Kindersklaven für Schoggi: Hersteller tun wenig

Schweizer sind stolz auf ihre Schoggi. Doch Hunderttausende von Kindern schuften in Westafrika auf den Kakao-Plantagen. Sogar verschleppte Kinder, sogenannte Kindersklaven, traf «Kassensturz» an. Schweizer Schokoladenhersteller kennen die unhaltbaren Zustände, doch sie tun zu wenig dagegen.

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01.12.09: Schweizer Schokoladenhersteller profitieren

21 min, aus Kassensturz vom 1.12.2009

Eine Viertelmillion Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen in Westafrika, die meisten in der Elfenbeinküste. Davon sind 10‘000 Sklaven, die jahrelang fern von ihrer Familie arbeiten müssen. Zum Beispiel Daniel aus Burkina Faso: Er wurde mit 10 Jahren von seiner Familie getrennt. Seit fünf Jahren arbeitet er auf einer kleinen Plantage in der Elfenbeinküste. Ein Mann habe ihn mitgenommen und gesagt, er werde mit Kakao arbeiten. Daniel ist pausenlos am Schuften: «Meine Arbeit ist sehr ermüdend. Manchmal verletzt man sich dabei mit der Machete.»

Keine Zukunftschancen

Im Juni hat die ivorische Polizei Schlepper verhaftet, welche 15 Kinder aus Burkina Faso in die Elfenbeinküste gebracht haben. Auch sie hätten wie Daniel als Sklaven auf Plantagen arbeiten müssen. Die Polizei hat die Kinder zurück zu ihren Eltern gebracht. Andrea Hüsser von der Hilfsorganisation «Erklärung von Bern» klagt an: «Diese Kinder haben keine Zukunftschancen. Sie tragen physische und psychische Schäden davon.»

Kakao aus der Elfenbeinküste verwenden grosse Konzerne wie Ferrero, Kraft, Mars und Nestlé. Er findet sich auch in Produkten von Aldi, Maestrani und der Migros-Tochter Frey.
 Der grösste Kakao- und Schokoladekonzern der Welt, die Firma Barry Callebaut mit Sitz in der Schweiz, profitiert vom derzeit rekordhohen Kakaopreis mit einem Umsatz von 4,8 Milliarden Franken. Viele Schokoladehersteller kaufen ihren Kakao bei Barry Callebaut. Doch auch der Kakao-Riese kämpft mit dem Problem der Kinderarbeit: «Niemand kann garantieren, dass keine Kinderarbeit im Kakao steckt», sagt Afrika-Chef Paul de Petter.

Zu viele Zwischenhändler

Verschiedene Schweizer Schokoladeproduzenten beziehen keinen Kakao aus der Elfenbeinküste: Lindt, Camille Bloch, Sprüngli und seit einem Jahr Coop-Tochter Chocolats Halba. Halba möchte für Natur und Bauern gute Bedingungen schaffen. Dies sei in der Elfenbeinküste für sie nicht möglich gewesen. «Es ist schwierig, direkt mit den Bauern zu arbeiten. Es gibt zu viele Zwischenhändler, die daran verdienen», sagt Christoph Inauen. Die «Erklärung von Bern» fordert, dass sich die Schweizer Schokoladeunternehmen in der Elfenbeinküste engagieren: «Grund für die Armut ist der niedrige Preis, den die Bauern haben. Die Industrie muss Verantwortung übernehmen.»

Es gibt jedoch bereits heute in der Elfenbeinküste Kakaobauern, die ein gutes Einkommen haben. Dies zeigt das Beispiel des Dorfes Kouassi Koua Kro. Die Einwohner produzieren Fair-Trade-Kakao. Sie erhalten deshalb einen fixen Preis. Ihre Kinder gehen zur Schule und in ihrer Freizeit können sie Kind sein und spielen. Zusätzlich erhalten die Mitglieder eine Prämie für Projekte. Damit haben sie einen Brunnen finanziert. Ein grosser Gewinn für die Gemeinschaft: Der lange Weg zum alten Brunnen fällt weg und die Kinder haben seltener Magenprobleme und Durchfall.

Doch: Kakao aus fairem Handel ist in der Schweiz ein kleiner Nischenmarkt. Knapp ein halbes Prozent aller verkauften Schokolade ist «fair» produziert.