Versteigerungen: Das Schweigen der Hämmer

Immer mehr Ämter in der Schweiz legen den Versteigerungs-Hammer zur Seite. Versteigerungen im Gantlokal lohnen sich oft nicht mehr, das Geschäft verlagert sich ins Internet. Einige Betreibungsämter ziehen digital mit, andere reduzieren ihr Angebot massiv.

«550 Franken zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten»: Nach dem Zuschlag im St. Galler Gantamt hat der Smart einen neuen Besitzer. Es ist die letzte grosse Versteigerung in der Stadt.

Die Ganten würden nicht mehr rentieren, sagt der Leiter des St. Galler Betreibungsamtes, Bogdan Todic: «Will ein Privater einen Gegenstand verwerten, stellt er ihn heute auf Ricardo.» Über solche Online-Plattformen erreiche man ein viel grösseres Publikum zu viel geringeren Kosten.

Ämter versteigern selbst über Internet

Noch vor zehn Jahren gab es in der Stadt St. Gallen jedes Jahr 15 ganztägige Ganten. Zuletzt waren es noch sechs halbtägige Anlässe. Unter den Hammer kamen Gegenstände von Privatpersonen, Fundbüros, Staatsanwaltschaft und Betreibungsämtern.

Ab April gibt es hier nur noch kleinere Versteigerungen des Betreibungsamtes. An anderen Orten versteigern Betreibungsämter selbst übers Internet.

Die Erlöse von amtlichen Versteigerungen entwickeln sich nämlich allgemein nach unten. Das bestätigt Roger Schober von der Dachorganisation der Betreibungs- und Konkursbeamten. Umso mehr gewinne das Thema Internet-Versteigerungen an Bedeutung.

Das Betreibungsamt von Illnau-Effretikon (ZH) bietet schon seit zwei Jahren gepfändete Gegenstände wie Autos über die Auktionsplattform Ricardo an. Die Erfahrungen seien gut, sagt der Betreibungsbeamte Stefan Broger: «Der Aufwand ist klein, die Kosten sind tief. Und wir sprechen natürlich wesentlich mehr potenzielle Käufer an als mit einem Inserat in der Lokalzeitung.»

Stadt Zürich prüft amtliche Online-Plattform

Ob Betreibungsämter überhaupt via Ricardo versteigern dürfen, ist in Fachkreisen umstritten. In Illnau-Effretikon ist man der Meinung, das sei zulässig: «Wir hatten bis jetzt keine Probleme damit.»

Anders sehen das die Verantwortlichen in der Stadt Zürich: Für eine Versteigerung via Ricardo fehle die rechtliche Grundlage. Deshalb arbeitet das Betreibungsamt des Kreises 5 nun an einem Pilotprojekt, einer eigenen Versteigerungs-Plattform im Internet.

Wie sich das Projekt in der Stadt Zürich konkret durchziehen liesse, ob andere Gemeinden mitziehen und die Aufsichtsbehörden zustimmen, ist offen. Thomas Zeller, der Leiter des Betreibungsamtes, hat also noch einiges abzuklären. Trotzdem, sagt er, soll die amtliche Versteigerungs-Plattform im Herbst 2014, spätestens aber im Frühling 2015 online sein.