SuisseID: Mehr als ein teurer Flop?

Seit rund fünf Jahren können sich Schweizer eine digitale Identität zulegen. «Innerhalb von zwei Jahren muss man eine SuisseID haben», erklärte damals der Bund. Dies ist jedoch nicht passiert. Der Hauptgrund: Das sichere Login, eine der Hauptfunktionen der SuisseID, hat sich nicht durchgesetzt.

Die SuisseID ist auf einer Karte im Kreditkartenformat oder einem USB-Stick gespeichert. Seit einiger Zeit kann die digitale Identität auch losgelöst von einem Trägermedium genutzt werden, auf Tablets und Smartphones. Der Dienst kann z.B. bei der Post erworben werden und ist teuer: Ein Jahr kostet 79 Franken, für weitere 50 Franken bekommt man eine SuisseID für drei Jahre.

Einloggen mit der SuisseID: Enttäuschte Erwartungen

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco war bei der Lancierung federführend und setzte grosse Hoffnungen in die Login-Funktionalität der SuisseID.

Statt sich bei Online-Shops, der Versicherung oder Behörden mit jeweils verschiedenen Passwörtern einzuloggen, sollte man für alle Logins nur noch die SuisseID gebrauchen können. Karte oder USB-Stick in den Computer – und eine sichere Verbindung ist aufgebaut.

Nur: diese Art des Logins braucht auch heute, fünf Jahre nach der Lancierung praktisch niemand. Ein Grund ist, dass Passwörter zwar weniger sicher, aber gratis und weniger kompliziert sind. Eine SuisseID ist im Gegensatz dazu nicht nur teuer, sondern man muss auch zuerst mit einem Ausweis an einen Schalter, z.B. bei der Post, um eine zu bekommen.

Es fehlen die grossen Anwendungen

Reto Zwyssig, Medienverantwortlicher des Trägervereins SuisseID, sieht als Hauptgrund aber das fehlende Angebot: «Damit sich so ein Login durchsetzen kann, braucht es auch genügend Anwendungen, um es einzusetzen. Wir haben zwar rund 200 Anwendungen, bei denen man sich mit der SuisseID einloggen kann. Wirklich grosse Anwendungen fehlen jedoch.»

Die grossen Online-Händler Brack.ch und Digitec haben die Möglichkeit, dass Kunden sich mit der SuisseID anmelden können, mangels Interesse wieder abgeschafft. Es verbleiben zum Beispiel die Online-Bank Swissquote, die Krankenkasse KPT und diverse Gemeinden, bei denen man sich mittels der SuisseID sicher verbinden kann.

Die digitale Unterschrift als Rettung der SuisseID

Dass die SuisseID nicht zum totalen Flop geworden ist, ist einer weiteren Funktionalität zu verdanken: Der digitalen Unterschrift. Statt ein Dokument auszudrucken, zu unterschreiben und mit der Post zu verschicken, kann das Dokument mit der SuisseID mit einem Mausklick digital unterschrieben werden. Dabei wird es mit einer Art virtuellem Wasserzeichen versehen und kann danach nicht mehr verändert werden.

Da diese digitale Signatur rechtlich einer Unterschrift gleichgesetzt ist, lassen sich Abläufe in Unternehmen stark vereinfachen: Dokumente werden nicht mehr von Hand unterschrieben und per Post verschickt, sondern einfach am Computer versendet. Die Funktion stösst bei Unternehmen auf reges Interesse.

Zwar gibt der Trägerverein SuisseID keine Zahlen heraus, gegenüber «Espresso» von Radio SRF 1 sagt Reto Zwyssig immerhin, dass wegen der digitalen Unterschrift der Umsatz mit der SuisseID seit drei Jahren steigt.

«In fünf bis zehn Jahren» Teil des täglichen Lebens

Mittelfristig dürfte die digitale Unterschrift der SuisseID auch für private Benutzer interessant werden. Reto Zwyssig wagt eine erneute Prognose: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in fünf bis zehn Jahren die digitale Signatur nicht bei einem Grossteil der Personen durchgesetzt hat und ein normaler Teil des täglichen Lebens geworden ist.»

Anwendungen für Private sind zwar viele denkbar, aber nur in den wenigsten Fällen bereits umgesetzt. Einwohner des Kantons Jura können beispielsweise bereits jetzt ihre Steuererklärung nicht nur am Computer erfassen, sondern auch digital unterschreiben und am Computer übermitteln.

Andere Kantone zögern noch. Dafür dürfte es laut Reto Zwyssig bald möglich sein, z.B. mit der SuisseID online ein Bankkonto zu eröffnen, ohne dafür am Bankschalter erscheinen zu müssen.

Neue Identitätskarte auch mit digitalen Daten

Der Bund ist jedoch skeptisch. Ein Fazit des Bundesamts für Polizei Fedpol von 2013 bescheinigte der SuisseID lediglich ein «Nischendasein». Dafür soll die nächste Generation der Identitätskarte mit einer digitalen Komponente ausgestattet werden. Wer ab voraussichtlich 2017 eine neue ID erwirbt, soll wählen können, ob darauf auch digitale Identifikationen gespeichert sein sollen.

Was damit alles gemacht werden kann, ist allerdings noch offen. Reto Zwyssig vom Trägerverein SuisseID sieht die neue ID auf alle Fälle nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Für sicheres Login und die digitale Unterschrift würde nach wie vor eine SuisseID gebraucht, so Reto Zwyssig gegenüber «Espresso».