Schweizer Kult-Jacke ist nicht zu reinigen

Eine Trench-Coat-Jacke der Schweizer Marke «Nabholz» begann ein paar Monaten nach dem Kauf zu müffeln. Die Überraschung: Weder kann man sie waschen, noch darf man sie chemisch reinigen. Die Käuferin findet: Das kann nicht sein bei einer Jacke für über 500 Franken.

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Bildlegende: Die Jacke Adge hat einen Listenpreis von 499 Euro. zvg

Im März gekauft begann die Jacke des Sohns von Dragana Brändle nach regelmässigem Gebrauch zu riechen. Kein Problem, dachte die Mutter und wollte die über 500 Franken teure Stoffjacke ein erstes Mal reinigen.

Doch das eingenähte Etikett machte sie stutzig: Weder durfte das Kleidungsstück gewaschen werden, noch durfte man es in die chemische Reinigung geben. Einzig erlaube Art der Reinigung: Die Jacke darf «mit einem feuchten Tuch abgewischt» werden.

Nabholz lehnt Verantwortung ab

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Bildlegende: Das Waschetikett. SRF

Für den stolzen Preis muss eine Jacke aus Polyester und Baumwolle doch gereinigt werden können, fand Dragana Brändle. Sie reklamierte beim Schweizer Hersteller Nabholz. Dieser war anderer Meinung: «Bewusst sollte die Jacke nicht gereinigt werden, da sie nie mehr den gleichen Look wie vorher hat», schreibt eine Mitarbeiterin des Kundendienstes an Frau Brändle.

Die Jacke könne schon in die chemische Reinigung gegeben werden. Doch die Verantwortung dafür lehnt die Firma ab. «Die Verantwortung liegt bei der chemischen Reinigung und der Kundin», schreibt Nabholz-Kundenberaterin Claudia Roos.

Gegenüber «Espresso» bestätigt dies Jerome Benz, Chef der Produkteentwicklung von Nabholz: «Grundsätzlich sind Jacken mit einem Wax-Finishing nicht zu waschen. Dies ist markenunabhängig und branchenüblich, da sonst die Funktion von Wax nicht mehr vorhanden ist. Flecken sollten mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Bei Geruch sollte die Jacke an die frische Luft gehängt werden.»

Waschanweisungen sind oft zu streng

Überraschend findet das aber auch Ralph Sontheim, Leiter der Textilprüfung des Testlabors Testex: «Dass eine Jacke weder waschbar noch chemisch gereinigt werden kann, ist schon sehr aussergewöhnlich.»

Er rät der Konsumentin, die Jacke dennoch vorsichtig per Hand zu waschen. Wohl sähe das Kleidungsstück nicht mehr genau so aus wie vorher. Ralph Sontheim beobachtet aber, dass Kleidungshersteller sogenanntes «Underlabeling» betreiben: Auf der Waschetikette werden zu strenge Waschanweisungen vermerkt, damit sich die Hersteller bei allfälligen Veränderungen des Kleidungsstücks von einer Haftung frei halten können.

Hauptsächlich im Ausland genäht

Die Marke Nabholz ist eine der ältesten Kleidermarken der Schweiz. Sie wirbt denn auch mit dem Slogan «Established 1821 in Switzerland». Die Produktion der Kleider befindet sich wie bei vielen anderen Marken schon lange nicht mehr in der Schweiz. Während der 60-er Jahren erlebte die Marke mit Trainingsanzügen einer Boom-Zeit.

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Bildlegende: Deklaration des Stoffs und Futters. SRF

1968 gingen mehrere Schweizer Teams mit Nabholz-Trainern an der Olympiade an den Start. Doch dann ging es bergab: Die Schweizer Produktion konnte mit der günstigen Fertigung in Fernost nicht mehr mithalten. In den 90er-Jahren ging die Firma ein.

Erst im Jahr 2011 liessen findige Jungunternehmer die Marke ein zweites Mal aufleben. Seit damals werden wieder Kleider mit dem Label Nabholz, das schon unsere Grossväter kannten, verkauft. Allerdings keine Sportbekleidung, sondern Alltagsmode.

Und mit dem Slogan «Established 1821 in Switzerland», obwohl die Kleider gemäss Nabholz zu «100 % in Europa» hergestellt sind.