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Konsum Wie schwer ist ein Kilo?

Die Antwort ist leicht: 1000 Gramm. Oder? Weil das Ur-Kilogramm in Paris an Gewicht verliert, soll es ersetzt werden. Bei der Suche nach einer neuen Gewichtsdefinition mischt jetzt auch die Schweiz mit.

Legende: Audio Wie schwer ist ein Kilo? abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
03:31 min, aus Espresso vom 10.12.2014.

Es ist vermutlich eines der bestbewachten Metallstücke der Welt. Ein Zylinder so gross wie eine Faust aus Platin-Iridium, ein sehr dichtes Material. Das Urkilo ist unter drei Glasglocken hermetisch verriegelt und lagert in einem Tresor in Paris. Nur drei Personen haben einen Schlüssel zu diesem Tresor, öffnen können ihn nur alle zusammen.

Genau dieses Urkilo ist daran schuld, dass ein Kilo Stangensellerie eben genau ein Kilo wiegt, und zwar überall auf der Welt. Das war nicht immer so, erzählt Jürg Niederhauser vom Eidgenössischen Institut für Metrologie Metas: «Vor 200 Jahren galten noch verschiedenste Masse. Es gab zum Beispiel das Aargauer oder das Berner Pfund, welche zwischen 480 und 520 Gramm schwankten.» Diese Tatsache habe natürlich den Handel mit weiter entfernten Gegenden erschwert.

Das Urkilo verliert Gewicht

Deshalb wurde 1889 das Urkilo erfunden, welches ein für alle Mal festlegen sollte, wie schwer ein Kilo ist. Zur Sicherheit wurden Kopien davon überall auf der Welt verteilt. Doch Wissenschaftler stellten mit der Zeit fest: Diese Zylinder werden immer leichter. Der Verlust ist minim – nur gerade ein 50-Millionstel Gramm. Warum das Urkilo Gewicht verliert, weiss aber niemand.

Maschinen in einem Labor.
Legende: Die Wattwage soll das Kilogramm neu definieren. Metas

Das geht so nicht, sagt Philippe Richard, der stellvertretende Direktor von Metas: «Wir wissen nicht, wie stabil das Urkilogramm ist, ob es schwerer oder leichter wird.» Deshalb soll es neu definiert werden. Verantwortlich dafür ist das Internationale Komitee für Mass und Gewicht mit Sitz in Paris. Und Philippe Richard hat die ehrenvolle Aufgabe, die Schweiz zum ersten Mal bei der Definition des Kilos zu vertreten. Das Komitee will das Urkilo in Paris ersetzen durch eine physikalische Grösse, welche mathematisch ganz genau berechnet werden kann.

Am Institut für Metrologie ist man stolz, dass die Schweiz jetzt noch mehr Gewicht hat, wenn es um Kilos geht. Wie schwer genau das neue Kilo sein wird, steht noch in den Sternen. Eins ist jedoch klar: Einen Einfluss auf unseren Konsum wird es nicht haben. Ein Kilo Stangensellerie wird ein Kilo Stangensellerie bleiben.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Abu Abdallah as-Salafi, 8057 Zürich
    "Das Komitee will das Urkilo in Paris ersetzen durch eine physikalische Grösse, welche mathematisch ganz genau berechnet werden kann." So viel ich weiss, soll eine Definition über die Planck'sche Konstante erfolgen und die ist nicht beliebig genau messbar und schon gar nicht mathematisch. Steht sogar beim Bund: "Ein komplexes, zweiteiliges Experiment macht es möglich, das Kilogramm über elektrische Einheiten mit einer Naturkonstante, der Planckschen Konstante, in Beziehung zu setzen."
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  • Kommentar von Fabian Auchter, Zürich
    Frage. Wenn das Urkilo an Masse bzw. Gewicht verliert an welcher Referenzgrösse wird denn dieser Verlust festgestellt? Wenn das Urkilo das Urkilo ist, dann verliert es niemals an Gewicht sondern die Waagen gehen falsch!
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  • Kommentar von Peter Müller, Baar
    Liebe SRF Wissensredaktion Bitte schreiben Sie genauer und prägen Sie keine falschen Bilder, welche wir Physiker wieder korrigieren müssen: Gewicht ist nicht Masse. Gewicht ist eine Kraft. Die fühlen (oder messen) wir nur, da die Erde die Masse (das Urkilogramm) anzieht. Das Urkilogramm hat aufgrund der Grösse und Rotation der Erde am Äquator ein anderes Gewicht als an den Polen. Im Vergleich zum Mond wird dies noch krasser. Die Gewichtskraft ist Ortsabhängig, die Masse nicht.
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    1. Antwort von Stefan Hasler, Menden (Deutschland)
      Dann wäre meine Theorie, dass wenn sich die Erdrotation verändern würde, nicht falsch ist, weil dadurch die Erdanziehung sich ja verändert da die Gravitation ja das schwereempfinden beeinflusst, bzw. das messbare Gewicht auch sichtbar anders ist als wenn die Erde sich schneller drehen würde.
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    2. Antwort von Peter Müller, Baar
      @ Stefan Ja, aber auch Nein. Die scheinbare Masse würde ändern (wie der Auftrieb für Körper in einer Flüssigkeit), die Masse selber aber bliebe trotzdem die selbe. Ein Experiment beruhend auf Zeitmessung einer Federpendelschwingungen oder mit einer Waage würde dadurch beeinflusst werden, da haben Sie recht. Ein Bescheunigungsexperiment (horizontal, ohne Reibung) mit einer definierten Kraft hingegen nicht. Ich denke, daran hat man schon gedacht.
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