Kreditkarten: Mahngebühr ohne Mahnung

Viele Kunden ärgern sich: Klammheimlich führen einzelne Kreditkartenanbieter eine neue Mahngebühr ein. Zahlt ein Kunde zu spät, verrechnen sie nebst dem Verzugszins auch eine Mahngebühr. Ohne zuvor wirklich gemahnt zu haben.

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Neu: Mahngebühren ohne Mahnung

4:56 min, aus Kassensturz vom 6.3.2012

Kassensturz-«Zuschauer» Frank Rumpe staunte nicht schlecht, als er letzten Februar Kreditkarten-Rechnung eine Mahngebühr von 20 Franken fand. Der Geschäftsmann aus Bad Zurzach ist viel auf Reisen und besitzt seit Jahren die Kreditkarte «Miles&More» von Swiss. Bisher war er mir der Dienstleistung des Kartenanbieters eigentlich ganz zufrieden.

«Da ich auf Geschäftsreise war, habe ich die Januar-Rechnung mit 4 Tagen Verspätung bezahlt. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, dass mir für diese Verzögerung ein Verzugszins berechnet wurde», sagt Frank Rumpe. «Was ich nicht verstehe, ist die Mahngebühr von 20 Franken. Denn eine Mahnung habe ich nie erhalten», betont Rumpe.

Rumpe hat beim Kartenbetreiber telefonisch nachgefragt. Er wunderte sich über die Antwort: «Man sagte mir, dass bei seit dem 1. Januar bei Zahlungsverspätungen automatisch die Mahngebühr erhoben wird. Das finde ich eine totale Schweinerei.»

Nur legal wenn in den AGBs

Auch Andrea Rölli aus Kilchberg hat mit ihrer Kreditkarte «Coop-Supercard» ganz Ähnliches erlebt: Auf auf ihrer letzten  Monatsrechnung fand sie eine Mahngebühr über 20 Franken. Eine ordentliche Mahnung hat aber auch sie nie erhalten.

Gebühren für nie erhaltene Mahnungen: Für «Kassensturz»-Rechtsexpertin Doris Slongo ist es nicht üblich, dass Mahngebühren ohne schriftliche oder mündliche Mahnung erhoben werden. «Ausser das ist so im Vertrag abgemacht», präzisiert die Juristin.

Für beide erwähnten Kreditkarten ist die Swisscard AG in Horgen verantwortlich. Swisscard gibt im Auftrag verschiedener Unternehmungen Kreditkarten heraus: Neben «Swiss Miles and More» und «Coop-Supercard»  zum Beispiel auch die Kreditkarten der Credit Suisse und von American Express.

Vor der Kamera wollte die Firma zu den umstrittenen Gebühren keine Stellung nehmen. Sie schreibt aber «Kassensturz»: «Die Zahlungsverzugs-Fälle haben sich gehäuft. Swisscard stellt deshalb konsequent den Mehraufwand verursachergerecht in Rechnung. Die Mahngebühr wird berechnet, wenn der zu bezahlende, offene Mindest-Rechnungsbetrag nicht zeitgerecht bezahlt wird.» Im weiteren verweist Swisscard auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Jeder zweite Kartenbetreiber

Doch nicht nur Swisscard versucht mit der automatischen Mahngebühr Kasse zu machen, wie eine «Kassensturz»-Umfrage bei den grössten Kreditkartenfirmen zeigt: Neben Swisscard gibt auch Viseca an, ihren Kunden bei verspäteten Zahlungen neben dem Verzugszins automatisch auch eine Mahngebühr in Rechnung zu stellen. Zahlreiche Kantonal- und Regionalbanken lassen ihr Kreditkartengeschäft von Viseca managen.

GE Money Bank AG bittet nach der Sendung um folgende Präzisierung: Es stimme, dass die Prozesse automatisiert seien. Wichtig sei aber festzuhalten, dass der Kunde nach 3 Tagen Zahlungsverzug automatisch eine Mahnung zugeschickt erhalte. Die Mahngebühr kostet SFr. 20.--.

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Und auch GE-Moneybank als Verwalterin der Migros-Kreditkarten lässt mitteilen, dass säumigen Kunden die ordentliche Mahngebühr automatisch in Rechnung gestellt wird. Das sei branchenüblich.

Der Verweis auf die Branchenüblichkeit greift aber zu kurz: Denn UBS und Postfinance erheben keine automatische Mahngebühr. Und auch die Corner-Bank distanziert sich von dieser Praxis. Corner gibt unter anderem die SBB-Kreditkarte heraus.

Zwar verrechnen auch diese drei Kreditkartenbetreiber säumigen Kunden einen Verzugszins für die Dauer der Zahlungsverzögerung. Eine Mahngebühr stellen sie aber nur dann in Rechnung, wenn sie dem Kunden zuvor eine Mahnung zustellen mussten – und somit auch wirklich ein Mehraufwand erfolgte.

Kunden sind sauer

Für Swisscard-Kunde Frank Rumpe ist die Sache deshalb klar: «Ich glaube, dass sich die Firma auch nicht ganz sicher ist mit diesen Mahngebühren. Als ich mich am Telefon gewehrt habe, hat mir der Mitarbeiter dann die Mahngebühr erlassen.»

Auch Swisscard Kundin Andrea Rölli erhält die Mahngebühr zurückerstattet. Nach mehreren Telefonaten mit Swisscard. Sie will aber mir der Firma nichts mehr zu tun haben, und hat die Karte gekündigt.

Rechtsexpertin rät: Mahngebühr nicht zahlen

«Kassensturz» lässt Rechtsexpertin Doris Slongo das Kleingedruckte in den Swisscard-Geschäftsbedingungen lesen: «In den AGB’s steht, dass Swisscard bei Zahlungsverzug einen Verzugszins erheben kann. Dass aber auch Mahngebühren anfallen, ohne dass der Kunde gemahnt worden ist, davon steht nichts», so Doris Slongo.

Der Betrag sei damit nicht geschuldet: «Am besten die Kunden schreiben der Firma einen kurzen Brief, in dem sie darauf hinweisen, dass sie die automatische Mahngebühr nicht bezahlen, weil das so nicht Vertragskonform ist», rät die Rechtsanwältin.

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