Schweizer sind Spitzenreiter beim Eistee-Konsum

Die Schweiz gehört zu den Ländern, in denen am meisten Eistee getrunken wird. In Amerika war Eistee bereits im 19. Jahrhundert verbreitet. Doch der Durchbruch für die heutige Massenproduktion erfolgte erst vor 30 Jahren - und zwar in der Schweiz.

Die «World’s Fair» in St. Louis im Jahr 1904 - ein heisser Juni-Tag. Der Engländer Richard Blenchynden hat die undankbare Aufgabe, indischen Tee vorzustellen. Dieser ist in der Hitze wenig gefragt.

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Erst als Richard Blenchynden die Idee kommt, den Tee mit Eis herunterzukühlen, strömen die Massen herbei. Die Besucher sind derart begeistert, dass sie den Eistee von der Weltausstellung aus zunächst in ganz Amerika, und dann in der ganzen Welt bekannt machen.

Erste «Eistees» enthielten Alkohol

So geht die hübsche Geschichte, die sich in verschiedenen Chroniken findet. Ob sie sich tatsächlich genauso zugetragen hat, ist nicht gesichert. Klar ist: Bereits vorher wurde in Amerika Eistee getrunken. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es jedoch schwierig, an Eis zu kommen. Erst ab 1800 konnte Eis transportiert und gelagert werden.

Die ersten Eistees waren dann indes eine alkoholreiche Angelegenheit. So bestand zum Beispiel der 1815 kreierte «Regent’s Punch» aus den typischen Eistee-Zutaten Grüntee, Zucker, Zitronensaft und Eis. Dazu kamen jedoch auch noch Likör, Champagner, Brandy und Rum. Erst 1876 erschien in einem Kochbuch der Amerikanerin Estelle Woods Wilcox die alkoholfreie Variante: Das erste gedruckte Rezept von Eistee, wie wir ihn kennen.

Massenproduktion begann in der Schweiz

Erster Eistee-Spot im Coop Kochstudio im Jahr 1983

0:13 min, vom 24.8.2015

Mit dem Aufkommen von Kühlschränken wurde das Getränk immer populärer. Die Massenproduktion liess jedoch trotz ersten zaghaften Versuchen in den 1970er-Jahren auf sich warten. Erst 1983 kam die Sache ins Rollen – und zwar in der Schweiz. Beinahe gleichzeit lancierten Coop und Migros den Eistee im Getränkekarton. Dies gilt weltweit als die erste Massenproduktion von Eistee.

Zu Beginn war die Produktion noch etwas holprig, erklärte Entwickler Ruedi Bärlocher anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Migros-Eistees gegenüber SRF: «In der Wäscherei gaben wir den Auftrag, einen Sack zu nähen. Diesen haben wir mit Teeblättern gefüllt und an ein Seil gehängt.» So wurden zunächst pro Produktionsgang 1000 bis 1500 Liter Eistee produziert.

Heute sind es bedeutend mehr. Alleine die Produktionsfirma der Migros stellt jährlich rund 70 Millionen Liter Eistee her. Neben dem klassischen Eistee kamen immer mehr Geschmacksrichtungen wie Pfirsich, Rhabarber oder Wassermelone dazu. Sogar Eistee-Glacé und Kaugummi wurden lanciert.