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Konsum Leasing: Bei vorzeitiger Rückgabe schnappt die Schuldenfalle zu

Wegen einer Krankheit verlor «Espresso»-Hörerin Manuela Gehrig ihre Arbeitsstelle. Weil das Geld nirgendwo hin reichte, gab sie ihren geleasten Wagen vorzeitig in die Garage zurück. Dafür verlangt die Leasingbank nun horrende Strafgebühren. Manuela Gehrig schlitterte direkt ins Schuldenchaos.

Legende: Audio Leasing: Bei vorzeitiger Rückgabe schnappt die Schuldenfalle zu abspielen. Laufzeit 05:30 Minuten.
05:30 min, aus Espresso vom 21.11.2014.

Exakt 9766 Franken und 30 Rappen verlangt die Leasingbank Cashgate von Manuela Gehrig (Name geändert). Rund 3500 Franken, weil die junge Frau den Leasingvertrag schon nach etwas mehr als einem Jahr statt wie vereinbart nach vier Jahren auflöste. Und rund 5000 Franken für die 12'000 Mehrkilometer, die sie auf dem Tacho hatte.

Das Einkommen spiele keine Rolle, sagte der Garagist

Manuela Gehrig kann die horrende Rechnung nicht bezahlen. Die 26-jährige Frau verlor wegen psychischen Problemen ihre ursprüngliche Anstellung. Monate später findet sie eine neue Stelle. Für den Arbeitsweg und wegen der unregelmässigen Arbeitszeiten ist sie auf ein Auto angewiesen. Die Laborangestellte hat keine finanziellen Reserven. Deshalb bleibt ihr nur eine Lösung: Einen Wagen zu leasen.

Vor einer Kreditvergabe muss die Leasingbank prüfen, ob sich ein Antragssteller einen Kredit oder ein Leasing überhaupt leisten kann. Manuela Gehrig muss in der Autogarage einen Antrag ausfüllen und ihre finanzielle Situation offen legen. Gehrig weist den Garagisten ausdrücklich darauf hin, dass sie erst seit zwei Wochen an der neuen Stelle arbeitet und noch kein sicheres Einkommen hat. Doch der meint nur, das «spielt keine Rolle». Die Leasingbank Cashgate winkt den Antrag durch. Knapp zwei Wochen später kann Manuela Gehrig ihren Smart in der Garage abholen.

Nach der Rückgabe des Autos kommt die hohe Rechnung

Aber schon kurze Zeit später stellt sich heraus, dass sie der hohen Belastung am neuen Arbeitsort nicht gewachsen ist. Wieder wird die junge Frau krank geschrieben. Weil sie nicht vermittlungsfähig ist, kann Manuela Gehrig keine Arbeitslosentaggelder beziehen. Sie muss aufs Sozialamt.

Jetzt wird ihr klar, dass ein Auto finanziell nicht mehr drin liegt. Gehrig meldet sich bei der Garage und bringt den Wagen zurück. Zwei Monate später kommt die Schlussabrechnung. Ein Schock für Manuela Gehrig. «Ich hatte keine Ahnung, dass durch die vorzeitige Rückgabe solche Kosten auf mich zukommen werden.»

Dass ein vorzeitiger Ausstieg aus einem Leasingvertrag ein teures Unterfangen ist, wüssten viele Leute nicht, sagt Mario Roncoroni, Rechtsanwalt und Co-Leiter der Berner Schuldenberatung. Bei ihm melden sich Leute, bei denen wie bei Manuela Gehrig wegen eines Leasingvertrages die Schuldenfalle zugeschnappt ist.

Mario Roncoroni hat die Vertragsunterlagen der Cashgate geprüft. Die Kreditfähigkeitsprüfung sei alles andere als seriös durchgeführt worden, sagt er. «Bei einem so tiefen Einkommen ist man bewusst Risiken eingegangen, die man nicht hätte eingehen dürfen.»

20 Rappen pro Kilometer sind «überrissen»

Hätte der Garagist alle Kosten korrekt erfasst und gerechnet, hätte man unweigerlich zum Resultat kommen müssen, dass bei diesem Lohn ein Leasing nicht drin liege.

«Völlig überrissen» findet Roncoroni auch die Forderung für die gefahrenen Mehrkilometer. «Die Bank verlangt 20 Rappen pro Kilometer. Das ist ein Fantasiepreis, der nicht einmal bei einem Neuwagen gerechtfertigt wäre.» Angemessen sind laut Roncoroni maximal 8 Rappen.

Und nicht nur das: Laut Roncoroni hat die Bank im Vertrag den Jahreszins falsch angegeben. «Das ist ein Formfehler. Der Vertrag deshalb nichtig.» Manuela Gehrig müsse aus diesen Gründen höchstens einen Bruchteil der Forderung bezahlen.

Cashgate mag sich trotz mehrerer Nachfragen zu den Vorwürfen nicht äussern. Man sei aber bereit, mit Manuela Gehrig eine Lösung zu finden, lässt die Mediensprecherin der Aduno Gruppe, Nadine Geissbühler, per Mail ausrichten.

Hinter den Kulissen kommt aber Bewegung in die Sache: Kurz vor Ausstrahlung des Beitrages im Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1 bekommt Manuela Gehrig einen Anruf von Cashgate. Man bietet ihr an, auf die Mehrkilometer zu verzichten. Ein Beitrag auf «Espresso» sei doch dazu nicht nötig.

Beim Leasing rechnen nicht alle mit den ganzen Kosten

Das Beispiel von Manuela Gehrig zeigt: Ein Leasingvertrag birgt finanzielle Risiken. Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, wie hoch die Nebenkosten für die Vollkaskoversicherung und den Unterhalt sind. Rechnet man mit allen Kosten, kostet ein geleastes Auto pro Monat das zwei- bis dreifache des Leasingzines.

Und wer den Leasingvertrag wie Manuela Gehrig vorzeitig auflösen muss, wird tüchtig zur Kasse gebeten. Laut Gesetz darf die Bank in diesem Fall rückwirkend höhere Raten verlangen. Das führt zu einer paradoxen Situation. Wer aussteigen will, weil er sich die Raten nicht mehr leisten kann, kann auch den Ausstieg nicht finanzieren.

Kauf oder Leasing: Tipps vom Experten

Mario Roncoroni rät vom Autoleasing ab. Vor allem bei einem knappen Budget sei ein Leasingvertrag eine «tickende Zeitbombe». In jedem Fall fährt besser, wer einen Privatkredit aufnimmt und sich davon einen Occasionswagen kauft. So fallen keine Vertragsstrafen an und das Auto lässt sich bei Bedarf verkaufen.

Wer dennoch einen Wagen leasen möchten, sollte auf die folgenden beiden Punkte achten:

  1. Einen Anbieter suchen, der auf die rückwirkende Erhöhung der Raten bei einem vorzeitigen Ausstieg verzichtet.
  2. Unbedingt darauf achten, dass die im Vertrag vorgegebene Kilometerzahl für die beabsichtigte Nutzung ausreicht und gegebenenfalls eine höhere Kilometerleistung verlangen. Das drückt zwar die Leasingrate etwas noch oben, erspart einen aber hohe Nachforderungen.

31 Kommentare

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  • Kommentar von Marek Ceizel (Marek)
    Entschuldigung nur noch einmal um sicher zu sein. Ihre Antwort: Wie der Verkäufer gesagt hat, spielt das keine Rolle, wenn Sie das Auto nachher kaufen. Mehrkilometer werden nur verrechnet, wenn Sie das Auto zurückgeben. Ist das eine Regel oder ein Gesetz ? Weil auch wenn es der Verkäufer gesagt hat, steht es nirgendwo schriftlich auf den Vertrag. vielen DANK
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    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz/Espresso»
      Der Restwert ist ein rein kalkulatorischer Wert um die Leasingrate zu berechnen. Er ist aber nicht verbindlich. Es könnte also sein, das der Garagist schliesslich mehr verrechnet. Lesen Sie dazu diesen Artikel: https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/rechtsfragen/sonstiges-recht/muss-mir-der-garagist-das-leasingauto-zum-restwert-verkaufen
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  • Kommentar von Marek Ceizel (Marek)
    Ich wollte ein Auto einfach kaufen. Habe die hälfte beyahlt und CashGate Leasing für zwei Jahre unzterschrieben. Ich hbae 5000km pro monat in Vertrag, der Verkäufer hat mir aber gesagt, dass wenn ich das Auto schlussendlich kaufen will ist es egal. Also ich habe unterschrieben. Am ende soll der AutoßRestwert 5000 CHF sein. Jetzt meine Frage. Das auto wird schon fast 60 000 Km auf tacho haben. Werde ich auch mehrkilometer bezahlen mussen ? Ich will das auto nicht zurückgeben. Ich will es kaufen.
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    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz/Espresso»
      Guten Tag. Wie der Verkäufer gesagt hat, spielt das keine Rolle, wenn Sie das Auto nachher kaufen. Mehrkilometer werden nur verrechnet, wenn Sie das Auto zurückgeben.
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  • Kommentar von Reto Zala, Rikon
    bei Alb Leasing Ag ist vorsicht angesagt mann muss im voraus 200.- bezahlen und es wird eine rückzalung versprochen bei nich zustandekommen der Finanzierung jedoch was ich vorher nicht wüsste und nicht erwänt wird man zahlt aleine bis zur übergabe 600.- gebüren die Fahrzeuge sind im schnitt1000.- bis 2000.- teurer als in üblichen garagen die zinsen 6000.- bei einem Renault megane bei einem Kaufpreiss von 14800.- und das fahrzeug siht man das erste mal erst bei der übergabe wen es zu spät ist ???
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    1. Antwort von Bergmann, Egerkingen
      Meine Erfahrung mit ALB, Geld einbezahlt 200.- aus meiner Sicht zu lange Wartezeiten bis sich dann mal jemand meldet. Die meisten Mails werden nicht beantwortet oder ignoriert. Obwoh ich wie gewünscht passende Termine geliefert habe für einen Telefonische besprechnung, wurde ich nie angerufen. Ich denke das sind klare Zeichen. Geht ja nun wirklich nicht.
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    2. Antwort von ALB AG AUTOLEASING & BERATUNG, Cham
      1/2: Es ist uns ein Anliegen, unseren Interessenten/Innen optimalen Service bieten zu können. Dabei stellen wir jedoch auch immer wieder fest, dass es viele Menschen gibt, die trotz schwieriger finanzieller Lage meinen, ein Luxusfahrzeug fahren zu müssen/können und dieses von uns zum Schnäppchenpreis zu erhalten. Insbesondere Personen mit Verlustscheinen in der Höhe von CHF 250'000.- und mehr neigen dazu, diese zu "verdrängen" und erwarten selbiges auch von zukünftigen Gläubigern.
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    3. Antwort von ALB AG AUTOLEASING & BERATUNG, Cham
      2/2: Sie sehen keinen Anlass, anstelle eines teuren Luxusfahrzeuges ein angemessenes Fahrzeug anzuschaffen. In solchen Fällen sind wir nicht bestrebt, einen Leasingvertrag einzugehen. Mit entsprechender Enttäuschung verleihen diese Personen unter Nutzung der Pseudo-Anonymität im Internet Ihrer Frustration Ausdruck und verbreiten oft Unwahrheiten. Im Gegensatz zu leeren Behauptungen können wir sämtliche unserer Stellungnahmen belegen und müssen uns nicht im Internet "verstecken".
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    4. Antwort von ALB AG AUTOLEASING & BERATUNG, Cham
      Herr Zala:Unsere Konditionen sind marktüblich. Bis heute konnte uns kein Kunde einen vergleichbaren Leasingvertrag zu günstigeren als den von uns angebotenen Konditionen vorlegen. Die genannten Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar. Es ist möglich, dass ein ähnliches Fahrzeug günstiger zum Verkauf angeboten wird. Betrachtet man diese Fahrzeuge im Detail, sind sie nicht mängelfrei, mit 12Mt.Vollgarantie, usw. Unsere Kundenzufriedenheit hinsichtlich Fahrzeugqualität liegt zwischen 96% und 99%.
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    5. Antwort von ALB AG AUTOLEASING & BERATUNG, Cham
      Herr/Frau Bergmann (Name Antragssteller/In?) 1/2: Nach Eingang der Gebühr von CHF 200.- versendet unser System innerhalb eines Tages eine Nachricht. Die Dauer, bis die Zahlung bei uns eingeht, ist wesentlich länger. Bei Einzahlung am Postschalter dauert es 2-4 Arbeitstage, bis die Zahlung auf unserem Konto eingeht. Diese Verzögerung entsteht nicht auf unserer Seite.
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    6. Antwort von ALB AG AUTOLEASING & BERATUNG, Cham
      Herr/Frau Bergmann (Name Antragssteller/In?) 2/2: Den Verlauf Ihrer Anfrage können wir in unserem System lückenlos nachvollziehen. Sollte Ihre Aussage zutreffen, wäre etwas schief gelaufen. Dies kann einmal vorkommen, 98% der Fälle laufen auf unserer Seite reibungslos durch. Damit wir dies prüfen können, benötigen wir lediglich die Angaben der Antragsstellenden Person.
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