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Multimedia Gewaltvideos für alle: Youtube schützt Kinder schlecht

Googles Videoplattform Youtube ist die beliebteste Website der Schweizer Teenager. Dort haben Kinder auch fast ungehindert Zugang zu Videos von Gräueltaten, Tierquälerei oder wüsten Prügeleien. «Kassensturz» fragt, warum Youtube Kinder nicht besser schützt, und zeigt, was Eltern beachten müssen.

Legende: Video Gewaltvideos für alle: Youtube schützt Kinder schlecht abspielen. Laufzeit 09:50 Minuten.
Aus Kassensturz vom 26.05.2015.

Eine kleine Umfrage auf dem Schulgelände der Kantonsschule Zürich Nord zeigt: Youtube ist bei jugendlichen Internet-Nutzern klar die Nummer 1. Das Angebot ist unendlich: Ob Mathelösungen, Games oder Anleitungen zum Knüpfen von Armbändern – auf Youtube lässt sich alles finden.

Der Dienst hat täglich Milliarden Zugriffe. Pro Minute werden 300 Stunden Videomaterial hochgeladen, darunter auch grausame Inhalte, die für Kinder und Jugendliche höchst problematisch sind.

«Mein Sohn musste eine Arbeit über die ägyptische Flussgöttin Isis schreiben. Vor zwei Jahren wäre diese Internetrecherche kein Problem gewesen», sagt der Zürcher Medienexperte Marc Bodmer. «Wer hingegen heute nach diesem Begriff sucht, stösst nicht auf Götter, sondern auf Terroristen.»

Es fehlt ein guter Filter

Mann im Büro
Legende: Marc Bodmer, Experte für digitale Medien. SRF

Bodmer kritisiert, dass Kinder auf Youtube freien Zugang haben zu Szenen aus Gewaltspielen wie etwa «Mortal Kombat». Der Zusammenschnitt ist schon fast 4 Millionen Mal angeklickt worden.

Im Laden dagegen darf das Game erst ab 18 Jahre verkauft werden. «Es braucht einen Filter, der solche Videos überprüft und vor allem den Hinweis, dass diese Bilder nicht für Minderjährige geeignet sind.»

Auch reelle Gewalt ist für Minderjährige leicht zugänglich: Auf Youtube wird geköpft, vergewaltigt und abgeschlachtet. Nichts, was Eltern ihren Kindern zumuten möchten. Und doch: wer beispielsweise das Stichwort «Machete» eingibt, kommt ganz automatisch von einer Metzelei zur nächsten.

Gemäss eigenen Richtlinien duldet Youtube keine hasserfüllten Inhalte. Seit letzter Woche allerdings verwünscht ein Deutscher Blogger die streikenden Lokführer in ein Konzentrationslager: «Vergasen sollte man diese Mistviecher». Youtube nahm das Video nicht vom Netz.

Mittlerweile ist die Hasstirade 696‘000 Mal (Stand 26.5.2015) angeklickt worden. Gegenüber der deutschen «Morgenpost» liess Youtube-Eigentümer Google verlauten, das Video verstosse nicht gegen die Richtlinien des US-Konzerns.

Mundart-Kommentar rutscht durch den Filter

Youtube hat ein Meldesystem, das Kinder vor problematischen Inhalten bewahren soll und unter den Einstellungen lässt sich ein «sicherer Modus» aktivieren, der unangemessene Inhalte herausfiltern soll.

Teenies
Legende: Jugendliche teilen Vieles übers Smartphone. SRF

Doch Lucius Müller von der SRF Digitalredaktion kennt Filme, die gegen Youtubes eigene Richtlinien verstossen und trotzdem seit Jahren zugänglich sind: «Filter stossen an Grenzen, wenn Slang oder Mundart gesprochen wird.»

Youtube will zum wichtigen Thema Jugendschutz vor der Kamera gegenüber «Kassensturz» keine Stellung nehmen und mailt der Redaktion stattdessen Auszüge aus den Richtlinien: «Unsere Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz, um gemeldete Videos zu prüfen und festzustellen, ob sie gegen unsere Community-Richtlinien verstossen.»

Fakt ist: Youtube hat vorrangig Interesse an gut besuchten Videoseiten – das Unternehmen finanziert sich über Werbung.

Legende: Video Studiogespräch mit Philippe Wampfler, Dozent für Social Media abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
Aus Kassensturz vom 26.05.2015.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Rüedi, Thayngen
    Wann endlich bauen die Autobauer Autos, die höchstens 60km/h fahren? Richtig: nie! Was wir jedoch ändern könnten, wären die Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Handy genannten Computer, sprich dem Smartphone. Dazu müssten allerdings zuerst einmal die DozentInnen der PH's ausgebildet werden. Die wiederum würden die zukünftigen LehrerInnen ausbilden - und die könnten ihre SchülerInnen endlich lehren, wie man gute Informationen webbasiert produziert und teilt.
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  • Kommentar von Markus Zollinger, Dietlikon
    In den Nachrichtensendungen des Schweizer Fernsehens sehen wir auch jeden Tag Gewalt und Tod. Als der Gemanwings-Flieger abstürzte konnten die Journalisten nicht genug Trümmerbilder und Videos zeigen. Da waren auch einige Leichenteile zu sehen. Vielleicht sollte man sich zuerst an der eigenen Nase fassen. Und letztendlich stösst man nicht automatisch auf solche Videos, sondern die Leute suchen explizit danach. Darauf spielen sie dann die verstörten und müssen psychologisch behandelt werden.
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  • Kommentar von Markus Zollinger, Dietlikon
    Sicher sind solche Videos nicht angebracht und ich finde es auch abscheulich. Allerdings sind 99% der Filme auf Youtube in Ordnung. Es ist leider fast unmöglich in einem freien Internet solche Videos vollständig zu verhindern. Meines Wissens werden ganz schlimme Gewalt-Aufnahmen aber schon konsequent gelöscht, wenn sie denn bekannt sind.
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