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Aufgepumpte Fischfilets: Konsumenten zahlen für Wasser
Aus Kassensturz vom 31.03.2015.
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Konsum Aufgepumpte Fischfilets: Konsumenten zahlen für Wasser

Von wegen frischer Fisch: Gefrorene Fischfilets werden manchmal mit Wasser aufgepumpt, um sie schwerer zu machen. «Kassensturz» zeigt, wie die Industrie Fische mit Wasser streckt und testet erstmals Produkte aus dem Schweizer Detailhandel. Bei drei Produkten wurde ein Schwellenwert überschritten.

Tiefgefrorene Fischfilets sind nicht immer naturbelassen. Mit Hilfe von wasserbindenden Mitteln fügen Verarbeiter Fremdwasser bei und erhöhen so das Gewicht der Fische. Fischhändler Andreas Altorfer, Geschäftsführer von Dörig und Brandl Comestibles im zürcherischen Schlieren kennt die Problematik. Um aufgepumpten Fisch möglichst zu vermeiden, arbeitet der Importeur nur mit langjährigen Lieferanten zusammen.

Andreas Altorfer erklärt: «Problematisch ist, wenn ganz viel Wasser in den Fisch kommt. Das ist es ein ‹Bschiss› am Kunden, weil er mehr Wasser als Fisch kauft.» Solche Fische seien auch in der Qualität schlechter. Die Problematik der Wasserzugabe betrifft nur Tiefkühl-Fischprodukte. Anders als Frischfisch dürfen diese mit Zusatzstoffen wie zum Beispiel Phosphaten behandelt werden. Diese Zusätze binden Wasser im Fleisch. Erstaunlich: Das Aufpumpen der Fische ist ganz legal. Nämlich dann, wenn die Wasserzugabe und die Zusatzstoffe deklariert werden.

Bis zu 40 Prozent Wasserzugabe

Verschiedene Tests haben gezeigt, dass insbesondere Pangasiusfilets mit Fremdwasser aufgepumpt worden sind. Der Chemiker Horst Karl, Leiter des Max Rubner Instituts in Hamburg hat mit seinem Team Untersuchungen zum Wassergehalt in Fischen durchgeführt. Er betont gegenüber «Kassensturz»: Die meisten Produkte seien in Ordnung und nicht übermässig mit Wasser versetzt. Aber:«Bei einigen Produkten haben wir zu hohe Wassergehalte gefunden. Bei diesen Produkten wurde die Qualität dadurch sehr schlecht.» Wasser gebe man bei, um das Gewicht dieser Produkte zu erhöhen. «Fischfilets werden nach Gewicht verkauft», so Karl. Die Wasserzugabe entspricht bis zu 40 Prozent des Filet-Gewichts.

Der Unterschied:

20 Produkte im Test: 3 verdächtige Proben

Drei Tiefkühlprodukte in der Verpackung mit dem Vermerk «Schwellenwert überschritten».
Legende: Diese drei Produkte sind im Labor aufgefallen. SRF

«Kassensturz» hat zusammen mit der Fédération Romande des Consommateurs (FRC) bei Grossverteilern Tiefkühl-Produkte eingekauft und testen lassen. Zwanzig Produkte hat das Analyse-Labor Scitec in Lausanne untersucht. Der Nachweis von Fremdwasser in Fischen ist nicht leicht.

Das Labor misst dafür Wasser- und Eiweissgehalt der Meeresprodukte. Das Labor teilt die Ergebnisse gemäss einem in französischen Studien festgelegten Schwellenwert für Fremdwasser ein. Erfreulich: Die meisten Proben hatten ganz normale Wasser- und Eiweisswerte. Bei einigen mass das Labor Werte nah am Schwellenwert. Nur bei drei Produkten wurde der Schwellenwert überschritten: Der M-Budget Pangasius, das Pangasius Filet von Aldi und die Pelican-Jakobsmuscheln aus der Migros.

Migros: «Produkte sind einwandfrei»

Bei allen drei Produkten ist Wasser zwar deklariert. Damit ist aber nicht Wasser im, sondern um den Fisch gemeint: Die sogenannte Glasur, welche den Fisch vor Gefrierbrand schützt. Die Migros erklärt zum Testresultat, dass sie generell keine Fischprodukte führe, die mit Wasser angereichert seien.

Laut Migros-Sprecherin Martina Bosshard gelte das auch für die beiden vom Labor bemängelten Produkte. Die getesteten Werte seien zu wenig aussagekräftig, erklärt Bosshard. Diese könnten auch natürlicherweise schwanken. Die Migros habe deshalb die Produkte nochmals im Labor untersuchen lassen. «Wir haben zusätzlich noch abgeklärt, ob das Verhältnis Natrium-Chlorid stimmt und ob zusätzliche Phosphate beigegeben worden sind. Das wären nämlich klare Hinweise, dass etwas manipuliert wurde. Wir haben aber nichts gefunden, unsere Produkte sind einwandfrei», sagt Bosshard.

Auch Aldi erklärt, keine aufgepumpten Fischprodukte zu führen. Aldi schreibt «Kassensturz»: «Unsere Lieferanten versichern uns, die Fischfilets während des Produktionsprozesses nicht mit Wasser anzureichern, um dadurch eine künstliche Gewichtserhöhung herbeizuführen. Dies wird regelmässig durch unabhängige Labore kontrolliert.»

Die getesteten Fische im Überblick

Fisch
Eingekauft bei
Preis pro Kilo (CHF)
Schwellenwert überschritten:

Pangasius Filets Almare Seafood
Aldi9.99
Pangasius Filets M-Budget
Migros11.06
Jakobsmuscheln Pelican
Migros41.50
Schwellenwert eingehalten:

Alaska Seelachs-Filets Almare Seafood
Aldi6.62
Kabeljau Almare Seafood
Aldi24.90
Jakobsnüsse Qualité&Prix
Coop58.50
Pangasiusfilets ASC Qualité&Prix
Coop27.00
Dorschfilet Royal MSC Qualité&Prix
Coop43.00
Pazifische Dorschfilets Royal
Coop27.60
Pangasiusfilets ASC (600g) Qualité&Prix
Coop12.33
Jakobsnüsse ohne RogenCoop58.67
Alaska-Seelachs Iglo
Coop17.38
KabeljaufiletsDenner10.93
Alaska-Seelachs-FiletsDenner7.27
Kabeljaufilets Followfish
Globus55.00
Kabeljaufilet Trawlic
Lidl11.65
Pangasiusfilets Silverstar
Manor13.40
KabeljauloinsMigros30.50
Dorschfilets Pelican
Migros24.50
Alaska Seelachs-Filets Pelican
Migros10.50

Wie erkennt man Wasser?

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Aussehen:
Filet ist extrem weich und nach dem Erhitzen gummiartig. Sulzige Schicht mit Blässchen ist sichtbar. Strukturlose Unterseite.

Inhaltsstoffe:
Folgende Zusatzstoffe weisen auf Wasser hin: E300, E330, E339-343, E450-452

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3 Kommentare

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  • Kommentar von F. Muster , Zürich
    Dass überhaupt noch Lebensmittel aus China importiert werden, wo wir doch dauernd von denen scheinbar über den Tische gezogen werden. Wir kaufen Lebensmittel aus der Region, der Schweiz oder aus Europa. Sieht eine Beschreibung auf einer Verpackung verdächtig nach "irgendwo her" aus, bleibt dieses Lebensmittel-Produkt im Regal liegen.
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    1. Antwort von Markus Imboden , Brig
      Das Problem ist nicht China, sondern unsere Gesellschaft, die am liebsten für nichts mehr Geld ausgibt Man braucht halt einen 95 TFT, ein fettes Auto und Handyabo und Zig Ferien im Ausland. Wenn Sie eine Schweizer Konfi essen, dann sind dort in der Regel Erbeeren aus China drin - muss nicht drauf geschrieben werden... Tja, An Güëte dem Herr!
  • Kommentar von K. Räschter , Thurgau
    Das ist halt auch das Resultat unserer "Geiz ist geil" Menthalität: immer billiger, billiger, usw. Wenn es nicht billig genug ist, dann geht man halt ins benachbarte Ausland einkaufen. Somit setzen unsere Detaillisten ihre Lieferanten unter Preisdruck, welche dann zum Teil zu solchen "Trickli" greifen müssen, um eben billig liefern zu können.
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