Weshalb Nivea ein Goldesel ist

Internationale Markenartikel-Hersteller sind in der Kritik: Sie würden in der Schweiz überhöhte Preise verlangen. Berechnungen eines Experten für «Kassensturz» zeigen nun: Für einen Sonnenschutz-Spray verlangt Nivea von Schweizer Detailhändlern rund 75 Prozent mehr als von ausländischen Händlern.

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Wer von der Frankenstärke profitiert

6:02 min, aus Kassensturz vom 23.8.2011

Der Nivea Sun Spray im 200 ml-Fläschchen kostet in Deutschland in der Drogerie Mülller 8 Euro 45. Bei Coop 20 Franken. Das ist ein massiver Preisunterschied: Umgerechnet in Franken und ohne die unterschiedlich hohe Mehrwertsteuer müssen Schweizer Konsumenten für den gleichen Spray über 126 Prozent mehr bezahlen.

Schweizer Tochter als «Goldesel»

Der ehemalige Denner-Einkaufschef und Detailhandelsexperte Hans-Rudolf Brauchbar hat für «Kassensturz» analysiert,  warum der Nivea Sun Spray in der Schweiz so viel teurer ist. Dazu hat er die Einkaufspreise und Margen des Produktes berechnet. Gemäss Brauchbar sei die Tochtergesellschaft von Beiersdorf in Basel ein «Goldesel». Beiersdorf könne in der Schweiz zu wesentlich teureren Preisen verkaufen als in Deutschland.

Im Einkauf 75 Prozent teurer

«Beiersdorf in Deutschland verkauft einem deutschen Detailhändler den Nivea Sun Spray zu rund  6 Franken 27», schätzt Brauchbar. Beiersdorf Schweiz verkaufe den Spray an Schweizer Detailhändler für rund 11 Franken, so der Detailhandels-Experte. «Das ist ja sage und schreibe 75 Prozent mehr. Das ist ein willkürlicher Aufschlag zu Lasten des Schweizer Konsumenten.» Der Anteil von Coop am Verkaufspreis von 20 Franken beziffert Hans-Rudolf Brauchbar auf 37,5 Prozent.

Kritik von Coop

Coop Einkaufschef Jürg Peritz kritisiert den Beiersdorf-Konzern: Er müsse für den Nivea Sun Spray im Einkauf mehr bezahlen als das Produkt in Deutschland im Laden koste. Die Berechnung von Hans-Rudolf Brauchbar sei sogar noch etwas tief gegriffen. «Der Einkaufspreis liegt sogar noch 10 Prozent darüber, grob, würde ich sagen.» Das zeige, dass die Einstandspreise, die die Lieferanten von Coop verlangen, zu hoch seiebn.

Währungsvorteile weitergegeben

Beiersdorf Schweiz erklärt, dass das Unternehmen «aufgrund der aktuellen Gespräche mit dem Handel über die laufende Preissenkungsrunde» die Anfrage von «Kassensturz» nicht beantworten könne ─ «um die Verhandlungen nicht zu stören». Der Konzern erklärt weiter, dass seit Oktober 2010 die anfallenden Währungsvorteile laufend an den Handel weiter gegeben worden seien und die Festlegung der Konsumentenpreise in der alleinigen Hoheit des Handels liege.