diese Gebühren, die bei der Umrechnung erhoben werden, kritisiert er: «Dem Konsument werden zusätzliche Spesen belastet, die nicht zu rechtfertigen sind.»

Alle Banken machen Aufschlag auf Eurokurs

«Kassensturz» wollte wissen mit welchen Kursen rechnen andere Kreditkarten-Herausgeber? Es gibt keinen offiziellen Eurokurs, jede Bank oder Kreditkartenfirma legt den individuell fest.

Der tiefste Kurs ist der sogenannte Interbankenkurs. Er gilt beim Austausch von Geldern zwischen Banken. Die Schweizerische Nationalbank publiziert diese Euro-Kurse.

Eine Stichprobe bei den sieben grössten Kreditkartenherausgebern für den 11. September 2013 ergibt, dass alle Kreditkartenherausgeber mit einem höheren als dem Interbankenkurs rechnen.

Den kleinsten Aufschlag macht Bonuscard, die die Visakarte der SBB heraus gibt. Die Kosten für das Hotel würden 2093 Franken betragen. Das wären 11 Franken mehr als mit dem Internbankenkurs.

Bis zu 2 Prozent versteckte Gebühren

Benjamin Manz im Interview

1:51 min, vom 5.11.2013

Dass Aufschläge Rappen-Bereich ins Gewicht fallen können, weiss Benjamin Manz, Geschäftsführer der Vergleichsplattform Moneyland. Er hat 190 verschiedene Kreditkarten verglichen: Grosse Unterschiede gibt es bei den Kosten. Die können pro Jahr schnell ein paar hundert Franken ausmachen.

Manz sagt: «Denn zu den Bearbeitungsgebühren, die transparent ausgewiesen werden und zwischen 0,9 und 2,5 Prozent betragen, kommen versteckte Gebühren im Umrechnungskurs dazu, die nochmals bis zu 2 Prozent ausmachen können.»

Banken legen Währungskurse fest

Wie transparent informieren die grossen Kreditkarten-Firmen zu Wechselkursen? In den Gebührenübersichten steht meistens gar nichts, die UBS und die Postcard weisen immerhin auf den «UBS-Devisenverkaufskurs» hin. Aber alle unterlassen es mitzuteilen, dass sie auf den Interbankenkurs aufschlagen.

Die Swisscard, die Herausgeberin von Hans-Rudolf Brauchbars Mastercard, veröffentlicht die Kurse seit kurzem auf der Homepage. Aber wie werden sie berechnet? Swisscard schreibt «Kassensturz»: «Für die Berechnung der Fremdwährungskurse stützt sich Swisscard auf diverse Marktquellen und auf die Kurse der Karten-Netzwerke. Auf dieser breit abgestützten Basis wird der anwendbare Kurs der Kategorie Kleinverkauf-Transaktionen (Beträge bis CHF 100‘000) festgelegt.»

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Bildlegende: Vergleich: Zahlungs-Arten SRF

Bar, Bankkarte oder Kreditkarte?

Was hätte Hans-Rudolf Brauchbar bezahlt, wenn er die Hotelrechnung anstatt mit der Mastercard von Swisscard – in bar oder mit der Maestro-Karte beglichen, hätte? Oder anders gefragt: Welches ist die billigste Variante im Ausland eine Rechnung zu bezahlen? «Kassensturz» hat nachgerechnet am Beispiel eines Credit Suisse-Kunden.

1679 Euro bezogen, an einem CS-Bankomaten in Schweiz, kosten 2125.- Franken. Es fallen keine Gebühren an und es gilt der Notenkurs. Der Kunde spart 40.- Franken im Vergleich zur Kreditkarte.

Wer die Summe in Spanien, vor Ort an einem Bankomat bezieht fährt noch günstiger: Der Bargeldbezug kostet 42.- Franken weniger. Darin inbegriffen ist die Gebühr für den Bezug von 4.75 Franken und 0.25 % des Betrags.

Am günstigsten fährt, wer den Betrag mit einer Debitkarte, beispielsweise der Maestrokarte vor Ort begleicht. Kosten: 2115.- Franken, (inkl. Gebühr von 1.50 Franken pro Transaktion), das sind 50.- Franken weniger als mit der Kreditkarte.