Frauen müssen fürs Gleiche oft mehr zahlen als Männer

Ob beim Coiffeur, in der Kosmetikabteilung oder in der chemischen Reinigung: Frauen müssen für dieselben Dienstleistungen oft mehr bezahlen als Männer. Das zeigen aktuelle Preisvergleiche. Und ein Experiment mit Hemdenreinigung bringt Erstaunliches ans Licht.

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Diskriminierend: Frauen zahlen fürs Gleiche oft mehr als Männer

5:18 min, aus Kassensturz vom 5.1.2016

Frauen müssen für gleiche Produkte wie Rasierklingen, Kosmetik, Coiffeur und Reinigung deutlich mehr zahlen als Männer. Hersteller und Händler nutzen offenbar aus, dass Frauen bereit sind, mehr Geld für bestimmte Produkte auszugeben.

«Geschlechtersteuer» auf vielen Produkten

Eine im Dezember veröffentlichte Studie des Department of Consumer Affairs der Stadt New York hat eklatante Unterschiede herausgefunden: Die Forscher haben 176 Produkte verglichen. In 42 Prozent der Fälle war das Produkt für Frauen teurer. In 18 Prozent der Fälle war die männliche Variante des Produkts teurer. Bei den übrigen gab es keinen Preisunterschied bei den Geschlechtern.

Viele Produkte sind auch in der Schweiz erhältlich. Im Schnitt aller Produkte waren die Frauenprodukte 7 Prozent teurer. In folgenden Branchen zahlen Frauen mehr:

  • 4 Prozent mehr für Kinderkleider
  • 7 Prozent mehr für Spielwaren
  • 8 Prozent mehr für Kleider für Erwachsene
  • 8 Prozent mehr für Gesundheitsprodukte
  • 13 Prozent mehr für Körperpflegeprodukte

Die amerikanischen Studienverfasser sprechen von einer Geschlechtersteuer (die Pink-Tax), die diskriminierend und eigentlich verboten ist.

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Bildlegende: Andere Farbe, 10% teurer. SRF

Oft ist nur die Farbe anders – und der Preis

Auch in der Schweiz existiert die Preisdifferenzierung nach Geschlecht – wie sich Marketingexperten ausdrücken. Testkäufe von Reportern der welschen Konsumentensendung «A bon entendeur» ABE zeigen nicht nachvollziehbare Unterschiede bei Körperpflegeprodukte und Parfums:

  • Ein Zehnerpack Wegwerfrasierer der Marke Bic für Frauen kostete 5 Franken, jene für Herren nur 4 Franken 40. Da sparen die Männer 6 Rappen pro Klinge. Qualitätsunterschiede fanden die Journalisten nicht. Nur die Farbe ist anders.
  • Rasiergel der Marke «I am» von der Migros: Das Frauen- und das Männerprodukt haben zwar den gleichen Preis von 3 Franken 30. Aber nicht für die gleiche Menge! 2.45 Fr pro 100 Milliliter kostet das Gel für die Frau, nur 1.65 pro 100 Milliliter jenes für den Mann.
  • Weitere Produkte mit eklatanten Unterschieden sind Parfums. Bei Marrionaud verglich ABE die Preise für das Parfum «Million» von Paco Rabbanne. 50ml der Damenvariante «Lady Million» kosten 77.90 Franken. Männer müssen hingegen nur 59.90 Franken für die gleiche Menge des Herrenduftes ausgeben. Frauen zahlen somit rund 30 Prozent mehr.

Geschlechterrolle definiert Preis

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Bildlegende: Elisabeth Tissier-Debordes. SRF

Was rechtfertigt solche Preisunterschiede? Die Marketingprofesorin Elisabeth Tissier-Debordes sagt es klar: Nichts! «Frauen sind sich generell gewohnt, etwas mehr zu zahlen für ihre Körperpflegeprodukte.» Das nützen die Hersteller aus.

Preisdifferenzierung wegen Geschlechterstereotypen: Frauen würden durch die Werbung von klein auf so beeinflusst, dass sie mehr für Körperpflegeprodukte zahlen. «Frauen sind sich dessen oft gar nicht bewusst. Das Marketing trennt die zwei Märkte und bietet dann spezielle Produkte für die Frau an. Denn meistens vergleicht niemand die Preise, weil die Produkte im Laden weit auseinander liegen», sagt Elisabeth Tissier-Debordes.

Diskriminierung in der Chemischen Reinigung

Meistens zahlen Frauen auch bei Dienstleistungen wie beim Coiffeur oder in der chemischen Reinigung mehr. Oft argumentieren die Firmen, dass Frauen höheren Aufwand verursachen. Doch ist wirklich nachvollziehbar, warum ein einfacher Damenschnitt beim Coiffeur doppelt so teuer sein soll wie ein aufwändiger Herrenschnitt?

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Bildlegende: Kosten in der chemischen Reinigung unterschiedlich viel: Ein Männerhemd und eine Frauenbluse. SRF

In einer Chemischen Reinigung macht ABE ein entlarvendes Experiment mit Herrenhemden und Frauenblusen. Eine Frau brachte eine Frauenbluse in die Reinigung und bezahlte 9 Franken. Ein Mann hat für sein Herrenhemd nur 5 Franken 70 bezahlt. Der Clou: Die weisse Bluse und das weisse Hemd sahen praktisch genau gleich aus (siehe Bild).

Warum dieser Preisunterschied? David Heraclide, Verantwortlicher der Reinigungs-Kette «5aSéc» behauptet in der Sendung: «Nun das ist eine Mischrechnung. Es gibt kompliziertere Frauenblusen und weniger komplizierte. Das ergibt den Preis von 9 Franken.»

Männer bekommen bessere Preise – auch für Frauenbluse

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Bildlegende: David Heraclide, Chef von 100 5aSéc-Shops. SRF

ABE machte einen weiteren Test: Ein männlicher Kollege bringt die Frauenbluse zur Reinigung und bekommt – Überraschung – den Männertarif verrechnet.

David Heraclide erklärt die schwierig zu verstehende Preispolitik: «Theoretisch müssten die Mitarbeiterinnen erkennen, dass es keine Bluse ist, sondern ein Hemd. Wenn wir einmal den Herren- und einmal den Damentarif verlangt haben, ist das ein Fehler.»

Tipp vom Chef persönlich: Frauen sollen bei einfachen Blusen den Herrentarif verlangen!

Wo zahlen Frauen ungerechtfertigterweise mehr für Produkte und Dienstleistungen. Schicken Sie uns ihre Beispiele! Kennen Sie auch faire Preise für beide Geschlechter? Dann mailen Sie uns: kassensturz@srf.ch

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