Zum Inhalt springen

Header

Video
12.03.13: So verhindert man hohe Handwerkerrechnungen
Aus Kassensturz vom 12.03.2013.
abspielen
Inhalt

Konsum Wenn Handwerker zu viel berechnen

«Kassensturz»-Zuschauerin Jeannette Roth erlebt eine böse Überraschung: Zwei Schreiner brauchen für die Montage eines kleinen Schrankes 5 Stunden. «Kassensturz» sagt, wie man sich vor ungerechtfertigten Handwerkerrechnungen schützen kann.

Ein  zweitüriges Möbel aus Kiefernholz mit 4 Schubladen: So sieht er aus, der neue Schrank von Jeannette Roth. Sein Innenleben aber ist offenbar hoch komplex. Nur so lässt sich wohl erklären, warum zwei angeblich ausgebildete Schreiner für seinen Zusammenbau 5 Stunden Zeit benötigten.

Schrank
Legende: Der Schrank enthält mehrere Fächer. zvg

Und dafür satte 981.05 Franken in Rechnung stellen: «Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Rechnung der Schreiner erhalten habe», empört sich «Kassensturz»-Zuschauerin Jeannette Roth.

«Für den Schrank habe ich 499 Franken bezahlt. Da kann es doch nicht sein, dass allein der Zusammenbau des Möbels doppelt so viel kostet!»

Vorsicht bei Arbeitsprotokollen

Die Rechnung stammt von der Firma Matti mit Sitz in Oetwil an der Limmat und einem Nebenbüro in Rheinfelden. Die Firma bietet handwerkliche Hilfe bei Notfällen aller Art an, auch Schreinerarbeiten.

«Eigentlich wollte ich den Schrank ja selber zusammenbauen», erklärt Jeannette Roth. Beim Auspacken der Einzelteile wurde ihr aber schnell klar, dass sie nicht über das nötige Werkzeug verfügte.

Deshalb suchte sie in den Gelben Seiten nach fachmännischer Hilfe, und nahm zu verschiedenen Schreiner-Firmen in ihrer Region Kontakt auf, darunter auch die Firma Matti.

Dieser habe ihr ohne Auftragsbestätigung und ohne Kostenvoranschlag zwei seiner Mitarbeiter vorbeigeschickt, erklärt Jeannette Roth und betont: «Die machten auf mich von Anfang an einen überforderten Eindruck. Zudem nötigten sie mich nach 5 Stunden, das Arbeitsprotokoll zu unterschreiben. Sie sagten, ohne Unterschrift würden sie meine Wohnung nicht verlassen».

Entscheid liegt beim Kunden

Laut «Kassensturz»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner ist das Vorgehen der Firma Matti nicht korrekt: Eine seriöse Firma nehme keinen Auftrag an ohne der Kundin zuvor einen Kostenvoranschlag unterbreitet zu haben.

Und: «Mich erstaunt auch, dass die Handwerker nicht schnell erkannt haben, dass der Zusammenbau etwas länger dauern wird. Profis müssten das erkennen können, und sie sind verpflichtet, die Kundin zu informieren», sagt die Juristin. Die Kundin habe das Recht darüber zu entscheiden, ob sie den Auftrag unter diesen Bedingungen abbrechen will oder nicht.

Unter gar keinen Umständen dürfe aber das Arbeitsprotokoll unterschrieben werden, wenn man mit der geleisteten Arbeit nicht einverstanden ist, betont die «Kassensturz»-Rechtsexpertin.

Sie stellt aber gleichzeitig klar: «Das Arbeitsprotokoll beweist nur, dass die Handwerker 5 Stunden gearbeitet haben. Es macht aber keine Aussage darüber, ob diese 5 Stunden auch gerechtfertigt waren.»

«Kassensturz» will es genauer wissen, und lässt bei der Firma Mikado Möbel den Schrank vor laufender Kamera zusammenbauen – Jeannette Roth hatte den Schrank bei der auf Online-Möbelverkauf spezialisierten Firma gekauft.

Fazit: Die Inhaberin der Firma und ein Mitarbeiter benötigen für den Zusammenbau gerade mal  knapp zwei Stunden.

«Natürlich sind wir ein eingespieltes Team, und kennen den Schrank», sagt Ruth Bertschy, Inhaberin von Mikado-Möbel. Zwei ausgebildete Schreiner sollten es aber auch  in maximal 3 Stunden hinkriegen, ist sie überzeugt.

Branchenverbände bieten Vermittlung an

Werner Matti wollte auf Anfrage von «Kassensturz» zum vorliegenden Fall keine Stellung nehmen. Allerdings schrieb er wenige Tage nach der Intervention von «Kassensturz» der Kundin einen Brief, in dem er auf den gesamten Rechnungsbetrag verzichtet.

Es seien bei der Rechnung fälschlicherweise 10 anstatt 5 Stunden Arbeit des Schreiners und eines Praktikanten verrechnet worden. Und weiter heisst es im Brief: «…wobei die Arbeit des Praktikanten fälschlicherweise vollumfänglich eingerechnet wurde.»

Auch ohne dieses Entschuldigungs-Schreiben hätte Frau Roth den vollen Rechnungsbetrag nicht überweisen müssen, stellt, «Kassensturz»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner klar: «Kunden in einer solchen Situation haben zwei Möglichkeiten: Sie können dem Handwerker einen Teilbetrag überweisen, einen Betrag also, den sie für angemessen halten für die geleistete Arbeit, und den Schreiner schriftlich darüber informieren.»

Dann sei es Sache des Handwerkers zu entscheiden, ob er für den restlichen Betrag vor Gericht gehen wolle. Allerdings müsste er dann dem Richter beweisen können, dass der geleistete Aufwand gerechtfertigt ist.

Die andere Möglichkeit: Frau Roth kann den Branchenverband angehen, und diesen bitten, zwischen ihr und dem Schreiner zu vermitteln. «Wenn einen Branchenverband solchen Dienst anbietet, führt das sicher zu einer guten Lösung.»

Merk-Liste

Box aufklappen Box zuklappen

Tipps, wie bei der Auftrags-Vergabe an Handwerker überhöhte Rechnungen zu verhindern sind in der «Kassensturz»-Merk-Liste.

Kostenvorschläge: Verbindlich

Box aufklappen Box zuklappen

Überschreitet ein Handwerker einen Kostenvoranschlag, muss der Kunde nur in Ausnahmefällen mehr bezahlen. Dann, wenn solche Überschreitungen ausdrücklich vorbehalten sind oder wenn es sich nur um einen ungefähr berechneten Kostenvoranschlag handelt. In diesem Fall muss ein Kunde je nach Branche maximal 10 bis 15% mehr bezahlen.

Ansätze für Lehrlinge

Box aufklappen Box zuklappen

Ein Handwerker darf für Praktikanten und Lehrlinge nicht den gleichen Stundenansatz verlangen, wie für ausgebildete Angestellte. Wie viel genau verrechnet werden kann, hängt vom Ausbildungsstand ab. Die Branchenverbände geben Auskunft, welche Ansätze sie für angemessen halten.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Freddy Müster , Zelg
    Leider muss ich diesem Werner Matti mehrmals anrufen. Es kränkt mich, dass ich mich so nett, und höflich verhalten muss, damit er nicht direkt am Telefon schon ausflippt. Dieser Mensch hat ein echtes Problem. Ich weiss leider nicht genau welches, jedoch merkt man es sehr stark. Arbeite bei einem Holzhändler von ihm, und wir haben nur Probleme. Masse die nicht stimmen, und er dann behauptet es sei unsere Schuld, dabei haben wir sogar Pläne von ihm... Fäkalsprache am Telefon ist Gang und Gäbe.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Kunde anonym , Bremgarten
    Matti sollte sich wirklich schämen, die Leute so über den Tisch zu ziehen. Genau die selbe Masche hat er bei uns auch abgezogen. Das ist Betrug. Und wir gehen jetzt gerichtlich vor.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Roland Heim , Winterthur
    Dieser Herr Matti arbeitet schon seit über 20 Jahren mit dieser Masche und verdient sich dumm und dämlich! Er hat auch bei uns 2 pensionierte und schlecht bezahlte Mitarbeiter geschickt, welche unser Gartenhäuschen neu gestrichen haben. Auch wir mussten unter Druck den Rapport unterzeichnen, da stand nicht mal der Preis drauf. Danach erhielten wir eine Rechnung über Fr. 4'000.00. Dieser Matti rief auch nachts an und drohte uns, er wüsste ja wo wir wohnen, wenn wir das Geld nicht zahlen!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten