Lautsprecher-Verkauf: Reinfall statt Schnäppchen

Raffinierte Händler drehen Passanten scheinbar wertvolle Lautsprecher an. In Wahrheit ist es billigster China-Ramsch mit lausiger Tonqualität. Bevor die Käufer reklamieren können, sind die dubiosen Verkäufer längst über alle Berge.

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Lautsprecher-Verkauf: Reinfall statt Schnäppchen

6:25 min, aus Kassensturz vom 26.2.2008

Es geschah auf dem Parkplatz vor einem grossen Baumarkt: Simon O. aus Baar (ZG) wurde von zwei Typen angequatscht: «Sie hätten mir zwei Boxen zu verkaufen. Sie haben mir einen Katalog gezeigt, wo sie pro Stück 1600 Dollar kosten. Sie haben gesagt, das sei nur der Preis für Elektromärkte und dass der Endverkäufer bis zu 2000 Franken für eine zahlt.»

Warnungen im Internet

Es geht um Lautsprecher der Marke Genesis. 600 Franken hat Simon O. für das Paar bezahlt – scheinbar ein Schnäppchen. «Als ich zu Hause war, ging ich ins Internet und schaute, was man für eine solche Box zahlt und bin auf die Welt gekommen. Es waren keine Verkaufsangebote sondern Warnungen vor Betrügern», sagt er.

«Kassensturz» bringt die Box zum Profi. Hans Jürg Baum von der Internetzeitschrift avguide.ch untersucht das Innenleben. Er entdeckt einen «jämmerlich kleinen Magneten», aber keinerlei Dämpfmaterial. «Bei einem Markenprodukt trifft man so etwas nie an», sagt der Elektroingenieur.

Unter Zeitdruck gesetzt

Von fliegenden Händlern mit Ramsch für 600 Franken reingelegt: «Kassensturz» sucht die Boxenverkäufer. Die Spur führt zu einem Haus in Gümligen (BE). Eine Telefonnummer gibt es nicht, nur einen Briefkasten. «Kassensturz» sucht das Lager der Sones GmbH. Der Geschäftsführer der Firma will zu den Vorwürfen nichts sagen. «Kassensturz» gelangt ins Untergeschoss, doch die Händler sind ausgeflogen, die Lagertüre bleibt zu.

«Kassensturz» berichtete schon 1999 von dubiosen Verkäufen und filmte mit versteckter Kamera. Der Trick funktioniert seit Jahren. Das wichtigste dabei: Die Verkäufer geben jedes Mal vor, es eilig zu haben. Sie setzen damit ihre Opfer unter massiven Zeit- und Entscheidungsdruck.

Auch Stefan Althaus haben Gauner unter Zeitdruck gesetzt. Althaus hat für zwei Boxen der Marke Jannsonn & Fynn 1000 Franken bezahlt. Auch er wurde auf einem Parkplatz abgefangen. Die Verkäufer wichen nicht mehr von seiner Seite. «Ich konnte nur den Karton aufmachen und schauen, ob überhaupt etwas drin ist», erzählt Althaus.

«Miserabler Lautsprecher»

Hans Jürg Baum misst den Klang. Bei guten Lautsprechern verläuft die Frequenzkurve ruhig. Die Boxen von der Strasse zeigen einen unruhigen, welligen Verlauf. «Bei jeder Art von Musik erkennt man, dass das ein miserabler Lautsprecher ist. Egal ob Rock, Klassik oder Klavier, der kann nichts Gescheites rauslassen», urteilt der Fachmann.

«Kassensturz» fährt zum Verkäufer der Lautsprecher. Dieses Mal im Verdacht sind Mitarbeiter der Firma Lobsiger und Herrmann an der Dorfstrasse 17 in Hindelbank (BE). Die Leute sind nicht mehr da. Lobsiger und Herrmann sagen: In diesem Fall seien nicht sie die Verkäufer gewesen, sondern wohl ihre eigenen Lieferanten aus Deutschland.