Viel Geld für unnötige Reparaturen

Müssen Uhren wegen eines Defekts eingeschickt werden, versuchen Hersteller von Luxusuhren ihren Kunden teure «Teilrevisionen» und «Teilauffrischungen» anzudrehen. Dafür verlangen sie ein paar hundert Franken.

Video «14.12.10: Viel Geld für unnötige Reparaturen» abspielen

14.12.10: Viel Geld für unnötige Reparaturen

5:06 min, aus Kassensturz vom 14.12.2010

Max Willi aus Ittingen BE trägt seine Breitling-Uhr seit fast acht Jahren. Sie läuft tadellos. Doch vor ein paar Monaten ging der Verschluss des Armbandes kaputt.

Eine Bagatalle, dachte er. Im Uhrengeschäft sagte man ihm, die Uhr werde eingeschickt. Er müsse sich sechs bis acht Wochen gedulden.

Kostenvoranschlag statt Reparatur

Doch Breitling reparierte den Verschluss nicht. Stattdessen erhielt Willi etwas, das er gar nie verlangt hatte – einen Kostenvoranschlag für eine Totalrevision seiner Uhr. Und als – freiwillige – Option eine Teilauffrischung des Gehäuses. Gesamtpreis: Mehr als 1500 Franken.

Willi verstand die Welt nicht mehr: «Das ist ich ein schlechter Service», sagt er, «wenn irgendwo eine Heizungsventil kaputt ist, muss man ja auch nicht die ganze Heizung revidieren.» Willi musste 40 Franken für den Kostenvoranschlag zahlen und nahm die kaputte Uhr wieder mit.

Teurer Unterhalt

Schweizer Uhrenfirmen versuchen bei jeder Bagatelle, ihren Kunden teure Revisionsarbeiten aufzudrängen. Das ärgert viele Kunden. Damit musste sich auch Manfred Hirsch herumschlagen. Der Uhrmacher führte jahrzehntelang ein Uhrengeschäft. Sobald er die Uhr eines Kunden einschicken musste, schlugen die Hersteller teure Arbeiten vor – selbst wenn es nur um einen Batteriewechsel ging.

«Bleibt die Uhr stehen, kann der Kunde nichts anderes machen, als die Uhr einzuschicken oder zum Uhrenmacher zu bringen», sagt Hirsch. «Und wenn man sie einschickt, dann ist es häufig so, dass nicht nur die Batterie gewechselt, sondern gleich eine komplette Revision offeriert wird.»

Breitiling: Revision nach 6 Jahren nötig

Erst als sich der Kassensturz einschaltet, ist Breitling bereit, den Verschluss auch ohne Totalrevision zu reparieren. Es habe ein Missverständnis mit Willis Uhrengeschäft gegeben.

Doch Breitling schreibt auch: Es sei selbstverständlich, dass selbst eine funktionierende Uhr alle 4 bis 6 Jahre eine Gesamterneuerung benötige. Im Internet erklärt Breitling, weshalb: Dichtungen müssten ersetzt werden, abgenutzte Einzelteile würden herausgenommen, kontrolliert und gereinigt. Die Kosten beliefen sich je nach Uhr zwischen 400 und 1000 Franken.

Revision für 1000 Franken

Eine Kassensturz-Umfrage zeigt, dass die meisten Luxusuhren-Hersteller alle paar Jahre Wartungen und Totalrevisionen vorschreiben, die den Besitzer teuer zu stehen kommen. Die Uhrenfirmen verlangen dafür von 200 bis über 1000 Franken.

Max Willi hat Glück. Manfred Hirsch, der ehemalige Uhrmacher im Dorf, kann ihm helfen. Das kleine Federchen im Verschluss ersetzt der Uhrmacher innert weniger Minuten – für 30 Franken.