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Multimedia Computerspiel mit widersprüchlichen Altersfreigaben

Eltern sind irritiert: Ein Computerspiel ist laut Verpackung ab sieben Jahren freigegeben. Auf dem Spiel-Chip ist dagegen eine Freigabe ab zwölf Jahren aufgedruckt. Was soll das?

Videogame Lego Lord of the Rings mit verschiedenen Altersangaben.
Legende: Einmal ab sieben Jahren, dann wieder ab 12 Jahren. Was gilt nun? SRF

Eine Etikette mit einer grossen «7» klebt auf der Verpackung des Spiels «Lego - Herr der Ringe». «Espresso»-Hörerin Nathalie Scheibli kaufte das Spiel deshalb mit gutem Gewissen für ihren neunjährigen Sohn. Beim Aufräumen entdeckte der Vater auf dem Spiel-Chip den Aufdruck «frei ab 12 Jahren». Die Eltern fragen sich nun, was gilt und wie vertrauenswürdig solche Altersfreigaben sind.

Der Verantwortliche für die Jugendschutzprogramme beim Bund Thomas Vollmer kann diese Verwirrung verstehen: «Das darf eigentlich nicht sein.» Die Alterskennzeichnung auf der Verpackung und dem Spiel sollte übereinstimmen. Der Bund habe jedoch keine Kompetenz, hier einzugreifen. Die Altersfreigabe liegt in der Schweiz in den Händen der Computerspiel-Branche.

Andere Altersfreigaben in Deutschland und der Schweiz

In der Schweiz und in Europa ist die Altersfreigabe für Computerspiele nach dem System PEGI (Pan European Game Information) geregelt. Eine wichtige Ausnahme bildet Deutschland, wo mit der

USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) ein eigenes System gilt. Dies hat Auswirkungen auf die Schweiz.

«Wir können in der Schweiz leider nicht verhindern, dass man zum Teil beide Altersfreigaben auf demselben Spiel findet», sagt Peter Züger, Präsident der SIEA, des Schweizer Branchenverbandes der Game-Industrie. Seine Erklärung: Die Computerspiel-Industrie produziere viele Spiele für den gesamten deutschsprachigen Raum. Und da die USK in Deutschland vorschreibe, die Altersfreigabe auch direkt auf das Spiel zu drucken, werde dies gemacht. Mit der Folge, dass man in Schweizer Läden Computerspiele findet mit der PEGI-Freigabe auf der Verpackung und der USK-Freigabe auf dem Spielchip.

Weshalb fünf Jahre Unterschied zwischen PEGI und USK?

Erstaunlich ist, dass die bei «Lego - Herr der Ringe» die Beurteilung von PEGI (ab 7) und der USK (ab 12) derart weit auseinander liegen. SIEA-Präsident Peter Züger erklärt dies damit, dass in den beiden Systemen nicht alle Kriterien gleich gewichtet würden. Aus historischen Gründen sei man in Deutschland besonders sensibel bei Gewalt in Spielen. Vermutlich wurde «Herr der Ringe», wo Lego-Figuren mit realistischen Geräuschen gegeneinander kämpfen, daher in Deutschland strenger beurteilt.

Unterliegen diese Altersfreigaben der Willkür der Game-Branche? «Nein», sagt Peter Züger. Das System sei breit abgestützt. Dies Bestätigt Thomas Vollmer vom Bund. In verschiedenen Ländern würde die PEGI-Einstufung von unabhängigen Gremien überprüft. Diese würden auch bei den Kriterien mitreden.

«Frei ab 10» gibt es nicht

Dass der Unterschied bei der Altersfreigabe gerade fünf Jahre beträgt, liegt auch daran, dass es sowohl bei PEGI als auch bei der USK keine Stufe zwischen «ab 7» und «ab 12» gibt. So ist das Spiel in Europa und der Schweiz wohl etwas zu tief eingestuft, in Deutschland etwas zu streng.

Laut Peter Züger werde bei PEGI allerdings über eine feinere Abstufung diskutiert – mit einer neuen Zwischenstufe «frei ab 10».

Kennzeichnung Videogames:

Kennzeichnung Videogames:

Alle Symbole des PEGI-Einstufungssystems inklusive Erläuterungen finden Sie hier.

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