Gepanschter Walliser Wein: Winzerbranche gerät in Verdacht

Das hat die Weinwelt zum Beben gebracht: Ein Walliser Winzer steht unter Verdacht, hunderttausende Flaschen gepanscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Walliser Weinbauern distanzieren sich von ihrem Kollegen. Dennoch: gepanschte Weine sind nicht auszuschliessen.

Eine liegende Rotweinflasche, darumherum liegen rote Trauben und Rebenblätter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fremde Trauben im Wein sorgen im Wallis für Furore. Colourbox

Dominique Giroud ist ein junger dynamischer Unternehmer, der innerhalb weniger Jahre eine der grössten Weinhandlungen im Kanton Wallis aufgebaut hat. Wie sich jetzt aber zeigt: Nicht ganz legal. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Betruges, Warenfälschung und Urkundenfälschung. Unter anderem wirft man ihm vor, er habe bei über 350‘000 Liter Walliser Wein billige Weine über den erlaubten Grenzwerten beigemischt. Ausserdem soll der erfolgreiche Weinbauer Trauben aus anderen Regionen und sogar aus dem Ausland beigemischt haben.

Ist er der einzige? Oder müssen Konsumenten hie und da mit gepanschten Traubenprodukten rechnen? «Espresso» hat bei SRF-Wallis-Korrespondent Reinhard Eyer nachgefragt.

Grundsätzlich dürfen Winzer ihren Wein verschneiden, also mit anderen Sorten vermischen. Im Schweizer Gesetz gibt es dazu aber genaue Vorgaben: Es darf kein ausländischer Wein dazu gemischt werden, zudem dürfen höchstens 10-15 Prozent Billigwein beigegeben werden.

Walliser Weinbauern verlangen härtere Strafen

Dominique Giroud tat dies aber weit über das erlaubte Mass hinaus. Wie es scheint, verwendete er zudem ausländische Weine. Giroud verteidigt sein Vorgehen und sagt, das würden alle Walliser Weinbauern tun. Diese Aussage hat einen grossen Imageschaden für die Branche hervorgerufen.

Die Walliser Winzer protestieren deutlich gegen das Vorgehen von Giroud. Um die Glaubwürdigkeit der Branche wieder herzustellen, verlangen sie schärfere Kontrollen und höhere Bussen bei Vergehen. Der fehlbare Weinbauer wurde in der Vergangenheit nämlich nicht angezeigt, obschon er mehrmals ertappt wurde. Er musste lediglich eine Busse bezahlen. Das sei zu wenig, finden die Walliser Weinhändler.

Mit Dunkelziffer muss gerechnet werden

Können sich Weinkonsumenten denn überhaupt noch darauf verlassen, dass in der Flasche auch drin ist, was draufsteht? Zu einem gewissen Grad ja. Die Schweizerische Weinhandelskontrolle prüft die Einhaltung der Vorgaben. Kontrolliert wird die Buchhaltung der Winzer: Der Händler muss nachweisen, wohin sein Wein geht und wo er ihn eingekauft hat. Der Wein selbst wird nicht analysiert, da auf diese Weise nur schwer festgestellt werden kann, ob fremde Trauben darin enthalten sind. Das Problem dabei: In der Buchhaltung kann geflunkert werden. Daher muss man mit einer unbekannten Dunkelziffer rechnen.

SRF-Wallis-Korrespondenz Reinhard Eyer beobachtet aber auch, dass die Walliser Weinhändler auf Qualität setzen, Spitzenweine produzieren wollen und mit Degustationen die Nähe zum Konsumenten suchen. Betrügen liege da nicht drin, meint der Wallis-Kenner.

Tipp: Persönlichen Kontakt pflegen

Wer nicht mit billigen Verschnitten abgespeist werden will, dem rät Reinhard Eyer: «Ich empfehle, den persönlichen Kontakt mit den Winzern zu pflegen. Am besten besucht man die Weinkellereien und degustiert vor Ort. Wichtig ist, dass der Wein schmeckt, und dass kann man bei solchen Degustationen feststellen.» Dies sei die beste Garantie dafür, dass die Weinkonsumenten bekommen, was sie suchen und was sie probiert haben.