Managed Care: Das sollten Sie wissen

Am 17. Juni stimmen die Schweizer Bürger über die Einführung des Managed Care-Modells ab. Befürworter und Gegner überbieten sich mit Argumenten. Da kann der Überblick schnell einmal verloren gehen. «Kassensturz» und «Espresso» fassen das Wichtigste zusammen.

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Bildlegende: Welche Behandlung für den Patienten erforderlich ist, entscheidet nach dem Managed Care-Modell der Hausarzt SRF

Die stetige Steigerung der Gesundheitskosten soll gebremst werden. Deshalb stimmt das Volk am 17. Juni über die sogenannte Managed-Care-Vorlage ab. Wird sie angenommen, soll es ganz normal werden, dass Patienten immer zuerst ihren Hausarzt aufsuchen. Dieses entscheidet dann, welche Behandlung erforderlich ist und ob ein Spezialist hinzugezogen werden soll.

Darum geht es in der Vorlage:

Mit der Einführung des Managed-Care-Modells soll die Betreuung des einzelnen Patienten besser koordiniert werden. Ziel des Modells ist, damit Mehrfachbehandlungen zu vermeiden. Dies geschieht, indem sich verschiedene Haus- und Spezialärzte zu einem Netzwerk zusammenschliessen. Die Koordination der Behandlung übernimmt der Hausarzt.

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Freie Arztwahl ist ungesund

Die Managed-Care-Vorlage will die freie Arztwahl verteuern und unnötige Besuche bei teuren Spezialisten verhindern. «Kassensturz» hat getestet, wie einfach Patienten unnötige Termine bei Spezialisten erhalten und zeigt, warum Managed-Care-Patienten besser versorgt werden.

Ein mögliches Modell: Das Netzwerk hat pro Jahr für jeden Patienten eine Behandlungspauschale – quasi ein Budget – zur Verfügung. Diese Pauschale wird aufgrund des Alters, Geschlechts und der Krankheit errechnet. Sind die tatsächlichen Behandlungskosten tiefer, profitiert das Netzwerk. Sind die Kosten höher, gehen diese zu Lasten des Ärztenetzes.

Ausserdem soll der Bundesrat den Risikoausgleich erneuern, damit Krankenkassen nicht nur «gute Risiken» versichern wollen. Gemeint sind damit Versicherte, die wenig krank sind und daher wenig Kosten verursachen.

Was bedeutet das für die Patienten:

Tritt der Patient einem Managed-Care-Modell bei, verpflichtet er sich, im Krankheitsfall immer zuerst seinen Hausarzt aufzusuchen. Er verzichtet also darauf, seinen Arzt und Spezialisten frei wählen zu können.

Dafür profitiert er von günstigeren Kosten bei der obligatorischen Krankenversicherung: Der Versicherte hat weiterhin einen Selbstbehalt von 10 Prozent, der maximale Selbstbehalt liegt neu aber bei 500 Franken (heute: 700 Franken).

Wer weiterhin auf die freie Arztwahl besteht, also kein Ärztenetzwerk nutzen will, der kann das tun, bezahlt aber mehr: Er hat einen Selbstbehalt von 15 Prozent und bezahlt einen maximalen Selbstbehalt von 1000 Franken.

Neu ist auch, dass die Krankenkassen mit ihren Versicherten gegen Preisermässigung mehrjährige Verträge abschliessen können.

Die wichtigsten Argumente der Befürworter:

  • Da die Leistungen besser koordiniert seien, würden die Patienten von einer besseren Qualität der Behandlungen profitieren.
  • Durch die bessere Planung und Betreuung könnten Fehler und Mehrfachbehandlungen vermieden werden. Das würde die Kostenexplosion im Gesundheitswesen bremsen.
  • Managed-Care-Versicherte würden von einem geringeren Selbstbehalt profitieren und vermutlich auch von geringeren Prämien.
  • Der neue Risikoausgleich verhindere, dass die Krankenversicherer nur Jagd auf «gute Risiken» machen.

Die wichtigsten Argumente der Gegner:

  • Die Patienten würden bevormundet, da die freie Arztwahl eingeschränkt werde. Die freie Arztwahl sei nur noch Reichen vorbehalten, da viele den höheren Selbstbehalt nicht mehr bezahlen könnten.
  • Aufgrund der vorgegebenen Behandlungspauschale könnten Ärzte aus Kostengründen auf notwendige Behandlungen verzichten. Die Patienten würden noch mehr krank und verursachten weitere Kosten.
  • Ein wichtiger Teil der Gesamtkosten machen die Medikamentenkosten aus. Diese ändern sich mit der Einführung von Managed-Care nicht. Daher würden auch keine Kosten eingespart werden.
  • Aus einem mehrjährigen Vertrag auszusteigen sei schwer und nicht kostenlos. Die Versicherungen würden aber möglichst viele solche Verträge abschliessen wollen.

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