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Konsum Heizungskauf am Messestand – Ein Schnäppchen mit Risiko

Wärmepumpen und Solaranlagen werden auf Verkaufsmessen bis zu 50 Prozent günstiger angeboten als in Fachmärkten oder beim Installateur. Dafür geht der Käufer ein Risiko ein bei der Beratung und der fachmännischen Installation. «Espresso» mit einem Fall, wo sich dies nicht gelohnt hat.

Legende: Audio Heizungskauf am Messestand – Ein Schnäppchen mit Risiko abspielen.
8:37 min, aus Espresso vom 16.10.2014.

Die Familie Benato aus Neuhaus bei Rapperswil Jona entschied sich im Herbst 2011, ihre alte Ölheizung durch eine moderne Heizungsanlage zu ersetzen. An der Züri-Oberland-Messe in Wetzikon besuchte sie den Stand der ET-Energie und Handel GmbH. Noch am Messestand unterschrieb das Ehepaar den Kaufvertrag für eine Luft-Wärmepumpe und eine thermische Solaranlage.

Sobald die Ware geliefert war, bezahlte die Familie Benato die Gesamtrechnung – und bereute das kurze Zeit später. Wegen mangelnder Vorbereitung lief vieles schief. «Espresso»-Hörerin Renate Benato: «Erst vor Ort stellten die Installateure fest, dass es einen Kran benötigt, um die Solaranlage auf das Dach zu bringen. Auch mussten Teile einer Wand abgebrochen werden, um den Speicher in den Heizungsraum zu bringen. Und an die Bewilligung des Stromanbieters hat man auch nicht gedacht.»

Eine grosse, unförmige Pumpanlage aus Metall in einem Holzverschlag.
Legende: Die Wärmepumpe der Familie Benato, die ab und zu einmal funktioniert. SRF

Warten statt heizen

Die Heizung, so Renate Benato, habe dann nicht richtig funktioniert. Von diesem Zeitpunkt an habe man ständig Termine mit de ET-Energie GmbH ausgemacht, die dann nicht eingehalten wurden. Man sei vertröstet und mit abenteuerlichen Ausreden abgespiesen worden. Während die Solaranlage funktionierte, galt das für die Wärmepumpe nur teilweise. Und als sie endlich betriebstüchtig war, begann der Ärger mit dem Lärm. Messungen ergaben, dass die Wärmepumpe doppelt so laut war, wie auf dem Zertifikat ausgewiesen wurde. Nachbarn reklamierten, die Benatos hatten noch eine Baustelle mehr. Einen ganzen Winter lang musste das Einfamilienhaus zur Not mit dem Elektroheizstab geheizt werden – mit entsprechenden Strom-Zusatzkosten.

Irgendwann wurde es der Ostschweizer Familie zu bunt, sie engagierte eine Anwältin. Man traf sich auf der Schlichtungsstelle und einigte sich darauf, dass die Familie vom Heizungs-Discounter eine neue Wärmepumpe erhält. Diese ist kürzlich in Neuhaus eingetroffen und wird demnächst von einem neutralen Installateur montiert. Familie Benato hofft, dass die Heizung im kommenden Winter erstmals pannenfrei funktioniert. Drei Jahre, nachdem der Kaufvertrag an der Verkaufsmesse in Wetzikon unterschrieben wurde.

ET-Energie wehrt sich

Geschäftsführer Rainer Berkmann ist schon lange im Heizungs-Discount-Geschäft aktiv. Die ET-Energie ist ein Schweizer Ableger eines Unternehmens im deutschen Allgäu und verkauft Anlagen, die deutlich günstiger sind als vergleichbare Produkte anderer Anbieter. Berkmann äussert sich nicht zum «Fall Benato». Er verweist auf die Einigung, die man vor der Schlichtungsstelle getroffen habe. Der Unternehmer wehrt sich: «Die Masse unserer Kunden ist sehr zufrieden mit uns. Einzelne Komplikationen kann es immer geben. Die gibt es auf jeder Baustelle.»

Dass es nicht seriös sei, eine komplexe Heizungsanlage auf einer Messe zu verkaufen und die Kunden schon vor der Planung einen Kaufvertrag unterschreiben zu lassen, bestreitet Rainer Berkmann. Auf einer Verkaufsmesse gehe es natürlich in erster Linie darum, etwas zu verkaufen. Schliesslich sei ein Messestand teuer und informieren könnten sich Kunden auch im Internet. «Espresso» unterhielt sich mit mehreren Kunden. Einige waren zufrieden mit den Leistungen, andere nicht. Aufgefallen ist, dass diejenigen Kunden, die einen Restbetrag des Kaufbetrags zurückbehielten, weniger Probleme auf ihrer Baustelle hatten. Fast alle beklagten sich aber darüber, dass die Fristen selten eingehalten wurden und es immer wieder zu Verzögerungen kam.

Fachverband empfiehlt: Referenzen einholen

Die Fachverbände der Schweizerischen Solar- und Wärmepumpenbranche (Swissolar, FWS) raten dazu, vor jedem Vertragsabschluss Referenzen einzuholen. Dies empfehle sich gerade auch bei Messekäufen, wo der Druck der Verkäufer gross ist. Wer auf einer Messe eine Heizungsanlage kauft, kann also von einem günstigen Preis profitieren. Er geht aber bezüglich Planung und Beratung ein Risiko ein und muss sich selbst darum kümmern, dass bei Planung und Installation alles richtig gemacht wird.

Radio-Tipp

Radio-Tipp

Der Ombudsmann von der Fachvereinigung Wärmepumpen erklärt im «Espresso», worauf es beim Kauf zu achten gilt. Am Freitag um 08.10 Uhr auf Radio SRF 1.

Ihre Erfahrungen?

Haben auch Sie schon eine kompliziertere Anlage an einer Messe gekauft? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Schreiben Sie uns per Mail.

2 Kommentare

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