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Medikamenten-Kopie: Gleicher Inhalt, nur teurer
Aus Espresso vom 27.10.2015.
abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
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Gesundheit Etikettenschwindel mit Medikamenten

Die Pharma-Industrie ist erfinderisch, wenn es darum geht, mit Medikamenten Geld zu verdienen. Beim sogenannten Co-Marketing wird genau das gleiche Medikament mit anderem Namen, anderer Verpackung und anderem Preis verkauft. «Espresso» zeigt Beispiele.

Zwei Medikamentenverpackungen.
Legende: Der Inhalt ist identisch. SRF

Nehmen wir das bekannte Schmerzmedikament «Ponstan 500». Hier kosten zehn Stück 6.25 Franken. Ponstan-Hersteller Pfizer hat mit «Mefenamin 500» eine identische Kopie von «Ponstan» auf dem Markt.

Diese Kopie ist jedoch günstiger als das Original. Sie kostet nämlich nur 5.60 Franken.

Fast 1000 Kopien auf dem Markt

Das ist kein Einzelfall. Co-Marketing heisst dieses Vorgehen verschiedener Pharmafirmen. Dabei wird ein identisches Medikament unter anderem Namen und in einer anderen Verpackung verkauft – meistens von der gleichen Pharmafirma. Das Heilmittelgesetz erlaubt solche Marketing-Massnahmen. Swissmedic führt eine umfangreiche Liste mit fast 1000 Co-Marketing-Präparaten (siehe Linkbox).

Das Co-Marketing hat für die Pharmafirmen mehrere Vorteile: Sie können damit mit dem gleichen Medikament verschiedene Absatzkanäle beliefern und unterschiedliche Preise verlangen – ohne dass es den Kunden auffällt. Zum Beispiel: Zum einen den Ärztekanal und auch den Selbstmedikationsbereich. Denn während die Preise von kassenpflichtigen Medikamenten vom Bund festgelegt werden, kann die Firma bei den frei verkäuflichen Medikamenten den Preis nach eigenem Gutdünken festlegen. Ausserdem kann man so für das Produkt auch Werbung machen.

Für diese Masche gibt es viele Beispiele:

Zwei Medikamentenverpackungen.
Legende: Ein beachtlicher Preisunterschied. SRF

Bereits vor einiger Zeit hat das Konsumenten-Magazin «Espresso» über das Medikament «Remotiv» der Firma Zeller berichtet. Das pflanzliche Präparat hellt die Stimmung auf und muss vom Arzt verschrieben werden und wird von der Krankenkasse vergütet. Unter dem Namen «Rebalance» ist eine identische Kopie auf dem Markt, die in der Apotheke frei verkäuflich ist. Interessant: «Remotiv» kostet 36.30 Franken, «Rebalance» ist knapp 6 Franken billiger.

Zwei Medikamentenverpackungen.
Legende: Im Detailhandel günstiger. SRF

Ein weiteres Beispiel ist der bekannte «Morga»-Blasentee für 4.70 Franken. Er wird vorwiegend im Fachhandel verkauft. Doch es gibt das identische Produkt auch viel günstiger: Der Der Blasentee «Floramed» ist auch im Coop erhältlich. Dort kostet eine Packung mit gleichem Inhalt – also 20 Beutel – er lediglich 2.50 Franken. fast die Hälfte weniger.

Zwei Medikamentenverpackungen.
Legende: 2 Franken Preisdifferenz. SRF

Ein anderes Beispiel sind die «Echinaforce»-Tabletten von A. Vogel für 18.20 Franken. Sie stärken die Abwehrkärfte. Von A. Vogel gibt es auch noch eine Kopie mit dem Namen «Echinamed». Die Verpackung ist etwas anders und auch der Preis. Es ist mit 16.05 Franken über 2 Franken billiger.

Neuer Name, gleicher Inhalt – fast doppelt so teuer

Zwei Medikamentenverpackungen.
Legende: Resyl wurde ersetzt durch das teurere NeoCitran. SRF

Manchmal gehen die Pharmafirmen noch einen Schritt weiter – und ziehen das günstigere Original ganz vom Mark zurück: Über die Hustentropfen «Resyl» von Novartis hat «Espresso» im Januar berichtet. Novartis hat die Tropfen kürzlich vom Markt genommen und durch «NeoCitran»-Tropfen ersetzt. Die Zusammensetzung ist exakt dieselbe, nur der Preis ist um fast 70 Prozent gestiegen. Zudem ist das Präparat neu nicht mehr kassenpflichtig. Bei all diesen Medikamenten handelt es sich nicht um Generika, sondern um eine identische Kopie.

Eine weitere Absicht der Pharmafirmen, die sie mit «Co-Marketing» verfolgen: Sie wollen möglichen Generikaproduzenten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Pharmafirmen bieten ihre eigenen Kopien zu einem günstigeren Preis an und setzen so mögliche Generikaproduzenten unter Preisdruck. Darüber berichtet die Sendung «Kassensturz» (siehe Box).

Tipp: Fragen Sie nach günstigem Produkt

Für den Konsument bleibt der Medikamenten-Markt mit dem Basismedikament und den Co-Marketing-Präparaten unübersichtlich. Darum bleibt nichts anderes übrig, als Arzt oder Apotheker nach einer günstigen Kopie oder nach einem Generikum zu fragen. Ein Anhaltspunkt gibt auch die Liste der Co-Marketing-Medikamente von Swissmedic (siehe Linkbox oben).

TV-Tipp

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TV-Tipp

Der Trick mit den Kopien kostet das Gesundheits-Wesen Millionen. Pharma-Firmen verkaufen Co-Marketing-Arzneimittel unter anderem Namen viel günstiger. Eigentlich gut für das Portemonnaie. Doch die Krankenkassen müssen auch die teureren Pillen vergüten – absurd. Zum Artikel

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Josh Schmid , Solothurn
    Generika oder Orginal. Ich habe es leider schon erlebt, dass ein Generika, welches zu 99,9% mit dem Orginal idetisch war also nur 0.1% vom Orginal abweichte, nicht mehr die wirkung zeigte, die es sollte, weil der Körper das Medikament nicht mehr aufnehmen konnte. Leider. Wo immer möglich, greiffe ich zum Generika, was auch mein Hausarztz mit unterstützt.
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  • Kommentar von Nessee , Basel
    Den Beitrag über die identischen (Co-)Medikamente mit anderem Namen und günstigeren Preisen fand ich sehr interessant. Da fühlt man sich als Patient(in) und Konsument(in) wirklich regelrecht verschaukelt. Meine Frage: Wird die Liste der Co-Medikamente regelmässig aktualisiert und weshalb sind nicht alle Medikamente darauf zu finden? Beispielsweise Ritalin oder Wellbutrin sucht man vergebens. Danke und Gruss, nessee
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  • Kommentar von Laszlo K , Basel
    Dieser Beitrag ist ein Beispiel für schlechten Journalismus. Der Zuschauer wird nicht konstruktiv aufgeklärt, sondern eher verwirrt. Das Thema ist leider nicht so einfach wie ein Tresorvergleich. Nebenbei; die Medikosten betragen 10% von den Gesundheitskosten in der Schweiz, (Quelle: Interpharma), seit Jahren stabil. Hier besteht leider sehr wenig Sparpotential. Von den restlichen 90%, und wie man sie in den Griff bekommen könnte, wird in den Medien leider wenig bis nichts berichtet. Warum?
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    1. Antwort von Dieter Gloor , 6000 Luzern
      Blödsinn. Sie sind ein von der Pharma bezahlter PR-Schreiberling, wie ihr klassisches Standardargument bezeugt.