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Schönfärberei statt kritischer Information
Aus Espresso vom 25.07.2014.
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Konsum Schönfärberei statt kritischer Information

Das Konsumenten-Forum hat gemeinsam mit einem Industrieverband eine neue Broschüre zu Kosmetika herausgegeben. Doch wer sich auf das kritische Auge der Konsumenten-Organisation verlässt, wird enttäuscht. Die Informationen sind teilweise falsch.

«Die dünne Haut des Babys muss mit Baby-Produkten gepflegt werden.» Dieser Satz steht so unter dem Titel Baby-Pflege. Über diese Information runzelt die Kinderärztin Heidi Zinggeler Fuhrer die Stirn: «Das suggeriert, dass man Baby-Produkte einsetzen muss, um die Gesundheit des Kleinkindes zu erhalten», kritisiert sie.

Dabei gehen die medizinischen Empfehlungen in eine ganz andere Richtung. Heidi Zinggeler Fuhrer ist Co-Präsidentin des Berufsverbandes für Kinder- und Jugend-Ärzte. Sie ruft gerade bei Kindern unter einem Jahr zur Zurückhaltung auf: «Je grösser die Menge der Inhaltsstoffe, die an die Baby-Haut gelangen, desto grösser ist die Gefahr einer allergischen Reaktion.»

Heikle Tipps zur Baby-Pflege

Logos des Konsumentenforums und des Kosmetik- und Waschmittelverbandes.
Legende: Die Zusammenarbeit der beiden Organisationen wird in der Broschüre besiegelt. skw

Bei Säuglingen empfehlen die Mediziner zum Beispiel, wenn möglich auf Shampoos und Badezusätze zu verzichten und das Gesäss beim Wickeln nur mit Wasser zu reinigen. Der Satz in der Broschüre vermittelt einen falschen Eindruck und lässt wichtige Informationen für Eltern weg.

Dabei wirkt die Broschüre vertrauenswürdig. Das Konsumenten-Forum hat diese mit dem Kosmetik- und Waschmittelverband SKW zusammengestellt und am Ende auch mit seinem Logo auf dem Titelblatt den Segen gegeben. Doch darauf können sich Kunden nicht verlassen.

Wirkung von Inhaltsstoffen beschönigt

Schlichtweg falsch ist zum Beispiel diese Aussage: «Kosmetik-Hersteller verwenden nur umfassend untersuchte Rohstoffe.» Die Rohstoffe sind wohl untersucht, aber wie umfassend, ist hoch umstritten.

Die Liste der Inhaltsstoffe, deren Langzeit-Wirkung für Mensch und Umwelt unklar ist, ist lang: Von Aluminium in Deos, über hormonaktive Substanzen wie Phtalate bis zu kleinsten Plastik-Kügelchen in Peeling-Cremes (siehe Linkbox). Kommt hinzu, dass meist unbekannt ist, wie solche Stoffe zusammenwirken, wenn sie sich anreichern – als Cocktail sozusagen.

Das Konsumenten-Forum korrigiert

«Espresso», das Konsumentenmagazin von Radio SRF1, hat Michel Rudin, den Geschäftsführer des Konsumenten-Forums mit dieser Kritik konfrontiert. Er gibt zu, dass beim Gegenlesen ein Fehler passiert ist und dass man zu wenig genau hingeschaut habe. «Wir haben sofort reagiert, die Aussagen korrigiert und in einer neuen Version ins Internet gestellt.»

Man habe nie die Absicht gehabt, falsch zu informieren, sondern versucht, den Konsumenten grundlegende Informationen auf einfache Art zur zu vermitteln. Das gelingt aber nur in unkritischen Bereichen. Es finden sich zum Beispiel anschauliche Informationen zum Herstellungsprozess von der Idee bis zum fertigen Produkt im Laden, Erklärungen über die Symbole auf den Flaschen oder Definitionen von Fach-Begriffen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bernd B. , Basel
    SRF ist natürlich völlig unfehlbar.
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  • Kommentar von thomas ingold , Zürich
    Korruption, Lobbyismus, Falschinformation bzw. Desinformation auf Produkten + Verpackungen, etc..Es hat erheblich zugenommen seit dem Computerzeitalter. Betrug + Missbrauch bzw. Täuschung. Die Schweiz ist fast schon eine Bananenrepublik. Ganz tragisch ist, dass es kaum griffigen bzw. effektiven Konsumentenschutz gibt. Die paar wenigen Leute bei SRF oder bim Konsumentenschutz wo Samaruga herkommt, können gegen die riesige Wirtschaft nicht wirklich was bewegen. Wie Don Gichotte gegen Windmühlen.
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  • Kommentar von Marianne Roe , Gwatt
    Korruption hat keine Grenzen. Wir sollten dieses Wort auch in der Schweiz anwenden. Denn Korruption ist bei uns so häufig wie in allen andern Länder z.B. Mexico, nur nennt man es nicht so. Solche Vorgehen wie hier beim Konsumenten-Forum gibt es täglich. Man macht mal die falsche Meldung so gut wie möglich und manchmal gibt es halt Kritik und manchmal nicht. Ausserdem weiss man bei diesen Organisationen, dass Kritik gute Reklame ist. Somit verdoppelt man die Wirkung für den Kunden.
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