Zum Inhalt springen
Inhalt

Konsum Wie Behörden auf den Pferdefleisch-Skandal reagieren

Der Pferdefleisch-Skandal in England hat die Schweiz erreicht: Auch in einer Lasagne von Coop wurden Anteile von Pferdefleisch gefunden. Der Leiter der Lebensmittelsicherheit im Bundesamt für Gesundheit und der oberste Kantonschemiker nehmen Stellung.

Lasagne
Legende: PD

«Espresso»: Wie reagieren sie auf die Meldung, dass in Coop-Lasagne Pferdefleisch drin ist?

Micheal Beer, Leiter der Lebensmittel-Sicherheit im Bundesamt für Gesundheit BAG: «Das ist sicher keine gute Meldung. Das ist nicht gut, dass solche Produkte auf dem Schweizer Markt sind. Aber es ist aber nicht so überraschend. Die Schweiz ist keine Insel. Wir haben zusammen mit den Kantonen und den Herstellern die Überwachung intensiviert. Darum ist es nicht überraschend, dass auch hier Pferdefleisch zu finden wart. Jetzt gilt es abzuklären, ob noch weitere Produkte betroffen sind, um diese so schnell wie möglich vom Markt zu nehmen.»

Warum haben sie am Dienstag noch gesagt, dass in der Schweiz kein Problem besteht?

Michael Beer
Legende: Michael Beer. SRF (Archiv)

Beer: «Wir haben die Informationen ausgewertet, die wir hatten. Über Schnellwarnsysteme war zu sehen, dass keine grösseren Mengen in die Schweiz geliefert wurden auf bekannten Wegen. Anscheinend gibt es noch andere Wege. Das zeigt: Das Schweizer System funktioniert. Wir werden das zurück nach Europa melden, dass es da noch andere Wege gibt. Wir müssen das noch genau abklären. Diese Aufarbeitung ist extrem wichtig jetzt.»

War die Entwarnung nicht voreilig?

Beer: «Es war keine Entwarnung. Nach dem aktuellen Stand ist die Schweiz nicht betroffen. Ein Produkt wurde vorsorglich aus dem Markt gezogen, das betroffen war. Die Resultate der kantonalen Vollzugsstellen sind enorm wichtig, um herauszufinden, ob es noch andere Wege gibt. Dann sollen die notwendigen Massnahmen ergriffen werden.»

Die Verunsicherung bei den Konsumenten ist gross. Können sie noch vertrauen, dass in einem Produkt drin ist, was drauf steht?

Beer: «Die Erwartung des Konsumenten ist gerechtfertigt. Er muss das erwarten können. Darum treiben wir und die Hersteller einen grossen Aufwand. Es kann immer Fehler geben. Dies war einer. Ob es Betrug war oder ein Fehler, werden die Messungen zeigen. Das Kontrollsystem zeigt: Wir hatten von Europa die Informationen. Wir haben diese verwertet. Der Handel misst selber und auch die kantonalen Vollzugsstellen. Das heisst: Ja, der Konsument kann sicher sein, dass das Bestmögliche getan wird, um die Fälle aufzudecken und um die Produkte vom Markt zu nehmen.»

Es war ein Zufall, dass Pferdefleisch gefunden wurde. Ist der Konsument schutzlos ausgeliefert, wenn ein Fehler passiert?

Beer: «Schutzlos nicht. Das ist gerade die grosse Herausforderung, dort zu messen, wo ein Risiko sein kann. Die Frage «Ist drin, was drauf steht?» wird von den Kantonslabors regelmässig gemessen. Bis jetzt gab es keine grösseren Probleme. Nun gab es einen schlechten Fall. Darum werden die Produkte aus dem Handel zurückgezogen. Genau das ist wichtig: Ein Sicherheitssystem zu haben, dass dort misst, wo die Fehler auftreten könnten. Der Konsument will jenes Produkt haben, das er erwartet. 100% Garantie gibt es nie.»

Gibt es jetzt Konsequenzen beim BAG?

Beer: «Wichtig ist, dass die Proben genommen werden. Dass die kantonalen Stellen mit den Herstellern in Kontakt bleiben, um zu überprüfen, wie diese ihre Selbstverantwortung wahrnehmen. Massnahmen um das System zu ändern braucht es nicht. Das System greift.

Aber es ist wichtig, zu sehen, wo angesetzt werden muss, damit etwas früher festgestellt wird, bevor es den Konsumenten erreicht. Mit der aktuellen Datenlage kann man noch nicht sagen, ob man etwas anders machen muss.»

Gleicher Lieferant wie in England

Den obersten Kantonschemiker, Otmar Deflorin, erstaunt den Fund in der Coop-Lasagne. Der Grossverteiler habe zuvor noch erklärt, dass keine der kontaminierten Produkte in die Schweiz geliefert wurden.

Da es aber der gleiche Lieferant gewesen sei, der auch nach England geliefert habe, erstaune der Pferdefleisch-Anteil andererseits auch nicht.

Interview

Interview

Der Vorsteher der Kantons-Chemiker, Otmar Deflorin, über  Lebensmittel-Kontrollen in der Schweiz.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Kee Una, Zürich
    Ein ganz klarer Vorwurf an die Gesetztgebung! Die USA mag politisch in der Diskussion stehen - im Falle der Deklaration sind die Gesetze viel schärfer und Verstösse werden mit horrenden Bussen bestraft. Bei Aromen müssen alle chemischen Namen genannt werden - in der Schweiz steht: Aroma. Bei Fleisch muss Herkunft, Schlachtdatum und Farm nachverfolgt werden können. Die schweizer Gesetztgebung ist hier wohl zu blauäugig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich habe auch gerne Pferdefleisch, esse aber sehr, sehr selten überhaupt Fleisch. Was ich aber aus diesem Fall ganz sicher lerne und hoffe, dass auch andere daraus lernen ist, dass ich ab heute noch mehr auf das Erzeugerland und Herkunft der Waren schauen werde. für unsere Bauern, die ja Schweizerlebensmittel-Hersteller sind, ist dieser Fall sicher eine Stärkung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Rickenbacher Margrith, 4460 Gelterkinden
    Was soll eigentlich schlecht sein an Pferdefleisch? Nichts, ausser gefälschte Deklaration! Statt Preisdruck im Handel+grauenhafte Zustände für die gemarterten Tiere zu thematisieren, wird von den Medien ein Riesentheater losgetreten. Tierhaltung im Ausland, mehrere Tage dauernde qualvolle Transporte bis zum Tod, vollzogen von unausgebildeten Schlächtern, das soll allen bewusst werden. Das Tier ist kein Produkt sondern ein empfindsames Wesen. Statt Rassendiskriminierung stoppt den Frleischkon...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Rosemarie Imhof, 4123 Allschwil
      Die Bilder der grauenhaften Pferde-Quallager gehen mir nicht aus dem Kopf. Wie ist es Menschen möglich, so mit Lebewesen umzugehen? Offensichtlich gibt es Leute, die damit viel Geld verdienen. Ich wünsche mir, dass genau hingeschaut und endlich wirksam kontrolliert wird. Verantwortliche müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Das muss aufhören, sofort! Daneben sind unsere kleinen Enttäuschungen wegen fehlender Deklaration eigentlich 'Peanuts', Empfindlichkeiten auf Luxus-Niveau....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen