Pelzdeklaration mit vielen Schlupflöchern

«Waschbär, China, Käfighaltung mit Gitterboden»: Ab März müssen alle Pelzprodukte deklariert werden, die einjährige Übergangsfrist endet. Die transparente Information soll beim Kauf eine bewusste Entscheidung ermöglichen. «Espresso»-Recherchen zeigen: Die neue Deklaration hat viele Mängel.

Ab dem 1.März müssen Verkäufer bei Pelzprodukten auf einer Etikette die Tierart angeben, woher es stammt und wie es gehalten wurde. Einige Läden haben schon in dieser Wintersaison, zumindest teilweise, ihre Produkte freiwillig deklariert. Dazu gehört das Warenhaus Jelmoli oder auch das Kleidergeschäft Modissa.

Trotz Deklaration – ungebrochenes Interesse an Pelzprodukten

Trotz der brutalen Wahrheit auf vielen Etiketten: Bei Jelmoli werden die Pelzprodukte weiterhin gut verkauft. Gemäss Sprecherin Barbara Kallenberg läuft es sogar besser als im Vorjahr: «Der Kunde kann jetzt zwar nachlesen woher das Pelzprodukt kommt, aber das hat keinen Einfluss auf das Kaufverhalten.»

Auch Modissa stellt fest, dass der Kaufentscheid der Konsumenten nicht von der Pelzdeklaration abhängt. Laut Geschäftsführer Jean Pierre Kuhn ist zwar in diesem Jahr bewusst weniger Pelz im Sortiment, aber im Verhältnis zum Vorjahr wurde nicht weniger Pelz verkauft. Wer Pelz schon immer gekauft hat, kauft auch weiterhin Pelz. Es sei aber eine grössere Sensibilität bei bereits pelzkritischen Kunden festzustellen.

Käfighaltung mit Gitterboden oder Naturboden

Auf den Etiketten stehen als Herkunftsland oft China oder auch europäische Länder wie beispielsweise Spanien. Gemäss dem Schweizer Tierschutz spielt es keine grosse Rolle, woher das Tier kommt. In China wisse man zwar von den brutalsten Methoden, wie das Tier bei lebendem Leibe gehäutet werde. Aber auch in Spanien sei der Tierschutz weit entfernt von dem, was in der Schweiz legal ist, sagt Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz: «Die ganze Käfighaltung von Wildtieren ist in der Schweiz nicht erlaubt und wäre bei weitem illegal.»

Käfighaltung mit Gitterboden sei zwar ein wenig schlimmer als Käfighaltung mit Naturboden. Doch auch die Haltung auf einem Naturboden sei nicht im Entferntesten tiergerecht, sagt Helen Sandmeier weiter: «Das Wildtier lebt auch dort in einem kleinen Käfig – einem handtuchgrossen Drahtgitterverschlag.»

Pelz tragen: Hip oder geschmacklos?

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Grosser Spielraum für die Anbieter

Eine weitere Bezeichnung auf den Etiketten sorgt für Irritation. Gemäss der neuen Pelzdeklarationspflicht dürfen Händler folgendes zur Gewinnungsart zu schreiben: «Kann aus Fallenjagd oder Jagd ohne Fallen oder aus jeder möglichen Haltungsart, insbesondere auch aus der Käfighaltung stammen.» Wie bitte?

Gemäss Regula Kennel vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ist diese Bezeichnung ausreichend: « Wenn der Anbieter keine Ahnung hat, wie das Tier gehalten wurde, muss er alle möglichen Gewinnungsarten angeben, so dass sich der Konsument ein Bild machen kann.» Der Konsument merke dann, dass der Händler unsicher sei.

Ein weiteres Schlupfloch für die Anbieter: Sie können die Herkunftsbezeichnung sehr offen lassen. Wenn einem Händler nicht klar ist, ob das Tier aus China oder Japan stammt, dann reicht die Bezeichnung «Herkunft: Asien».

Hohe Bussen für Läden

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen wird ab dem 1. März in vielen der rund 8000 Betriebe, welche Pelz verkaufen, Stichproben durchführen. Sprecherin Regula Kennel rechnet damit, dass im ersten Jahr rund zehn Prozent kontrolliert werden. Wenn sich Läden nicht an die neue Deklarationspflicht halten, dann werden Bussen in der Höhe bis zu 10‘000 Franken ausgesprochen.