Foto statt Unterschrift: DPD irritiert Paket-Empfänger

Da runzelt der Paket-Empfänger die Stirn. Als er den Empfang per Unterschrift bestätigen wollte, bekam er vom DPD-Kurier zu hören: Das sei nicht nötig, er habe bereits ein Foto gemacht. «Der fotografiert mich einfach so?», fragt der Empfänger. «Espresso» hat die Antwort.

Ein Hörer des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» bestellt oft Kaffeekapseln per Post. Normalerweise musste er beim Erhalt des Paketes unterschreiben. Als er vor einer Woche wieder neue Kapseln erhielt, schoss der Kuriermitarbeiter ein Foto, statt eine Unterschrift zu verlangen. Dahinter steckt eine neue Dienstleistung der Kurierfirma.

«Als ich für das Paket unterschreiben wollte, sagte der DPD-Kurier, das sei nicht nötig. Er habe schon ein Foto gemacht», erzählt der Kaffeeliebhaber gegenüber «Espresso» auf Radio SRF 1. Ein Bild statt einer Unterschrift? Der «Espresso»-Hörer traute seinen Ohren nicht: «Es gibt doch noch ein Recht am eigenen Bild. Und da macht er ohne zu fragen ein Foto von mir?»

«Espresso» fragt beim Kurierdienst DPD nach. Tatsächlich handelt es sich um ein neues Angebot von DPD, wie DPD-Geschäftsführer Marc Hasler sagt: «Bei ‹DPD Consumer Home› wird das Paket vom Fahrer an einem sicheren und trockenen Ort wie dem Briefkasten deponiert. Der Fahrer fotografiert mit dem Handscanner das Paket im Briefkasten oder vor der Haustüre und das Foto wird automatisch mit einer Zeitangabe und GPS-Koordinaten versehen. Das Foto dient dann als Zustellungsnachweis.»

Der Ausschnitt des Fotos sei so zu wählen, dass der Abstellort erkennbar sei. Personen dürften aber nicht fotografiert werden. «Im Fall des Espresso-Hörers ist nur das Paket, die Hand und der Unterarm auf dem Foto zu sehen», sagt Hasler. Bei persönlicher Zustellung sei zudem eigentlich kein Foto nötig. «Der Fahrer wollte es besonders gut machen.»

Nur der Absender kann Fotos sehen

Da die Fotos als Zustellnachweis für den Absender dienen, könne dieser die Bilder während sechs Monaten in einem Passwort geschützten Bereich ansehen. Danach würden sie in ein Archiv verschoben, dass ebenfalls nur mit Passwort zugänglich sei, sagt Hasler: «Wir sind vom Gesetz verpflichtet diese Zustellnachweise für zehn Jahre aufzubewahren.»

Mit diesem Service könnten DPD-Kunden auswählen, ob sie ein Paket ohne Unterschrift dafür mit Foto zugestellt haben möchten. Weil Paketempfänger oft nicht daheim sind, braucht es mehrere Versuche bis ein Paket zugestellt werden kann.

«Mit einem Foto als Zustellbeweis liegt die Erfolgsquote bei beinahe 100 Prozent», sagt DPD-Geschäftsführer Marc Hasler. Allerdings würden immer noch die meisten der über 60'000 Pakete pro Tag gegen Unterschrift zugestellt.