Hohe Preise trotz tiefem Euro

Schweizer zahlen für deutsche Zeitschriften am Kiosk zwischen 40 und 60 Prozent mehr als der Rest von Europa. Das hat ein «Kassensturz»-Preisvergleich gezeigt. Vom Eurokurs profitieren die Kunden nicht. Aufgrund von zahlreichen Anfragen ist nun der Preisüberwacher aktiv und mit Valora im Gespräch.

Video «Hohe Preise trotz tiefem Euro» abspielen

Hohe Preise trotz tiefem Euro

4:25 min, aus Kassensturz vom 11.1.2011

Die Hälfte der Zeitschriften an Schweizer Kiosken stammt aus Deutschland. Ob Spiegel, Gala oder Computerfachzeitschriften: Schweizer Konsumenten zahlen für diese Hefte seit Jahren massiv mehr als der Rest von Europa. Der momentan tiefe Eurokurs hat diese Unterschiede nochmals verstärkt. Denn obwohl der Euro von 1.50 auf 1.25 Franken gesunken ist, bleiben die Preise unverändert.

In der Schweiz immer teurer

Der Spiegel kostet in Deutschland 4 Euro. Das sind zu einem Kurs von 1.25 umgerechnet 5 Franken. Doch tatsächlich müssen Schweizer Spiegel-Leser 7.30 Franken zahlen. Das sind 46 Prozent mehr. Auch für Fachzeitschriften und Sonderausgaben wie die Mac-Bibel müssen die Schweizer tief in die Tasche greifen. 12.80 Euro zahlen Kunden in Deutschland und Österreich, 24.50 Franken die Leser in der Schweiz. Im Durchschnitt sind die identischen Produkte 35 bis 50 Prozent teurer.

Die Kioskbetreiberin Valora rechtfertigt diese Preisunterschiede: In der Schweiz seien die Vertriebskosten höher, ausserdem entfallen für die Zeitschriften häufig die Werbeeinnahmen, sagt Alexander Theobald, Konzernleitungsmitglied von Valora. «Die ausländischen Verlage setzen die Preise fest, nicht die Valora.» Diese würden sich an den Konkurrenzprodukten in der Schweiz orientieren, sagt Theobald. Mit ihrer Machtstellung könnte die Valora die Preisgestaltung durchaus beeinflussen. Allerdings: Valora hat kein Interesse an tiefen Preisen, denn dadurch würde auch ihre Marge sinken.

Verlage sacken Kursgewinne ein

In den letzten Monaten ist der Eurokurs massiv gesunken. Wenigstens davon müssten Schweizer Konsumenten profitieren. Doch die Preise bleiben unverändert. Kassensturz hat mehrere grosse Verlage in Deutschland um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort von «Gruner+Jahr» ist bezeichnend: «Auf Kursschwankungen reagieren wir grundsätzlich nicht.»

Immer mehr Konsumenten ärgern sich über diese Preispolitik, bestätigt der Preisüberwacher gegenüber «Kassensturz». Er sei seit einiger Zeit mit der Kioskbetreiberin «Valora» im Gespräch. «Zum Inhalt dieser Gespräche können wir uns zum heutigen Zeitpunkt nicht äussern und deren Ausgang ist momentan noch offen.»

Bezeichnend ist das Beispiel der englischsprachigen Manager-Zeitschrift «Business Spotlight». Sie kostet in ganz Europa gleichviel, nämlich 12.80 Euro. Ausser in der Schweiz. Dort kostet sie 23 Franken. Das sind 44 Prozent mehr.