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Multimedia Alte DAB-Radios in neuen Autos

Ein neues Auto sollte technisch auf dem neusten Stand sein. Bei zahlreichen DAB-Autoradios ist dies aber nicht der Fall. «Espresso» zeigt: VW und Lexus installierten ihren Kunden noch letztes Jahr teure Radios, die jetzt nicht mehr brauchbar sind.

Autoradio
Legende: In viele Neuwagen wurden veraltete Radios eingebaut Colourbox

Peter Pauli kaufte im März 2012 einen neuen Lexus für 53 000 Franken. Weil er ein grosser Digitalradio-Fan ist, liess er für knapp 600 Franken zusätzlich ein DAB-Radio einbauen. Doch der Hörgenuss dauerte gerade einmal 6 Monate. Denn im Oktober 2012 wurde DAB auf DAB+ umgestellt. «Seit diesem Tag kann ich mein DAB-Radio nicht mehr brauchen. Man hat mir wissentlich ein altes Gerät eingebaut», ärgert sich Pauli in der Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF1. «Ich finde das eine unglaubliche Frechheit.»

Die Schweiz ist ein Schritt voraus

Ähnliches hat auch ein anderer «Espresso»-Hörer mit seinem neuen VW Sharan erlebt. Als er 2011 das neue Auto für 58 000 Franken kaufte, bestellte er zusätzlich ein DAB-Radio. «Nach nur eineinhalb Jahren ist der Radio unbrauchbar», nervt er sich. «Seit 2008 ist bekannt, dass DAB auf DAB+ umgestellt wird, aber in der Autogarage wusste man von nichts.» Als er bei Amag nachfragte, hiess es lapidar, er könne sich ja für 1300 Franken ein neues DAB+-Autoradio kaufen.

Livio Piatti, Mediensprecher von VW Schweiz, sagt gegenüber «Espresso», dass DAB+ beim VW-Werk in Deutschland als nicht so prioritär angesehen werde wie in der Schweiz.

Auch René Wehrli, DAB-Spezialist beim Bundesamt für Kommunikation BAKOM, bestätigt dies: «Europaweit betrachtet ist Digitales Radio in England am weitesten verbreitet. An zweiter Stelle folgt bereits die Schweiz, dann die skandinavischen Länder wie Dänemark, Schweden und Norwegen. In Deutschland ist digitales Radio noch nicht sehr bekannt, genauso wie auch in Frankreich.» Wehrlin weist jedoch auch darauf hin, dass die Autoindustrie bereits seit 2008 über die Umstellung auf DAB+ informiert werde. Mit der alten DAB-Technik ist nur ein Minimalangebot an Sendern empfangbar.

Hersteller waren nicht vorbereitet

VW und Lexus betonen, dass in den neuen Autos seit Mitte 2012 nur noch DAB+-Geräte eingebaut würden. Hannes Gautschi, Verantwortlicher bei Lexus, gibt aber auch zu, dass Lexus Schweiz überrascht wurde. Überrascht, dass nicht alle Sender parallel auf DAB und DAB+ ausgestrahlt wurden. Auch seien im vergangenen Oktober noch kaum Nachrüstgeräte für alle Modelle zur Verfügung gestanden. VW wie Lexus wollen nun mit den beiden verärgerten Kunden eine Lösung suchen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Lehmann, Bern
    Ärgerlich ist nicht das Verhalten der Autohersteller, sondern dasjenige von SRF. Autos werden nicht für die winzige Schweiz hergestellt. Jahrelang hat SRF mit Gebührengeldern den Absatz von teuren DAB-Geräten angekurbelt, die nun wertlos sind. Bei EBU-Treffen damit zu prahlen, zu den ersten Ländern zu gehören, die DAB+ eingeführt haben, mag schön für SRF-Direktoren sein, doch für die Hörer bedeutet die vorschnelle Einführung Wertverlust, Serviceabbau und gezwungenermassen zurück zu ...
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  • Kommentar von Ebneter Tobias, 8570 Weinfelden
    Habe im Juni 2012 einen Skoda Octavia bestellt (Deutschland) für knappe 300 Euro Aufpreis war ein DAB+ Radio mit Navi zu haben. Hatte im Auto vorher (2006) einen Blaupunkt Woodstock 54 DAB selbst eingebaut. Der hatte sogar noch den Vorteil, dass man das Programm auf SD Karte aufnehmen konnte. Mit dem neuen Radio (OEM von Technisat) habe ich ebenfalls den Plausch. Es gibt also Hersteller die am Puls der Zeit sind......auch wenn Sie nicht zu der oberen Preisliga gehören.
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  • Kommentar von M Studer, Zürich
    Die (deutschen) Automobilhersteller haben entweder massivst geschlafen oder veräppeln den Kunden ganz bewusst. Sie wissen, dass ihre Autos mehrere Jahre gefahren werden und entsprechend zukunftssicheres DAB entscheidend ist. DAB+ wurde bereits 2006(!) als Standard verabschiedet und upgradefähige DAB-Player kamen 2007 in den Markt. Wer da 2012 überrascht wurde, dem kann man nicht mehr helfen!
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