Post: Millionengeschäft dank Zinstrick

Die Post verbucht einbezahltes Geld verspätet aufs Konto. Das tut sie mit voller Absicht und verdient so Jahr für Jahr Millionen. Was lukrativ ist für die Post, ist ärgerlich für die Einzahlenden: Weil Zahlungen zu spät beim Empfänger ankommen, gibt es darum oft sogar Bussen.

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29.11.2005: Post: Millionengeschäft dank Zinstrick

7:10 min, aus Kassensturz vom 29.11.2005

Wer Geld einzahlt, geht davon aus, dass es auf direktem Weg beim Empfänger ankommt. Dass dem nicht immer so ist, hat Kleinunternehmer Urs Steimen aus Wollerau erfahren müssen: Die Einzahlung der AHV-Gelder für seine 15 Angestellten machte im letzten Sommer grossen Ärger.

«Wir haben von der Ausgleichskasse eine Rechnung erhalten mit der Bitte, das Geld bis zum 10.Juli zu überweisen. Wir haben das am 8. Juli überwiesen und dann einen Monat später von der Ausgleichskasse eine Verzugszinsrechnung erhalten. Das Geld ist erst vier Tage später, am 12. Juli angekommen», sagt Urs Steimen.

Steimen bezahlte rechtzeitig, doch die Zahlung kam zu spät an. Das kostet die Firma einen Verzugszins von Fr.73.05. Vierzig Zahlungen hat Urs Steimen am 8. Juli gemacht. Alle sind am gleichen Tag beim Empfänger angekommen - ausser die eine, die 16'000 Franken an die Ausgleichskasse. Die einzige Zahlung auf ein Postkonto.

Urs Steimens Frau Petra verwaltet die Immobilien der Firma. Auch sie ärgert sich über die Post. Jeden Monat erhält sie die Zahlungen von Mietern verzögert: «Wenn Kunden über die Bank einzahlen, erhalten wir dieses Geld am gleichen oder am nächsten Tag. Bei Mietern, die über die Post einzahlen, ist das Geld erst nach mehreren Tagen bei uns.»

Das macht die Post Tag für Tag. Millionen Zahlungen treffen mit mindestens einem Tag Verspätung ein. Davon sind die meisten Überweisungen, die über die Post gehen. Die Post-Tochter Postfinance will nur schriftlich Stellung nehmen und gibt zu, dass sie Zahlungen verzögert - ausser wenn sie mit einem roten Einzahlungsschein getätigt werden.

Kassensturz weiss: Bei der Post arbeitet das Geld in der Nacht. Postfinanz investiert das Geld in sogenannte OverNightAnlagen. Das sind Geldgeschäfte bei Banken mit einer Fälligkeit von einem Tag. Wie viel Postfinance damit verdient, verrät sie nicht.

Gemeinsam mit "Kassensturz" hat Zinsexperte Lorenz Heim vom Vermögenszentrum ausgerechnet, wie viel die Post mit diesem Trick einnimmt: «Man muss drei Elemente anschauen, um dies auszurechnen: Einerseits das Volumen, das hat 940 Milliarden Franken, dann der Zinssatz, der betrug letztes Jahr etwa 0,3 Prozent und dann die Anlagezeit, das sind mit den Wochenenden durchschnittlich 1,15 Tage.

Das bedeutet, dass man letztes Jahr so 9 Millionen Franken verdienen konnte.» Postfinance schreibt dazu: «Dank der Erträge aus dem dazwischen geschalteten Arbeitstag kann die Post zu günstigen Konditionen ein flächendeckendes Netz für den Zahlungsverkehr zur Verfügung stellen. Davon profitiert die ganze Bevölkerung in allen Regionen der Schweiz.»

Die Post verdient auf Kosten der Kunden. Zahlungen kommen zu spät, und oft gibt es deshalb sogar Bussen. Banken machen das anders: Was sie bis 15 Uhr verarbeiten, schreiben sie normalerweise sofort gut. Was lukrativ ist für die Post, ist unverständlich für die Firma Steimen. Postfinance behält die Mietzahlungen nicht nur zurück, sondern bittet zusätzlich für empfangene Zahlungen zur Kasse.

Sie verrechnet dem Empfänger auch Spesen. Dabei ist die Firma Steimen nicht einmal Postkunde: «Wenn jemand bei uns einen Tiefgaragenplatz für 140 Franken gemietet hat und dies jeden Monat per Post einzahlt, so zahlen wir im Jahr 24 Franken Spesen - obwohl wir gar keine Postverbindung haben», sagt Petra Steimen.