Paradox: Prepaid-Kreditkarten kann man überziehen

Viele Kunden setzen aus Sicherheitsgründen oder wegen der Budgetkontrolle auf eine aufladbare Kreditkarte. Denn mit dieser Karte kann maximal so viel ausgegeben werden, wie aufgeladen ist. Doch «Espresso» weiss: Prepaid-Kreditkarten können sehr wohl überzogen werden.

Cornèrcard-Kunde Markus B. plant eine grössere USA-Reise und setzt dafür bewusst auf eine aufladbare Kreditkarte. Damit er sein Budget im Griff hat – denn er kennt sich mittlerweile und weiss, dass er gerne ein paar Franken zu viel ausgibt, wenn er keine Limite hat.

Dank der Prepaid-Kreditkarte von Cornèrcard macht sich Markus B. während seinen Ferien deshalb keine Sorgen, dass er ohne es zu merken ins Minus rutschen könnte.

Denn er ist überzeugt: Sobald sein Guthaben aufgebraucht ist, kann er nicht mehr bezahlen. «Wenn ich einen bestimmten Betrag auf die Karte lade und dieses Geld ist weg, dann kann ich damit nichts mehr kaufen – deshalb heisst es ja Prepaid-Karte!»

400 Franken überzogen

Im Fall von Markus B. ein fataler Irrtum. Zwei Wochen nach seiner Rückkehr aus den USA klingelt das Telefon. Es ist Cornèrcard. Er schulde dem Unternehmen noch Geld, heisst es. Konkret mehr als 400 Franken. Denn er habe seine Prepaidkarte überzogen. Wie bitte?

Markus B. versteht die Welt nicht mehr. Weder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen noch sonst wo steht explizit, dass so etwas möglich ist. Im Gegenteil: Für seine Prepaid-Kreditkarte wirbt das Unternehmen mit dem Slogan: «Mit der Cornèrcard Reload sind Sie stets auf der sicheren Seite: Ein Überziehen des Saldos ist dank vorbezahltem Guthaben ausgeschlossen.»

«Ausgaben perfekt unter Kontrolle» - denkste!

Ausgeschlossen ist offensichtlich nichts. Das muss auch Cornèrcard auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 einräumen. «Es ist schon so: Technisch ist es denkbar, dass so eine Prepaid-Kreditkarte überzogen wird», sagt Christophe Leuenberger, Rechtsanwalt bei Cornèrcard. Das seien jedoch Ausnahmefälle.

Die Gründe sind technischer Natur: Beispielsweise, wenn eine Buchung offline erfolgt – also ohne Verbindung zum Rechenzentrum. Oder eben bei einer Mietwagenbuchung: «Wenn die Mietwagenfirma den Authorisierungscode zwei Mal verwendet, für die Reservation und die Abrechnung», so Leuenberger.

Überziehen auch bei anderen Prepaid-Kreditkarten möglich

Überziehen auch bei anderen Prepaid-Kreditkarten möglich
Auch bei anderen Banken ist das Überziehen der Prepaidkarte möglich - «in Ausnahmefällen», wie es auch da überall heisst. Beispielsweise bei der Post, bei der UBS und derzeit auch bei der CS und bei Swiss Bankers.

Auch bei der Kartenherausgeberin Viseca, welche verschiedene Prepaid-Kreditkarten für mehrere Banken herausgibt, ist ein Minussaldo möglich. Dort allerdings nur bei einem «Regelverstoss des Händlers». Credit Suisse und Swiss Bankers schreiben, diesen temporären technischen Fehler demnächst beheben zu wollen.

Tipps

  1. Als Kartenbenützer dürfen Sie sich nicht auf die blosse Bezeichnung «Prepaid» verlassen und deshalb ungehemmt einkaufen. Aus technischen Gründen können Belastungen auch verzögert verbucht werden.
  2. Sind Sie unsicher, können Sie den verfügbaren Saldo im Internet oder telefonisch abfragen.
  3. Wie immer gilt: Lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Ihrer Prepaid-Kreditkarte.