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Legende: Video Bschiss mit Gutscheinen: Migros und Coop betroffen abspielen. Laufzeit 06:42 Minuten.
Aus Kassensturz vom 28.01.2014.
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Konsum Bschiss mit Gutscheinen: Migros und Coop betroffen

Eine Schweizer Online-Firma verkauft Geschenkgutscheine von Migros und Coop mit grossen Rabatten. «Kassensturz» deckt auf: Hunderte von Kunden haben bezahlt, die Gutscheine aber nie erhalten. Der Verlust beträgt zehntausende von Franken.

Auf der Auktionsplattform Ricardo stiess Martina Balzer auf ein Schnäppchen-Angebot: Eine Firma «Clewinn» verkaufte Guthaben-Karten für Migros oder Coop mit bis zu 20 Prozent Rabatt. Das Angebot war professionell aufgemacht.

Die positiven Bewertungen zerstreuten letzte Bedenken: «Ich habe erste Bestellungen gemacht über Ricardo. Es hat einwandfrei funktioniert. Es kam eine Woche zu spät. Aber als Entschuldigung lag sogar noch eine Karte über 20 Franken bei, um das wieder gut zu machen», sagt Martina Balzer weiter.

Doch bei der zweiten Bestellung für Karten im Wert von 1250.- Franken treten plötzlich Probleme auf. «Dann waren sie wieder etwas zu spät. Man hat uns wieder versprochen, die Karten kämen jetzt dann», sagt Martina Balzer. Als nach Wochen die Gutscheine nicht da waren, leitete sie die Betreibung ein.

Clewinn hat viele Schulden

Nicht nur Martina Balzer wartet vergeblich auf eine Rückzahlung von Clewinn: Auf Ricardo häufen sich die negativen Bewertungen. Ein Blick ins Betreibungsregister zeigt: Clewinn schuldet seinen Kunden insgesamt schon über 100‘000 Franken.

Vielleicht können die Verantwortlichen von Clewinn am Firmensitz in Zürich Altstetten Auskunft geben? Fehlanzeige: Das Büro sei geräumt, berichten Hausbewohner. Der Firmenname am Briefkasten ist überklebt.

Ärgerlich für die Betroffenen: Betreibungen kommen gar nie bei den Verantwortlichen von Clewinn an. Denn der einzige Verwaltungsrat, ein Heinz Knüsli von Uster, hat sich aus dem Handelsregister streichen lassen.

«Kassensturz» kann mit Thomas Grütter, dem Geschäftsführer von Clewinn, reden. Dieser macht Versprechungen: Er wolle alle Schulden in Raten zurück zahlen, sagt Grütter. Und er beteuert weiter: Coop habe die Lieferungen eingestellt, obwohl er alles bezahlt habe. Thomas Grütter sagt «Kassensturz» ein Interview auf den kommenden Tag zu.

Ein alter Bekannter

Legende: Video 2000: Computerschule kassiert Kurs-Beiträge abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
Aus Kassensturz vom 28.01.2014.

Was sind die Beteuerungen von Thomas Grütter wert? Schon im Jahr 2000 geriet Grütter ins Visier von «Kassensturz»: Er machte mit seiner Computer-Schule Konkurs. Lehrer und Studenten verloren viel Geld. Grütter versprach, alle Schulden persönlich zurück zu zahlen.

Von wegen: Er schuldet Betroffenen noch heute Geld. Und «Kassensturz» auch das versprochene Interview. Grütter sagt den Termin am Montag im letzten Moment ab. Er fühle sich vorverurteilt und verzichte auf die Beantwortung von Fragen zu Clewinn. Das werde aber Ex-Verwaltungsrat Heinz Knüsli tun.

Verwaltungsrat: «Meine Emails wurden gefälscht»

Heinz Knüsli.
Legende: Heinz Knüsli. SRF

Und tatsächlich: Heinz Knüsli ist plötzlich erreichbar und will kurz vor der Sendung die Fragen von «Kassensturz» beantworten.

Er betont: Grundsätzlich habe Thomas Grütter das Geschäft geführt und ihn nie informiert. Und die ganze Geschäfts-Korrespondenz in seinem Namen sei gefälscht gewesen. Jetzt laufe ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Betrug. Dieses werde zeigen, ob er überhaupt verantwortlich sei. Der Ex-Verwaltungsrat Heinz Knüsli sagt, er habe keine Informationen über die Höhe der geschuldeten Beträge.

Er komme an diese Informationen nicht mehr heran, da diese Konten bei Ricardo gesperrt sind. Knüsli betont, er habe nicht von den Gutschein-Verkäufen profitiert. Einzig für sein Mandat im Verwaltungsrat habe er 900 Franken bekommen.

Migros und Coop: Handel mit Gutscheinen wird verboten

Der Verlust für die Kunden von Clewinn ist gross. Die Chancen, dass die Firma die hohen Schulden zurück bezahlt, stehen schlecht. Den Grossverteilern hat die Angelegenheit einen beträchtlichen Image-Schaden gemacht.

Der Mediensprecher der Migros, Urs Peter Näf, sagt dazu: «Da wurde Schindluderei betrieben. Wir haben die AGB dahingehend geändert, dass man explizit diese Karten nicht mehr an Dritte verkaufen darf.»

Coop schreibt «Kassensturz», auch Coop werde die AGB abändern, sodass ein Handel mit Geschenkgutscheinen nicht mehr möglich sei.

Thomas Grütter blieb für «Kassensturz» unerreichbar.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Gruber , St. Gallen
    Gerne hätte ich auch etwas darüber erfahren wie dieser "Betrüger" zu den Gutscheinen gekommen ist. Wie und wo hat er sie erstanden und vor allem: was hat er dafür bezahlt. Gab im Coop und Migros für den Verkauf der Karten einen so hohen Rabatt? Wenn ja, so sollte man diese Firmen auch an den Pranger stellen - denn das ist aus meiner Sicht absolut unseriös. Wenn ihre Marge so hoch ist, dann sollen sie als Genossenschaft das den Kunden direkt weitergeben und nicht über dubiose Firmen.
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    1. Antwort von Martina Balzer , Pfäffikon
      Die Karten hat die Clewinn AG legal über Coop resp. Migros bezogen (über ein sogenanntes Business-to-Business Programm) und höchstwahrscheinlich auch einen Rabatt dafür erhalten. Wie hoch dieser war, ist mir nicht bekannt. Es gibt aber auf alle Fälle Rabatt für Firmenkunden. Ich denke aber, dass Herr Grütter gar nie vor hatte, die Karten zu liefern. Und dort beginnt die wahre Sauerei!
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  • Kommentar von Sepp Ludin , Emmenbrücke
    Ganz ehrlich, wer bei Ricardo für über 1000 Franken Coop oder Migros Geschenkkarten mit 20% Rabatt erwerben will, ist schon etwas gelinde gesagt, leichtgläubig! Daneben ist aber auch Ricardo nicht viel besser als diese Gauner von Verkäufern. Von einer Meldung bis zur Kontosperrung vergehen oft Wochen, habe ich selber erlebt! Aber eben, solange ein Konto offen ist, verdient natürlich Ricardo kräftig mit. Aber da ist der Verdienst wichtiger als ein paar Käufer welche übers Ohr gehauen werden!
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  • Kommentar von Herbert Marxer , 9492 Eschen
    Wieso sollte jemand Geschenkkarten mit 20 Prozent Rabatt verkaufen? Wo wāre da der Gewinn? Da müssten die Alarmglocken eigentlich gleich lāuten! Migros und Coop geben wohl keine Rabatte auf Geschenkkarten. Ein wenig den gesunden Menschenverstand einzuschalten hátte gereicht ! Bleibt also nur die.Erkenntnis aus Schaden wird man klug.
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