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Kubakrise in Adliswil: Credit Suisse blockt harmlose Bankzahlung
Aus Kassensturz vom 29.03.2016.
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Geld Kubakrise in Adliswil: Credit Suisse blockiert harmlose Zahlung

Ein Adliswiler wird unverschuldet zum Opfer der Weltpolitik: Der Credit-Suisse-Kunde überwies 500 Euro nach Deutschland. Doch die Bank blockierte die harmlose Zahlung. Wegen eines möglichen Verstosses gegen US-Sanktionen. Grund: Ein falsches Wort im Betreff.

Armin H. machte im Frühjahr Ferien in Kuba. Als das Geld unerwartet knapp wurde, half ihm ein deutscher Tourist aus der Patsche. Zurück in der Schweiz wollte er die Schulden begleichen, aber seine Bank verweigerte die Überweisung nach Deutschland. Grund dafür: Armin H. hatte die Zahlung mit dem Betreff «Rückzahlung Darlehen Kuba» in Auftrag gegeben.

Beim Wort «Kuba» sah die Credit Suisse offensichtlich rot. Die Karibikinsel ist seit Jahrzehnten mit einem Handelsembargo belegt, die Beziehungen zu den USA sind trotz jüngster Annäherungsversuche angespannt.

Die Schweiz ist von dieser Handelssperre nicht betroffen. Die Credit Suisse ist wegen ihrer internationalen Tätigkeit aber beflissen, die amerikanischen Behörden nicht zu verärgern.

Geld trotz persönlichem Gespräch gesperrt

Deshalb wurde Armin H. Zahlung nach Deutschland umgehend gestoppt. Für diese Vorsichtsmassnahme hat der CS-Kunde Verständnis, erzählt er «Kassensturz». Dass seine 500 Euro aber trotz einem klärenden Gespräch mit seinem langjährigen Kundenberater gesperrt blieben, ist für ihn nicht nachvollziehbar.

Armin H. probierte es ein zweites Mal mit der Überweisung. Diesmal mit 501 Euro und ohne Zahlungsbetreff. Vergebens. Das Geld blieb blockiert und es folgte ein hochoffizielles Schreiben, in dem die Bank klar macht, dass sein Bemühen erfolglos ist: «Da wir bei der von Ihnen in Auftrag gegebenen Zahlung nicht zweifelsfrei feststellen konnten, dass sie nicht […] unter Einschränkungen fällt, haben wir diese gelöscht […]. Wir bitten Sie, diese Zahlung kein weiteres Mal bei der Credit Suisse in Auftrag zu geben.»

«Ich fühle mich kriminalisiert»

Armin H. ist verärgert und fühlt sich beobachtet: «Ich habe das Gefühl, dass mein Konto generell überwacht wird. Ich fühle mich kriminalisiert – als ob ich etwas ganz Schlimmes gemacht hätte! Das ist mir sehr nahe gegangen.»

Die Credit Suisse will den Ärger ihres Kunden nicht kommentieren. Man könne nicht auf einzelne Fälle eingehen, lässt ein Mediensprecher «Kassensturz» ausrichten. Aus Sicherheitsgründen gibt die Bank auch keine allgemeine Auskunft zur Vorgehensweise bei Zahlungen mit heiklen Wörtern im Betreff.

Filtermechanismen der Banken bleiben im Dunkeln

Der Betreff «Kuba» an sich scheint nicht überall ein Problem zu sein. Bei einem Test auf der «Kassensturz»-Redaktion funktionierten Überweisungen bei anderen Banken zumindest im Inland problemlos: Raiffeisen, UBS, die Zürcher Kantonalbank, Postfinance und die Luzerner Kantonalbank liessen die Zahlungen mit kleinen Beträgen unter dem Betreff «Kuba» passieren.

Ob die Filtermechanismen der Banken unterschiedlich eingestellt sind oder ob neben dem Betreff auch andere Faktoren mitspielen, bleibt offen.

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Was sind Ihre Erfahrungen? Wurde Ihnen auch schon eine Zahlung blockiert? Wenn ja: Wieso? Mit welchem Begriff im Betreff? Schreiben Sie uns!

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Ka , Zürich
    Wenn die CS trotz eines klärenden Gesprächs die Zahlung nicht durchführen will, sollte Herr H. ehestmöglich seine Geschäftsverbindung zu dieser Bank abbrechen. Für mich nur eine weitere Credit Suisse-Episode, die gut ins Gesamtbild passt und weswegen auch ich dieses kundenunfreundliche Institut in Kürze verlassen werde.
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  • Kommentar von Rolf Kubli , 8808 Pfäffikon
    Hier hat wohl der Sanktionsfilter Fircosoft zugeschlagen. Dieser filtert verdächtige Transaktionen aus. Da hat wohl ein dusseliger Mitarbeiter nicht viel studiert und einfach wegen des Wortes Kuba, die Zahlung eingefroren. Filter sind gut und recht aber Menschen sollten dennoch das Hirn einschalten und den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn man sieht wie diese Systeme funktionieren und das man damit unter anderem Terrorismusfinanzierung verhindern will kommen einem so seine Zweifel.
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  • Kommentar von Robert Pfäffli , 8055 Zürich
    So weit führt es wenn nicht mehr mit dem gesunden Menschenverstand entschieden wird. Wenn sich praxisfremde Juristen, welche sich nur noch an den Regulatorien orientieren und die Fälle nicht mehr aus Sicht und im Interesse des Kunden beurteilen, führt dies zu solchen unverständlichen Entscheiden.
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