Vignette geschenkt? Schön wär’s!

Die «Schweizer Illustrierte» lockte kürzlich mit einem vermeintlichen Geschenk: Sie erweckte den Eindruck, als sei eine Autobahn-Vignette in der Ausgabe drin. Allerdings: Wer diese wollte, musste für 199 Franken ein Jahresabo abschliessen. Dies sei unlauter, sagt ein Rechtsexperte im «Espresso».

Vergangene Woche lag der «Schweizer Illustrierten» ein dünner Werbekarton bei, ein sogenannter Heftstopper. Dieser ragte oben aus dem Heft und versprach: «Ihr Geschenk! Autobahn-Vignette im Wert von Fr. 40!» Auf den ersten Blick hätte man meinen können, die Autobahn-Vignette liege dem eingeschweissten Heft bei.

Werbe-Einlage in der Schweizer Illustrierten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beim genaueren Hinsehen wird klar: Die Vignette gibt es nicht umsonst. SRF

«Hochgradig unlauter»

Was man erst erfuhr, wenn man die Plastikfolie entfernte und das Heft aufklappte: Die Autobahn-Vignette bekommt nur, wer ein Jahresabonnement für 199 Franken abschliesst. Für Ueli Grüter, Wirtschaftsrechts-Experte der Hochschule Luzern, ist der Fall klar: «Das ist hochgradig unlauter.» Das Gesetz verbiete es Unternehmen, falsche oder irreführende Angaben über ihre Produkte zu machen. Genau das sei in diesem Fall aber passiert: «Die Aufschrift ‹Ihr Geschenk!› vermittelt den Eindruck, dass eine Vignette zum Heft gehöre.»

Beim Ringier-Verlag, zu welchem die «Schweizer Illustrierte» gehört, gibt man zu, dass das Geschenk-Versprechen unglücklich war. Sprecher Edi Estermann sagt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1: «Der besagten Ausgabe der ‹Schweizer Illustrierten› lagen noch zwei weitere Hefte bei. Die drei Hefte waren zusammengeschweisst. Daher konnte man den ganzen Heftstopper erst nach dem Kauf lesen.» Dies habe man nicht bedacht.

Ringier appelliert an gesunden Menschenverstand

Man entschuldige sich, wenn sich durch die Aktion jemand getäuscht gefühlt habe, sagt Ringier-Sprecher Edi Estermann weiter. «Grundsätzlich versteht es sich aber von selbst, dass man nicht davon ausgehen kann, dass man beim Kauf eines Hefts für 4.90 Franken eine Autobahn-Vignette im Wert von 40 Franken dazu bekommt.»

Wirtschaftsrechts-Experte Ueli Grüter findet, damit mache es sich Ringier zu einfach: Unlauter sei bereits das Erwecken des Eindrucks, es gebe ein Geschenk. «Die ‹Schweizer Illustrierte› ist eine Zeitschrift, die auf Kioskverkäufe angewiesen ist. Und am Kiosk überlegt der Kunde nicht lange hin und her, sondern greift relativ schnell zu.»