Promi-Schönheitschirurg würde selbst Teenager Brust vergrössern

Immer wieder klagen Frauen über den prominenten Schönheitschirurgen Peter Meyer-Fürst. Der Vorwurf: Er habe sie schlecht behandelt. Kassensturz schickte die Aargauer Schönheitskönigin zu ihm in die Praxis. Mit dabei: Die versteckte Kamera.

Frau mit Massband an Brust Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ob bereits genug gross oder nicht: Der Schönheitschirurg Meyer-Fürst operiert jede Brust Colourbox

Jessica de Filippis, Miss Argovia, ist 19 Jahre alt, 1.68 Meter gross und 48 Kilo leicht. Ihre Brüste sind wohlgeformt, sie trägt BH-Grösse 75 C. Kassensturz will wissen, ob Schönheitschirurgen bereit sind, ihr die Brüste zu vergrössern. Wir besuchen den prominenten Schönheitschirurgen Peter Meyer-Fürst in Zürich. Schon seit Jahren sorgt er immer wieder für Schlagzeilen. Unterwegs ist Jessica de Filippis in Begleitung einer Kassensturz-Journalistin mit versteckter Kamera. Sie ist bei Meyer-Fürst für eine Brustvergrösserung angemeldet.

Im Wartezimmer erhält Jessica de Filippis einen Ordner mit Bildern von Patientinnen. Ob sie von Meyer-Fürst behandelt wurden, ist unklar. Die Bilder zeigen Frauen vor und nach der Operation. Sie sind nicht anonymisiert. Ohne Einwilligung der Frauen wäre das eine krasse Verletzung des Arztgeheimnisses. Im Sprechzimmer des Arztes muss sich Jessica de Filippis zur Brustuntersuchung ausziehen. Dabei fällt auf, wie oft Meyer-Fürst ihre Brüste berührt. Peter Meyer-Fürst attestiert der Frau eine gute Figur, das Gewicht sei ideal. Wörtlich sagt er: "Was ich machen würde, wenn sie das wirklich wollen, das ist hier ein bisschen ein grösseres Implantat. Ich mache ein kleines Schnittchen in der Brustwarze, damit man nichts sieht und gehe dann unter die eigene Brustdrüse rein und baue das ein bisschen auf." Meyer-Fürst betont mehrmals, sie solle sich gut überlegen, ob sie die Operation wolle. Doch er ist bereit, ihre Brüste zu vergrössern. Das sei fragwürdig, sagt Jan Poëll, ein renommierter Facharzt für plastische Chirurgie. Laut Poëll hätte Meyer-Fürst Jessica von einer Operation abraten müssen: "19 Jahre ist ist eine sehr kritische Lebensphase. Ich hätte versucht, die Patientin davon abzubringen."

Praktisch keine Informationen

Meyer-Fürst ist kein Facharzt für plastische Chirurgie. Bei unserem Besuch mit der versteckten Kamera spielt er die Risiken einer Operation herunter. Gefahren nennt er nur beiläufig. Meyer-Fürst: "Das ist ein Eingriff, da können sie nach zwei Tagen wieder alles machen. Sie müssen vielleicht einen Verband haben, das ist alles. Den Verband wechselt man nach einem Tag und nachher kann man einen BH anziehen."
 Meyer-Fürst redet fast ohne Unterbruch, seine Patientin lässt er kaum zu Wort kommen. Er gibt ihr kein schriftliches Informationsmaterial mit nach Hause, obwohl das gut wäre. Die Aufklärung über die Operationsrisiken ist ungenügend. Auch als Jessica wegen eventuellen Infektionsgefahren nachfragt, beschwichtigt Meyer-Fürst: "Bei uns unmöglich. Wir geben Antibiotika, und wir haben nie Infektionen. In den Kliniken gibt es eine viel grössere Infektionsgefahr."

Bereits nach 20 Minuten fordert Meyer-Fürst seine Patientin auf, eine Operationsvollmacht zu unterschreiben. Operationstermin ist bereits in drei Wochen. Dazu Jan Poëll: "Beim ersten Termin verlangt man noch keine Operationsvollmacht. Das ist für mich nicht richtig! Die Patientin muss heimgehen, und sich die Sache in Ruhe überlegen können." Erst beim zweiten oder gar dritten Mal könne eine Patientin eine Operationsvollmacht überhaupt beurteilen, so Poëll weiter.

Widersprüchliche Aussagen

Immer wieder rühmt sich Meyer-Fürst in den höchsten Tönen.
 "Mir hat man früher Busen-Meyer gesagt und ich habe etwa 2500 Busen aufgebaut - und ich habe gleich viele abgebaut." Und weiter: "Wir operieren total atraumatisch, dass heisst, wir machen nichts kaputt. Wir gehen ganz stumpf durch dieses Zeug durch, damit es nicht blutet. Das ist Begabungssache."

Diese Aussage erstaunt sehr. Zumal Kassensturz bereits vor 13 Jahren über Meyer-Fürst berichtete. Damals sagten vier Frauen aus, dass es bei Operationen, die sie von Peter Meyer-Fürst machen liessen, zu massiven Komplikationen gekommen sei.
 Auch heute noch melden sich bei der Patientenorganisation Frauen, die von Meyer-Fürst operiert wurden. Margrit Kessler hört immer wieder die gleichen Klagen: Der mittlerweile 70jährige habe Patientinnen schlecht behandelt: "Bei einer Frau hatten sich im Brustimplantat Kapseln gebildet. Diese Kapseln wurden von aussen gesprengt - eine Methode, die heute verboten ist." Eine andere Frau hatte laut Kessler nach der Operation verschieden grosse Brüste, was der nachbehandelnde Arzt auch bestätigte.br
 Viele Frauen sind mit der Arbeit von Meyer-Fürst zufrieden. Doch auch bei Jürg Schiffmann, plastischer Chirurg in Aarau, haben sich Frauen beklagt. Er und sein Kollege mussten mehrere Patientinnen nachoperieren, die von Meyer-Fürst schlecht behandelt wurden: "Bei uns häufen sich die Klagen darüber, wie Meyer-Fürst mit den Patientinnen umgeht. Ausserdem werden die Patientinnen oft ungenügend über die Eingriffe informiert."

Kassensturz weiss: Gegen Meyer-Fürst läuft zur Zeit erneut ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. Das hat die Staatsanwaltschaft Zürich bestätigt. Meyer-Fürst soll einer Frau das Gesicht gestrafft haben - ohne ihre Einwilligung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Fragwürdige Methoden

Ein weiterer Vorwurf gegen Meyer-Fürst wiegt schwer: Dem Kassensturz und der Patientenorganisation sind mehrere Frauen bekannt, die Meyer-Fürst vorwerfen, er sei ihnen körperlich zu nahe getreten. Bei der Untersuchung von Jessica de Filippis fasst Meyer-Fürst ihre Brüste an. Unnötigerweise. Immer wieder. Insgeamt sieben Mal. Jessica de Filippis: "Ich habe mich bei ihm total unwohl gefühlt. Schon nur wie er mich berührte. Und dann hat er Fotos von mir gemacht. Ich musste dabei ein Schild in der Hand halten - dabei kam ich mir vor wie eine Verbrecherin."
 Mehrere Patientinnen sagten Kassensturz, dass Meyer-Fürst sie unangenehm berührt habe. Doch sie wollten vor der Kamera nicht auftreten. Einzig die Zürcher Jetsetterin Vera Dillier traut sich. Auch sie sei von Meyer-Fürst in seiner Praxis belästigt worden. Dies gab sie vor 12 Jahren als Zeugin zu Protokoll. Dillier erinnert sich: "Ich wollte an meinem Bauch Fett absaugen lassen. Als ich mich für den Untersuch auszog und dabei umdrehte, sah ich, wie Meyer-Fürst mit offener Hose dastand und seinen Penis in der Hand hielt." Vera Dillier liess sich nach diesem Vorfall nicht mehr von Meyer-Fürst operieren. Kassensturz hat Peter Meyer-Fürst schon vor der ersten Sendung über Schönheitschirurgie im Dezember 06 mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Er nahm weder vor der Kamera noch schriftlich dazu Stellung. Obwohl Kassensturz immer wieder nachfragte, hat er die Fragen bis heute nicht beantwortet.

Bereits vor Weihnachten besuchte Kassensturz mit Jessica de Filippis und versteckter Kamera acht Schönheitschirurgen. Kassensturz wollte wissen, zu was Schönheitschirurgen bereit sind.

Fazit des ersten Beitrages im Dezember 06: Bei den meisten war die Aufklärung über die Risiken der Operation ungenügend. Wir waren unter anderem bei der Zürcher Klinik „Modern Liposuction". Roland Schaffer würde Miss Argovia Fett absaugen, obwohl er sie vor Magersucht warnt. Mit einem Bodymass-Index von 17 ist sie sehr dünn.
 Auch Jens Otte von der Schönheitsklinik „Otte+Otte" hätte der mageren Kundin Fett abgesaugt.
 Bei Medic Optiline in Bern war Miss Argovia angemeldet für eine Brustuntersuchung. Auch Sandro Lagana hätte ihr die Brust vergrössert.