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Multimedia Kostenfalle für Swisscom-Kunden

Kostenfalle für Swisscom-Kunden: Viele Smartphones wählen sich beim Surfen unterwegs automatisch in das WLAN-Netz von Swisscom ein. Das scheint praktisch, ist aber nicht gratis. Der neue «Dienst» verursacht unbemerkt Kosten, wie die Sendung «Kassensturz» aufdeckt.

Legende: Video «Wenn Gratis-Internet plötzlich kostet» abspielen. Laufzeit 5:40 Minuten.
Aus Kassensturz vom 13.03.2012.

Student Matthias Zeller hat sein Smartphone immer dabei und geht damit regelmässig ins Internet. Als Student muss Zeller aber auf sein Budget achten. Ins Internet geht er deshalb möglichst immer über ein WLAN-Netz, einem kabellosen Internet-Zugang: «Das WLAN-Netz ist viel schneller als das Telefon-Netz. Und es ist normalerweise gratis. Wenn es etwas kostet, dann wird man darauf hingewiesen.»

Massiv teurere Rechnungen

In den letzten sechs Monaten konnte er seine Handy-Rechnungen jedoch nicht nachvollziehen. Für den Daten-Verbrauch musste er insgesamt 200 Franken extra bezahlen. Und das, obwohl in seinem Swisscom-Abo 500 MB Daten inklusive sind. Eigentlich viel, trotzdem betrug sein Daten-Verbrauch teilweise das Dreifache. «Ich habe die Swisscom-Hotline vier Mal kontaktiert. Die konnten mir aber nie weiterhelfen.»

Automatisch Verbindung mit «Mobile Eapsim»

Erst nach Monaten und eigenen Recherchen entdeckt der Student schliesslich die Ursache des Problems. Sein Telefon wählt immer automatisch «Mobile Eapsim», das öffentliche WLAN-Netz der Swisscom.

Das öffentliche WLAN-Netz der Swisscom erscheint in den Einstellungen «Netzwerke» unter zwei Namen: «Mobile» und «Mobile Eapsim». Beide Namen stehen für das gleiche Netz. Bei «Mobile» muss sich der Nutzer jedoch zuerst einwählen. Bei «Eapsim» ist die Identifikation des Nutzers über die Sim-Karte möglich. Dies ermöglicht auch die Einstellung, dass sich ein Smartphone automatisch mit «Mobile Eapsim» verbindet.

Zeller hat diese automatische Verbindung aber nie eingerichtet. Mit dem neuen Betriebssystem IOS5 war die Voreinstellung plötzlich auf «automatisch verbinden» eingestellt.

Kein Hinweis auf mögliche Kosten

Zeller erkannte die automatische Verbindung lange Zeit nicht.  Auf dem Display erschien lediglich das kleine WLAN-Symbol. Deshalb ging Zeller stets davon aus, sein Telefon sei mit dem gratis-WLAN der Uni verbunden. Die automatische Verbindung kam auch an vielen andern Orten in der Stadt zu Stande: Am Bahnhof, in der Marktgasse oder beim Kloster. «Das Handy hat sich immer automatisch mit dem WLAN-Netz verbunden, ohne einen Hinweis darauf, dass das etwas kosten wird. Und Daten hat es abgebucht als wäre ich im mobilen Netz am Surfen. Aus meiner Sicht bräuchte es zwingend einen Hinweis darauf.»

Universitäten warnen vor dem Problem

Die automatische Verbindung ärgert auch Pascal Bachmann, leiter IT-Dienste an der Uni Zürich. «Man hat ein Gratis-Netzwerk im Haus und durch ungewollte Voreinstellungen verbindet man sich mit einem kostenpflichtigen Netzwerk. Das ist sowohl für Mitarbeitende wie für Studierende ärgerlich.» Für Bachmann bräuchte es auch zwingend einen Hinweis auf die automatische Verbindung.

W-LAN-Antenne
Legende: Eine typische W-LAN-Antenne am Bahnhof SRF

Die Universitäten Bern und Zürich warnen inzwischen auf ihren Websiten vor der ungewollten Verbindung. Dort kann man auch nachlesen, wie man die automatische Verbindung deaktiviert (siehe Info-Link, Link öffnet in einem neuen Fenster). An der Uni Zürich kennt man das Problem nur bei I-Phones. Seit dem neusten Betriebssystem IOS5 gilt für «Mobile Eapsim» die Voreinstellung «automatisch verbinden». Die automatische Verbindung besteht laut Swisscom aber auch bei Android- und Nokia-Smartphones.

Swisscom: Automatische Verbindung ist ein Vorteil

«Der Kunde profitiert mit der Voreinstellung automatisch von einer schnelleren Verbindung», sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Einen Hinweis für die Kunden, dass man mit einem kostenpflichtigen WLAN-Netz verbunden ist, erachtet Merk als wenig sinnvoll: «Wenn sich der Kunde registrieren muss oder etwas anklicken, dann wird er es nicht machen.» Ausserdem könnten die Kunden die Einstellung ja deaktivieren.

Swisscom sieht keinen Handlungsbedarf

Dass viele Leute davon ausgehen, ein WLAN sei gratis, wenn man sich nicht registrieren oder einloggen muss, glaubt Merk nicht. Ausserdem würde die Swisscom in den Abo-Bedingungen und auf Ihrer Website darauf hinweisen, dass über «Mobile Eapsim» Daten gleich verrechnet würden, wie über das Telefonnetz. Immerhin will der Telekommunikationskonzern nun prüfen, ob man die Informationen dazu verbessern will.

Keine automatische Verbindung bei Sunrise und Orange

Die Swisscom-Konkurrenten kennen die automatische Verbindung auf Hotspots nicht. Beide betreiben kein eigenes WLAN-Netz, sondern arbeiten mit Partnern wie etwa «Monzoon» zusammen. Wer diese öffentlichen WLAN-Netze nutzen will, muss sich zuerst registrieren und einloggen. Die Bezahlung erfolgt unterschiedlich: Entweder direkt auf die Telefon-Rechnung oder per Vorauszahlung.

Legende: Video «Instruktions-Video: So stellen Sie EAPSIM ab» abspielen. Laufzeit 0:20 Minuten.
Vom 13.03.2012.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Rohner, Horgen
    Mein Kommentar vom 24.3.2013 kann ignoriert werden: Er basiert auf Unwissen. Auch pre-paid SIM-Karten suchen automatisch eine Verbindung zum Internet, wenn "Mobile Datendienste" erlaubt werden, und das lokale WLAN nicht erreicht wird. Also WLAN immer einschalten und "Mobile Datendienste" (oder ähnlich) nur ausser Haus, und wenn's beliebig teuer werden darf, aktivieren.
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  • Kommentar von Peter Rohner, Horgen
    Ich habe ein privates Funknetz. Die Swisscom hat innert 2 Tagen mindestens Fr. 40 abgebucht, wobei ich nur 3 kurze SMS versandt habe. Dann habe ich das WLAN im Smartphone ausgeschaltet und bei Swisscom Fr. 20 aufgeladen. Das Guthaben blieb einige Zeit konstant bis zum Zeitpunkt, wo ich das WLAN wieder aktiviert habe. Nach wenigen SEKUNDEN kam die Meldung "Guthaben aufgebraucht ... " und die Fr.20 waren wieder weg!
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  • Kommentar von René Zinniker, Regensdorf
    Das ist eine Abzockerei der Swisscom, welche unterbunden werden müsste. Schade, dass dies eine solche Firma nötig hat. Seit Dezember hat es bei mir bei den Pre-Paid-Kosten auch schon ca. 60.- für NICHTS abgebucht. Als ich die Hotline der Swisscom anrief, erhielt ich lediglich die Auskunft, dass ich jeden Tag eine minimale Internet-Verbindung hätte.Obwohl ich mein Nokia-Telefon bei der Swisscom gekauft hatte, könne sie mir nicht sagen, wo ich was deaktivieren müsse.
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