«Lunidan Est»: Abzocke unter neuem Namen

Eine Ferienwoche auf Ibiza gewinnen … oder ein Karrierecoaching? Doch die «Umfrage mit Wettbewerb» der «LSD Academy» entpuppt sich als eine altbekannte Abzockmethode.

Auf dem Weg in die Berufsschule bekam Susanne Kubli (Name geändert) von einem gut gekleideten jungen Mann einen Energy Drink und einen Flyer in die Hand gedrückt. «Eine Ferienwoche auf Ibiza gewinnen», hiess es darauf. Susanne Kubli versuchte ihr Glück. Und gewann!

Nicht die Ferienwoche, sondern ein «Gratistreffen». Dort versprach ein gewiefter Verkäufer der 20-Jährigen das Blaue vom Himmel. «In Seminaren würde man mir beibringen, wie ich meinen Lohn erhöhen könne», erinnert sie sich.

Am Ende dieses «Gratistreffens» unterschrieb die Berufsschülerin einen Kaufvertrag der Firma «Lunidan Est.» über ein Weiterbildungspaket. Kostenpunkt: 7600 Franken. Zahlbar in 33 Raten à 200 Franken.

System wie «Business Academy» oder «Eternicom»

Das Geschäftsmodell der «Lunidan Est.» mit Sitz in Schaan (FL) erinnert an eine alt bekannte Masche, über die «Kassensturz» schon mehrere Male berichtet hat: Mit den immer gleichen Versprechen vom schnellen Geld werden vor allem jungen, unerfahrenen Leuten Weiterbildungsunterlagen, Seminare und Motivationstrainings für tausende von Franken angedreht. (Aufnahmen einer Veranstaltung auf youtube.com)

Bekannt für solche Praktiken ist die «Business Academy», die unter «Eternicom» und «Maximus Ltd» mit schneeballsystemähnlichen Systemen auf Kundenfang geht. Ähnlich funktionieren auch die Vorgängerin von Business Academy «Power Management Lifestyle» (PM Lifestyle) oder «Victory Corporation».

In einer Stellungnahme bestreitet die «Lunidan Est» einen Zusammenhang mit diesen Firmen: «Sowohl Lunidan wie auch die LSD Academy hat absolut nichts mit der «Business Academy», nachfolgend «Eternicom» und heute «Maximus Ltd» zu tun. Wir distanzieren uns vehement von diesen Unternehmen, deren Organen und deren Geschäftspraktiken.»

Doch «Kassensturz/Espresso» weiss: Inhaber der Internetadresse von «Lunidan Est.» ist ein gewisser Gerhard Hagspiel. Hagspiel trat vor Jahren im «Kassensturz» auf. Als Sprecher der «Business Academy».

Dicke Post vom Inkassobüro

Wer sich von «Lunidan Est.», «Maximus Ltd», «Eternicom» oder «Busniess Academy» zu einer Unterschrift hat drängen lassen, die überteuerten Seminare aber nicht bezahlen kann oder aussteigen will, lernt die redegewandten Trainer von ihrer unangenehmen Seite kennen: Vom «hauseigenen» Inkassobüro hagelt es Mahnungen und schliesslich steht der Betreibungsbeamte vor dem Haus.

Die Geldeintreiber schrecken auch von Druckversuchen am Telefon nicht zurück. Dabei muss man sich diese Einschüchterungsversuche nicht gefallen lassen: Betroffene können einen unterschriebenen Vertrag innerhalb von sieben Tage mit Verweis auf das Haustürgesetz widerrufen.

Der Widerruf muss der «Lunidan» schriftlich und eingeschrieben zugestellt werden. Leitet das Inkassbüro die Betreibung ein, unbedingt innerhalb von 10 Tagen ab der Zustellung Rechtsvorschlag erheben. Das Verfahren ist dann vorderhand gestoppt und das Inkassobüro muss vor Gericht um die Rechtmässigkeit ihrer Forderung kämpfen. (Merkblatt und Musterbrief als PDF)

Dabei stehen die Chancen für «Lunidan Est.», «Maximus Ltd.», «Eternicom» und «Business Academy» nicht allzu rosig. Ihre Verträge, so haben Richter in mehreren Verfahren entschieden, verstossen gegen das Gesetz und sind somit ungültig. Hängig ist auch ein Strafverfahren.

Nichts zahlen und nicht unterschreiben

Schwierig ist die Situation für Betroffene, die ihre Rechnungen bereits bezahlt haben. Im Thurgau hat ein Mann diesen Sommer gegen die «Eternicom» geklagt und sein Geld zurück verlangt. Das Problem: Der Firmensitz befindet sich in der Karibik, die Hintermänner sind bis heute nicht namentlich bekannt.

Vor dem Frauenfelder Gericht sind sie denn auch nicht erschienen. Der Weiterzug des Verfahrens würde sich über Jahre hinziehen und dürfte den Geprellten ein Vermögen kosten.

Besser: Sich niemals unter Druck zu einer Unterschrift drängen lassen. Nicht einmal, wenn einem «Erfolg» mit «bis zu 10 000 Franken» Zusatzeinkommen im Monat versprochen wird.