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Textilindustrie: Können Billigkleider sozial sein?
Aus Espresso vom 27.04.2015.
abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
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Konsum Textilindustrie: Können Billigkleider sozial sein?

Derzeit macht der Discounter Lidl sehr aktiv Werbung mit extrem billigen Kleidern. Eine Herren-Jeans kostet beispielsweise 13 Franken, einen Kapuzen-Pulli gibt’s für 12 und ein T-Shirt für 5 Franken. Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» fragt nach, wie viel eine Näherin an so einer Jeans verdient.

Lidl wollte auf die konkrete Frage von «Espresso», wie viel eine Näherin an einer Jeans für 13 Franken verdient, keine Auskunft geben. In einer Stellungnahme schreibt die Firma: «Lidl kauft die Textilien im asiatischen Raum bei den gleichen Herstellern wie die anderen Marktteilnehmer. Wir können die Kleider aufgrund unseres effizienten Geschäftsmodells deutlich günstiger anbieten.» Weiter schreibt Lidl, man engagiere sich für mehr Nachhaltigkeit in der Produktion seiner Eigenmarken-Textilien. Und die Mitarbeiter eines ausgewählten Textilherstellers erhielten einen Bonus.

Angaben nicht überprüfbar

Was auf Papier gut töne, sei in der Realität schlecht überprüfbar, sagt Silvie Lang von der Erklärung von Bern (EvB). Innerhalb der internationalen Clean Clothes Campaign untersuchte die EvB, wie sozial sich verschiedene nationale und internationale Textilhandelsfirmen verhalten und ob sie einen sogenannten Existenzlohn und nicht nur den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen. «Lidl liegt bei dieser Bewertung im unteren Mittelfeld. Dass Lidl einen Bonus bezahlt, ist ein interessantes Projekt. Aber punktuelle Massnahmen reichen nicht, um das Problem der tiefen Löhne in der Textilbranche zu beheben.»

Regierungen halten Mindestlöhne absichtlich tief

Ein Problem seien auch die Regierungen, sagt Silvie Lang: «Sie halten die gesetzlichen Mindestlöhne absichtlich tief um konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei macht der Lohn einer Näherin nur gerade 0,5 bis 3 Prozent des Preises eines Kleidungsstücks aus.» In Bangladesch liegt der Mindestlohn laut EvB bei 50 Euro pro Monat. «Ein Lohn zum Leben müsste fünf Mal höher sein.»

Am 24. April 2013 stürzte in Bangladesch der Fabrikkomplex Rana Plaza ein. Über 1100 Menschen wurden getötet, 2400 verletzt. Durch dieses Unglück wurde immerhin die Statik und Feuersicherheit der über 1200 Fabrikgebäude überprüft und korrigiert.

Video
Viele Tote bei Gebäudeeinsturz in Bangladesch
Aus Tagesschau vom 24.04.2013.
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28 Kommentare

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  • Kommentar von Markus bach , Basel
    Wer bei Lidl einkauft und diese billigen Waren unterstützt, ist mitschuldig an dem ganzen Eldend; sei das beim Mensch, also bei billigen Textilien. Oder billiges Fleisch, um die Tierquälerei zu unterstützen. Eine "artgerechte" Tierhaltung kostet Geld. Sichere und faire Arbeitszustände kosten auch Geld. Wer also ein tshirt für 5 Franken kauft, sollte gleich mit dem nächsten Flug nach Bangladesh um dort die Klötze wieder aufzubauen!
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    1. Antwort von Martin Müller , Zug
      Guten Abend Herr Bach Das Grundproblem ist, meiner Meinung nach, dass das Geld auf der Welt und innerhalb der Gesellschaften sehr ungerecht verteilt ist. Es gibt viele Leute in der Schweiz und vorallem in Deutschland, die sich wegen ihrem geringen Einkommen schlicht und einfach nur Produkte aus Discountern kaufen können! Die allerwenigsten machen das gerne. Deshalb finde ich es wichtig eine soziale, faire Deomokratie anzustreben.
  • Kommentar von p.keller , kirchberg
    Und wie viel verdient der Bananenpflücker bei einem Verkaufspreis von ca. 1.50 pro kg? Wie viel verdient die Blumenbinderin in Kenia bei diesen Billig-Blumen beim Grossverteiler?
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  • Kommentar von Werner Christmann , Stein am Rhein
    Sorry, aber dieses Thema kann doch nur die Allerwenigsten interessieren. Da fallen ja ganze Heuschreckenschwärme in das grenznahe Ausland ein um möglichst billig einzukaufen. Da steht nicht einmal Qualität im Raume, geschweige denn "sozial hergestellt". Nur: Daran trägt nicht nur die "Geiz ist geil"-Gesellschaft bei sondern unsere verfehlte Masseneinwanderungs- und Lohndumpingpolitik.
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    1. Antwort von M. Steiner , Winterthur
      Zwischen "Leute ausbeuten, die einen Hungerlohn bekommen" und "frecher Schweizer Gewinnabschöpfung ausweichen" ist dann doch noch ein Unterschied. Zum Einkaufen braucht es immer einen eingeschalteten Kopf.
    2. Antwort von Werner Christmann , Stein am Rhein
      M.Steiner: Tönt gut. Sie müssen wohl auch die Produkte einkaufen die ihnen angeboten werden. Über die Arbeitsbedingungen der Hersteller haben sie keinen Einfluss. Einzige Ausnahme: Sie sind Selbstversorger, kaufen sich einen Webstuhl und stellen ihre Klamotten selber her. Ist das realistisch?