Hände weg von Briefgold

Wer sein Gold dem Internet-Händler «briefgold.ch» schickt, erhält unter Umständen nur einen Bruchteil des Wertes vergütet. Wer dies nicht akzeptieren will, wartet wochenlang, bis er sein Gold wieder zurück erhält - wenn überhaupt.

Screenshot der Internetseite www.briefgold.ch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Vorgehen ist einfach, der Preis hingegen lässt zu wünschen übrig. SRF

Hände weg vom Briefgold

4:10 min, aus Espresso vom 15.04.2013

«Espresso»-Hörerin Sarah Kähr aus Pratteln (BL) sah im Fernsehen einen Werbesport des Internet-Gold-Händlers «briefgold.ch»: «Der Werbespot suggerierte, dass man für sein Gold viel Geld erhält», so Kähr. Um Gold einzuschicken, muss der Kunde zuerst einen versicherten Briefumschlag bestellen. In diesem Umschlag schickte Sarah Kähr einen 10-Gramm-Goldbarren mit 24 Karat an eine Adresse in Bern.

Nur ein Fünftel des Wertes erhalten

Einige Tage später erhielt sie ein Mail, dass auf Ihr Konto der Betrag von Fr. 72.90 für den Goldbarren überwiesen werde. Die «Espresso»-Hörerin traute ihren Augen nicht: «Ich dachte, im Mail hätte es einen Tippfehler. Sie hätten eine 3 oder eine 4 vergessen.» Ihr 10-Gramm-Goldbarren war nämlich Mitte März rund 450 Franken wert. Auf «briefgold.ch» hatte man ihr gerade mal 20 Prozent des richtigen Wertes geboten.

Sie reklamierte sofort und prompt erhielt sie eine neue Offerte. Nun bot die Firma 350 Franken. Doch Kähr wollte nur noch ihren Goldbarren zurückhaben. «Ich habe mehrmals beim Kundendienst reklamiert und Mails geschrieben. Ich wurde immer wieder vertröstet und hingehalten. Der Goldbarren werde mir bald zurückgeschickt.»

Viele schlechte Erfahrungen

Dass die Internet-Seite «briefgold.ch» unseriös ist, merkt man erst auf den zweiten Blick. Auf der Seite ist keine Kontaktadresse in der Schweiz angegeben. Die 0800-Hotlines sind nicht registiert und der Firmensitz ist angeblich auf der Isle of Man, auf einer Britischen Insel in der Irischen See. Im Internet findet man zudem viele negative Meldungen zur Firma.

Bruno Lütolf ist Altgoldhändler bei der Goldrausch AG. Einige seiner Kunden haben mit der Firma Briefgold ebenfalls sehr schlechte Erfahrungen gemacht. «Die Preise sind jenseits von gut und böse. Die Leute warten wochenlang, bis sie ihr Gold wieder zurückerhalten.» Die Unerfahrenheit der Leute werde schamlos ausgenutzt.

Er empfiehlt, vor dem Goldverkauf die Formel anzuwenden: Tagespreis für 1 Gramm Gold abzüglich 7 Franken und diesen Beitrag müsse man mit 0,75 multiplizieren. Dies sei der Preis für 18 Karat Gold. Also beispielsweise 42 Franken (1 Gramm Gold) - 7 x 0,75 = 26.25 Franken. Zudem empfiehlt er, Goldbarren oder Goldvreneli wenn immer möglich der Bank zurückzubringen.