Zum Inhalt springen
Inhalt

Gesundheit Ärzte-Bewertungen im Internet noch wenig aussagekräftig

Auf Ärzte-Bewertungs-Portalen können Patienten einen passenden Arzt finden. Doch die Qualität eines Arztes lasse sich nicht so einfach bewerten wie Hotels oder Restaurants, kritisieren Fachleute.

Legende: Audio Ärzte-Bewertungen im Internet noch wenig aussagekräftig abspielen. Laufzeit 04:46 Minuten.
04:46 min, aus Espresso vom 14.11.2014.

Bewertungsportale in Internet sind eine gute Sache. Wer ein Hotel oder ein Restaurant sucht, kann von Bewertungen von anderen profitieren. Warum sollte man nicht auch seinen Arzt über ein Onlineportal finden? In der Schweiz gibt es bisher zwei Plattformen, auf welchen Patienten Empfehlungen oder Bewertungen zu Ärzten abgeben können. Es sind dies «Okdoc.ch» und «Medicosearch.ch».

Als «Okdoc.ch» 2008 als schweizweit erste Bewertungsplattform aufgeschaltet wurde, stiess diese bei den Ärzten auf wenig Gegenliebe. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte intervenierte und sämtliche negativen Kommentare mussten entfernt werden.

Seither führt die Firma Bonus «okdoc.ch» nur noch als Empfehlungsportal. Arnauld Welti, Marketingverantwortlicher von Bonus, sagt: «Wenn sich die Patienten frei äussern könnten, hätten wir sicher mehr Bewertungen.» Derzeit werde die Seite nicht mehr aktiv bewirtschaftet. «Das macht in der jetzigen Situation für uns keinen Sinn.»

Bei Negativ-Bewertungen wird Arzt informiert

Beim zweiten Bewertungsportal «Medicosearch.ch» seien auch negative Bewertungen über Ärzte zu finden, sagt Geschäftsführer Beat Burger: «Bevor wir negative Bewertungen aufschalten, informieren wir den betroffenen Arzt darüber. Er kann dann entscheiden, ob das negative Feedback aufgeschaltet wird oder nicht. Falls er das nicht will, wird die Feedback-Funktion ausgeschaltet. Damit verschwinden aber auch alle positiven Rückmeldungen.»

Alle Patienten-Bemerkungen würden zudem vor der Freischaltung auf ehrverletzende Aussagen und unbeweisbare Tatsachenbehauptungen überprüft. Das Problem allerdings ist, dass es bei den meisten Ärzten nur eine oder zwei Bewertungen gibt, was nicht sehr aussagekräftig ist. Das sieht auch Beat Burger so, sagt aber: «Zwei Bewertungen sind besser als gar keine. Wir sehen jedoch, dass Leute, die ihren Termin online buchen, oft auch eine Bewertung schreiben.»

Keine Rache-Kommentare

Die meisten Bewertungen lauten: Arzt nimmt sich Zeit, ist ehrlich interessiert, geht auf Patienten ein oder musste nicht lange warten. Das seien Kriterien, welche für einen Patienten durchaus wichtig sein könnten, findet Erika Ziltener, Präsidentin des Zentralvorstandes der Schweizer Patientenstellen. Sie gibt aber zu bedenken: «Bei solchen Kommentaren weiss ich nicht, wie sie zustande gekommen sind. Wer eine schwere Diagnose erhält, erlebt den Arztbesuch ganz anders als jemand, der gute Nachrichten bekommt.»

Christoph Bosshard ist im Zentralvorstand der Ärzteverbindung FMH und fügt noch einen weiteren Punkt an: «Es ist wichtig zu wissen, ob diese Bewertung wirklich ein Patient verfasst hat oder jemand diesem Arzt eins auswischen will.» Dies könne der Fall sein, wenn ein Arzt nicht die vom Patienten gewünschte Behandlung durchführe. Bosshard ist darum der Meinung, dass man besser das Gespräch mit dem Arzt selber suche, wenn man nicht zufrieden ist. «Ein Onlineportal ist der falsche Ort, um solche Beschwerden zu deponieren.»

«Espresso» hat Ärzte angefragt, welche auf den Portalen aktiv für sich werben. Sie sind zufrieden mit dem Onlinebewertungsportal und haben keine negativen Erfahrungen gemacht. Ein Arzt formuliert es so: «Wir hatten aber bisher grosses Glück, weil ausnahmslos alle Kommentare sehr positiv ausgefallen sind. Freilich muss man auch mit der Möglichkeit kritischer Rückmeldungen rechnen.»

Service:

Service:

Hier erfahren Sie, wie Sie einen neuen Hausarzt finden und wie Sie eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen können.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Andrej Drakul, Stäfa
    Hände weg von Dr. Drakul! Reine Abzocke. Mein Termin für Vorsorge wurde zuerst vergessen einzutragen. Ich habe zwar Vorschlag bekommen um 12 Uhr in die Praxis zu kommen. Es war turbo Vorsorge, die nicht Mal ganze 15 Minuten dauerte und mir 390 CHF kostete. Die Rechnung wurde mir nicht Mal zugestellt , sondern direkt an die Krankenkasse geschickt. In der Abrechnung von der Krankenkasse stand der Betrag für die Röntgenuntersuchung, die garnicht bei mir durchgeführt wurde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von P. N., 8702 Zollikon
    Die beiden Portale sind beide nicht das Gelbe vom Ei. Eine Rangliste gibt es nicht. Wenn negative Kommentare und Bewertungen vorab von den Ärzten gelöscht werden können ist die ganze Sache sowieso wertlos. Eine Plattform, auf der unzensiert Ärzte beurteilt werden können wäre sehr Hilfreich, vor allem wenn man einen Spezialisten braucht. Würde sicher auch bewirken, dass sich die Ärzte (noch) mehr mühe geben würden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Piotr Hecki, Ascona
    Für Ärzte und Spitäler darf es keine Beurteilungsplattform geben. Weshalb wohl? Weil Ärzte und Spitäler Angst haben vor kritischen Meinungsäusserungen. Schlechte Arbeit, die öfter vorkommt, als man denkt, soll nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Und offenbar sind Ärzte und Spitaldirektoren "bessere" Menschen, als Restaurateure und Hoteliers, die dann aber gnadenlos abgeurteilt werden dürfen. Die Leidtragenden sind die Patienten, die froh wären um positive und negative Erfahrungen Anderer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten