Vor Euro-Sturz gekauft: Diese Automarken geben rückwirkend Rabatt

Wer jetzt Ferien bucht oder ein Auto kauft, dem winken Euro-Rabatte. Pech, wer vor dem Euro-Kurssturz zugeschlagen hat. Doch was ist, wenn Kunden nur bestellt oder gebucht, aber noch nicht bezahlt haben? «Kassensturz» sagt, welche Reisebüros und Autohändler auch nachträglich Rabatt gewähren.

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Euro-Preissturz: Wo auch Früh-Käufer Rabatt bekommen

6:52 min, aus Kassensturz vom 10.2.2015

«Euro-Rabatt» ist das derzeit wohl meist verwendete Werbeschlagwort. Was aber, wenn die Dienstleistung oder das Produkt kurz vor dem Kurssturz Mitte Januar gekauft und noch nicht geliefert oder bezogen wurde?

Fall 1: Die Ferien-Frühbucher-Falle

«Kassensturz»-Zuschauer Hedi und Hansjörg Kaufmann haben ihre Fluss-Schifffahrt bereits letzten September gebucht, kurz nachdem sie den Katalog des Reisebüros Thurgau Travel zugestellt bekommen haben. Im April legt das Schiff im portugiesischen Porto ab. «Wir haben früh gebucht, damit sich die ganze Familie organisieren kann», erklärt Hedi Kaufmann.

Nach der Zahlung, welche bei Vertragsunterzeichnung fällig war, steht nun der Restbetrag von 5200 Franken aus. Da sie ihre Reise nach Portugal führt, fragt sich das Ehepaar Kaufmann, ob sie auch von dem Euro-Kurssturz von Mitte Januar profitieren würden.

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Tipp: Stornieren, neu buchen

Reise stornieren, Stornierungs-Gebühr zahlen, Reise neu buchen: Diesen Tipp schlagen unter anderem Kuoni und Tui Suisse als Möglichkeit vor. Beispiel: Beträgt die Stornierungs-Pauschale 200 Franken, lohnt sich das Neubuchen ab einem Reisebetrag von 2000 Franken. Allerdings muss der Kunde vorher prüfen, ob das Reiseziel noch buchbar ist.

Kein rückwirkender Rabatt bei Reisen

Das rüstige Rentnerehepaar fragt bei seinem Reisebüro nach. Die Antwort von Thurgau Travel kommt rasch und ist eindeutig. Thurgau Travel habe den grössten Teil des 2015 benötigten Eurobedarfs vor längerer Zeit eingekauft bzw. abgesichert.

«Da wir den Euro noch zum alten Kurs eingekauft hatten, müssen wir weiterhin mit diesem rechnen», heisst es im Schreiben. Auf Anfrage von «Kassensturz» erklärt Hans Kaufmann zudem, dass er die Verträge jeweils ein bis eineinhalb Jahre im Voraus abschliesse. Ein Rabatt sei nicht möglich.

Nebst den Verträgen, die so weit im Voraus geschlossen wurden, würde ein grosser Teil der Kosten nicht in Euro, sondern in Schweizer Franken anfallen. Der Reisebüro-Chef nennt beispielsweise Flugtickets, Miete der Ladenlokalität und Löhne seiner Angestellten in der Schweiz.

Damit bringt der Inhaber von Thurgau Travel die Argumente auf, die die grössten Reiseanbieter der Schweiz auch nennen. Eine «Kassensturz»-Umfrage zeigt, dass die Reisebranche grundsätzlich kein rückwirkender Preisnachlass gewährt (siehe Tabelle unten).

Fall 2 Auto: Rabatte auch rückwirkend

Seit dem Kurs-Einbruch des Euro übertrumpfen sich auch die Schweizer Autohändler mit Sonder-Rabatten. Doch viele haben im alten Jahr das Auto bestellt und warten jetzt noch auf die Auslieferung.

«Wenn erst Ende Februar Geld bezahlt wird, dann kommt der Wechselkurs zum tragen, der ja in der Zwischenzeit gefallen ist», sagt Peter Hug. Er hat im Dezember einen Seat Leon für über 50'000 Franken bestellt. Hug hat Glück. Seat gewährt auch nachträglich allen Käufern, deren Auto noch nicht ausgeliefert ist, einen Rabatt von 15 Prozent auf den Kaufpreis.

«Kassensturz» fragt bei den grossen Auto-Importeuren nach, welche Sonderrabatte Kunden bei einer Fahrzeugbestellung vor dem 15. Januar durch den aktuell tieferen Eurokurs erhalten:

  • VW, Audi, Seat, Skoda oder Porsche (Importeurin: AMAG), geben auch bei Bestellungen vor dem 15. Januar zusätzlich 15% auf alle Modelle.
  • Seat bietet seinen Kunden im Moment 15% Sonderrabatt auf alle Modelle.
  • Fiat gewährt bei Bestellungen vor der Euro-Aktion 17% auf den Kaufpreis.
  • BMW verweist auf die einzelnen Händler. Die Stichprobe bei der Titan AG in Zürich zeigt: 16% Währungsrabatt auch auf Bestellungen vor dem 15. Januar.
  • Mercedes will sich bei Bestellungen vor dem 15. Januar nicht auf einen konkreten Rabatt festlegen. Man werde sich aber individuell kulant verhalten. Bei Neubestellungen gilt bis auf Widerruf ein Eurorabatt von 18%, der allerdings nicht mit anderen Rabatten kumulierbar ist.
  • Peugeot gab Kunden, die vor der Aufwertung des Frankens bestellt haben, bis Ende Januar einen Nachlass von 700 Franken. Auch für Auslieferungen bis Ende Februar gebe es Spielraum für einen Rabatt. Dieser sei aber von Händler zu Händler verschieden.
  • Ford gibt für Bestellungen vor dem 15. Januar eine zusätzliche Prämie von 1500-4000 Franken, abhängig von der Grösse des Fahrzeugs.
  • Renault meldet, dass bei Fahrzeugen, die vor dem 15. Januar importiert wurden, gar kein Währungsvorteil weitergegeben werden könne.
  • Jaguar und Land Rover schreiben «Kassensturz», dass bei Bestellungen im Dezember und der Fahrzeugproduktion im Januar eine Prämie zur Anwendung komme, je nach Modell bis 15%.
  • Toyota gibt je nach Modell 2000-7000 Franken Rabatt, auch bei Modellen, die in Japan produziert wurden und der Euro somit gar keine Rolle spielt. Dies auch bei Bestellungen vor dem 15. Januar.
  • Subaru vergütet bei Bestellungen vor dem 15. Januar zwischen 2000 und 8000 Franken Euro-Prämie, je nach Modell. Dies, obschon die Handelswährung weder Euro noch Dollar seien.
  • Opel nennt keine konkreten Zahlen. Man vergüte je nach Modell eine variable Prämie.
  • Kia schreibt «Kassensturz», der Rabatt auf Bestellungen vor dem 15. Januar entspreche vollumfänglich der Währungskorrektur.
  • Suzuki differenziert nicht zwischen Euro-Bonus und sonstigen Rabatten wie kostenlose Ausstattung. Insgesamt seien Kundenvorteile bis 6120 Franken möglich.
  • Mitsubishi gibt bei allen Fahrzeug-Immatrikulationen im Januar und Februar einen Bonus von bis zu 15% oder 6000 Franken, je nach Modell, unabhängig davon, wann das Auto bestellt wurde.

Auf jeden Fall gilt: Es lohnt sich nachzufragen und allenfalls zu verhandeln. Und je nach Kaufvertrag lohnt sich eventuell eine Kündigung des Vertrags und die Aushandlung eines neuen Vertrags.

Rückwirkender Rabatt bei Reisebüros

AnbieterRückwirk. RabattBegründung
Aldi Suisse ToursneinAldi Suisse Tours trägt Wechselkurs-Risiko auf beide Seiten.
Boa LinguaneinBoa Lingua rechnet mit tagesaktuellem Wechselkurs bei Rechnungsstellung oder lässt Kunde in Fremdwährung bezahlen.
Globus ReisenneinGlobus Reisen rechnet mit tagesaktuellem Wechselkurs bei Rechnungsstellung u.a. weil die Leistungsträger bereits bei Buchung bezahlt werden müssen.
HotelplanneinHotelplan rechnet mit tagesaktuellem Wechselkurs bei Rechnungsstellung u.a. weil die Leistungsträger bereits bei Buchung bezahlt werden müssen.
KuonineinBei Kuoni gilt grundsätzlich der Preis bei Kauf des Produktes.
Lidl Reisenim Einzel- fallPrinzipiell gilt der Preis des Vertrags-Abschlusses. Ergibt sich bei Einzelfällen ein Kursvorteil für Lidl, wird dieser dem Kunden weitergegeben.
Migros ReisenneinMigros Reisen rechnet mit tagesaktuellem Wechselkurs bei Rechnungs-Stellung u.a. weil die Leistungs-Träger bereits bei Buchung bezahlt werden müssen.
Thurgau TravelneinThurgau Travel macht Vertrags-Unterzeichnungen, Reservationen und Kalkulationen bis zu 1.5 Jahre im Voraus und zahlt dann einen grossen Teil bereits bei Vertrags-Unterzeichnung. Zusätzlich fiele nicht der gesamte Betrag in der Fremdwährung, sondern in Franken an.
Tui Suisseim Einzel- fallGenerelle Regel ist nicht möglich, da tagesaktueller Preis bei Vertragsabschluss verrechnet wird. Frühbucher- und Kinder-Rabatte müssen in die Kalkulation miteinbezogen werden. Nicht der ganze Reise-Betrag fällt in Euro an.
Vögele ReisenneinVögele Reisen kauft Angebote bis 18 Monate im Voraus ein und bezahlt Anzahlungen zu diesem Zeitpunkt. Euro-Anteil der Reisekosten beträgt 40-50 Prozent, der Rest in Schweizer Franken. Sehr knappe Nettogewinn-Marge.