Der Nachwuchs bleibt aus

Fast jeder zweite Mann leidet unter Haarausfall. Doch von den vielen Mittelchen gegen Haarausfall können nur gerade deren zwei einigermassen helfen.

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Der Nachwuchs bleibt aus

5:26 min, aus Kassensturz vom 30.9.2003

Das Angebot an Wässerchen, Shampoos und Tabletten gegen Haarausfall ist gross. Die deutsche Stiftung Warentest wollte wissen, ob die Mittel auch etwas nützen und hat verschiedene wissenschaftliche Studien über Haarwuchsmittel ausgewertet. Fazit: Von den sieben in der Schweiz erhältlichen Produkten sind nur zwei der untersuchten Produkte, nämlich Propecia und Regaine 5%, mit Einschränkungen geeignet. "Bei allen anderen hat man weder eine rationale Grundlage noch Resultate einer kontrollierten Studie. Es steckt überwiegend ein wirtschaftliches Interesse dahinter", sagt Ralf Trüeb, leitender Arzt der dematologischen Klinik im Universitätsspital Zürich.

Das rezeptpflichtige Propecia mit dem Wirkstoff Finasterid muss Mann schon bei den ersten Anzeichen von Haarausfall schlucken. Und das täglich. Ist die Glatze einmal da, hilft der Wirkstoff Finasterid nicht mehr. Wird die Einnahme gestoppt, fallen die bisher geretteten Haare aus. Für Frauen ist diese Pille absolut tabu. Der Preis: Fr. 81.30 für 30 Tabletten.

Das rezeptpflichtige Regaine 5% mit dem Wirkstoff Minoxidil ist eine Tinktur und kann den Haarausfall verlangsamen. Der Preis für 60 Milliliter: Fr. 61.90.

Bei Männern ist Haarausfall in 95 Prozent der Fälle vererbt. Frauen sind viel weniger betroffen. Gegen Haarausfall wenig geeignet ist laut Stiftung Warentest die Dercap Ampullen Kur von Vichy für Männer und für Frauen. Der Preis: Fr. 59.90 für 12 Ampullen. Ebenfalls wenig geeignet ist das Derca Vital Shampoo vom selben Hersteller für Fr. 17.90. Vichy wollte zum Resultat keine Stellung nehmen. Auch wenig geeignet ist die Haartinktur von Rausch für 26 Franken. Rausch schreibt Kassensturz, die Auswertung von Stiftung Warentest sei undifferenziert. Das rezeptpflichtige Alpicort F für Fr. 27.55 wird nur bei Frauen eingesetzt. Für die Experten von Stiftung Warentest ist die Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Hersteller Dr. Wolff Arzneimittel schreibt:

« Gäbe es keinen nachhaltigen Therapieerfolg, würde es nicht Tausende von Ärzten geben, die Alpicort F als unverzichtbaren Bestandteil ihrer Therapie sehen würden. »

Das in der Schweiz häufig verkaufte Haarwuchsmittel Priorin wurde von der Stiftung Warentest nicht untersucht. Ob die Ampullen, Tabletten oder Tinkturen etwas nützen oder nicht - wer etwas gegen Haarausfall unternehem will, muss tief ins Portemonnaie greifen: Die Krankenkassen zahlen die Mittel nicht.