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Handy-Ärger Wasserschaden: Garantie abgelehnt
Aus Kassensturz vom 09.06.2009.
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Multimedia Handy-Ärger Wasserschaden: Garantie abgelehnt

Das neue Handy gibt den Geist auf, aber der Hersteller will es nicht gratis reparieren. Begründung: Ein Wasserschaden, der durch die Garantie nicht gedeckt sei. Doch viele Kunden beteuern, ihr Handy sei nie nass geworden. Sony Ericsson, Nokia und Co. egal – sie lehnen Ansprüche systematisch ab.

Colette Geiser versteht nicht, wieso ihr Handy einen Feuchtigkeitsschaden hat. Ihr sei nie Wasser reingekommen. Sie sparte ein halbes Jahr, um sich für 400 Franken das Handy ihrer Träume kaufen zu können. Sie hütet es wie einen Schatz: «Ich habe es behandelt wie ein rohes Ei, ich habe es nie mit zum Sport genommen, nie im Regen telefoniert und auch nicht mit in die Dusche mitgenommen.»

Null Toleranz

Alle Vorsicht nützt nichts: Drei Monate nach dem Kauf funktioniert die Handykamera nicht mehr. Kein Problem, denken Colette und ihr Vater, ein Defekt nach so kurzer Zeit fällt unter Garantie. Doch weit gefehlt. Sony Ericsson schreibt: «Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass für Ihr Mobiltelefon keine Kulanzlösung angeboten werden kann. Feuchtigkeitsschäden stellen eine Ausnahme dar und werden anders gehandhabt wie die meisten anderen Defekte.» Für 253 Franken könne Colette ihr Handy aber reparieren lassen.

Tatsächlich: Hersteller von Mobiltelefonen schliessen Feuchtigkeitsschäden von der Garantie aus, auch wenn sie beim normalen Alltagsgebrauch entstanden sind. Telecomanbieter wie Sunrise und Swisscom geben ihren Kunden darum Merkblätter ab, in denen sie warnen. Sie wissen, dass Hersteller null Toleranz zeigen: «Für uns bedeutet das mehr Aufwand und auch mehr Kosten, weil wir dem Kunden dann ein Gerät anbieten mit 30 Prozent Rabatt, damit er so eine befriedigende Lösung hat», sagt Myriam Ziesack von Swisscom.

Jeder, der sein Handy benützt, riskiert Feuchtigkeitsschäden. Das Merkblatt warnt vor Kondenswasser: Es bilde sich beispielsweise beim Wandern, bei grosser Höhendifferenz oder bei hoher Luftfeuchtigkeit. Andreas Widmer, Spitalhygieniker am Unispital Basel, bringt für diese Empfehlungen kein Verständnis auf: «Das heisst, ich darf das Handy im Sommer gar nicht brauchen, weil dann die Luftfeuchtigkeit hoch ist.»

Schweiss reicht

Widmer ist auf das Mobiltelefon angewiesen. Darum ärgert er sich, als sein 1200 Franken teures Handy schon nach drei Wochen nicht mehr funktioniert. Noch mehr ärgert er sich, als ihm Swisscom schreibt, sein Handy könne nicht repariert werden. «Beim festgestellten Defekt handelt es sich um einen Feuchtigkeitsschaden, welcher nicht unter Garantie fällt. Ihr altes Gerät werden wir ohne Ihren Gegenbericht in den nächsten 30 Tagen entsorgen.»

So wie Andreas Widmer geht es vielen Handybenutzern: Es ist ihnen unerklärlich, wie ihr Telefon zu einem Wasserschaden gekommen sein soll. Die kaputten Geräte landen in Servicecentern wie Mobiletouch in Winterthur. Pro Jahr flicken oder begutachten die Mobiletouch-Techniker 200'000 Handys. Schätzungsweise 8000 davon weisen Feuchtigkeitsschäden auf. Stellt das Servicecenter einen Wasserschaden fest, wird die Garantie in der Regel abgelehnt.

Unverständlich für Handybenutzer: Wasserschäden entstehen oft unbemerkt bei gewöhnlicher Nutzung. Mobiletouch-Geschäftsführer Markus Gubler: «Typische Beispiele sind, wenn man im Regen telefoniert, wenn man mit nassen Händen das Gerät bedient, wenn man Sport macht und sehr stark verschwitzt ist und das Gerät im feuchten Sportanzug trägt oder in einer feuchten Tasche mitführt.»

Ein Vorwand

Hersteller kennen kein Pardon bei Feuchtigkeitsschäden. Sie dienen oft als Vorwand, um Garantieansprüche abzuschmettern. Das erlebt auch Luca La Rocca. Nicht einmal zwei Wochen nach dem Kauf seines iPhone bricht der Schalter ab, mit dem das Gerät auf lautlos gestellt werden kann. Doch das Servicecenter ersetzt den Knopf nicht. Denn: Das Gerät habe bereits einen Feuchtigkeitsschaden. Eine Reparatur sei deshalb nicht mehr möglich. Wird im Gerät Feuchtigkeit festgestellt, verweigert Apple jegliche Reparatur – selbst wenn der Schaden gar nichts mit Feuchtigkeit zu tun hat.

Sony Ericsson schreibt «Kassensturz», sie hafte für Wasserschäden grundsätzlich nicht – egal wie er zustande gekommen sei. In ihren Bedienungsanleitungen stehe, dass man die Geräte wie andere elektronische Geräte entsprechend nutzen müsse. Von seiner sturen Haltung ein bisschen abgerückt ist Apple: Seit Mai können Kunden ihr iPhone reparieren lassen, auch wenn es einen Wasserschaden hat. Allerdings kostet das über 300 Franken.

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