Krebsgala am TV: Showtime mit Spendengeldern

Mit Schicksalen von Krebspatienten und Show-Einlagen der Schweizer Prominenz sammelt die Krebsgala jedes Jahr Geld. Kassensturz deckt auf: Die Krebsliga finanziert die grosse Live-Sendung aus dem Europa-Park auch mit Spendengeldern.

Video «Krebsgala am TV: Showtime mit Spendengeldern» abspielen

Krebsgala am TV: Showtime mit Spendengeldern

14 min, aus Kassensturz vom 27.11.2007

Die Krebsgala ist die Sondersendung der Gesundheit Sprechstunde. Wie jedes Jahr rollt die Produktionsfirma Ringier-TV Prominenten den roten Teppich aus – für einen guten Zweck. Die Zuschauer werden aufgefordert, während der Sendung anzurufen und Geld zu spenden. Dieses komme der Krebsliga Schweiz und der Stiftung Krebsforschung Schweiz zugute.

Keine Selbstlosigkeit

Das Fernsehpublikum zeigt sich grosszügig: Markus Kläusler aus Herznach im Fricktal spendet 500 Franken. Seit seine Frau vor vier Jahren an Brustkrebs starb, lebt der 82-Jährige alleine. Auch eines seiner zehn Kinder starb an Krebs. Jetzt mache er sich Sorgen um seine sieben Töchter, denn Brustkrebs könne jede Frau treffen, sagt Kläusler. Er spendete, weil er etwas gegen die Krankheit tun will.

Was kaum ein Spender weiss: Ringier-TV lässt sich für das Spenden-Spektakel von der Krebsliga bezahlen. Das bestätigen mehrere Beteiligte gegenüber Kassensturz. Jedes Jahr überweise die Krebsliga Ringier, grösstenteils aus Spendengeldern, 400 000 Franken. Davon seien 250 000 Franken für die Produktion der Krebsgala bestimmt.

Sendung eingekauft

Ringier und die Krebsliga bestätigen diese Beträge nicht. Ringier räumt aber ein: «Die Krebsliga trägt einen Teil der Produktions-, Übertragungs- und Redaktionskosten mit. Diese Zusammenarbeit ist in den Sendungen deutlich ausgewiesen.» Und die Krebsliga gibt schriftlich zu: Die Sendung wurde bei Ringier eingekauft.

Spender Markus Kläusler findet das unehrlich: «Die Produktion soll Ringier-TV bezahlen und das Geld der Krebsliga geben.»

Die Abende am Wochenende auf SF2 gehören privaten Verlegern. Für die Produktion ihrer Sendungen bekommen diese aus der SRG-Kasse 14 Millionen Franken. Die Krebsgala ist eine Produktion von Ringier-TV. Ringier gibt auch den Blick heraus.

Honorar bezahlt

Ringier-TV inszeniert für die Krebsgala ein Gespräch unter Freunden: Die Schweizer Kabarett-Ikone Emil Steinberger trifft auf den krebskranken Zirkusdirektor Herbi Lips. Eine Woche nach der Krebsgala besucht Kassensturz den Kabarettisten in Montreux in seinen Büros. Emil Steinberger wusste nicht, dass sich Ringier für die Gala von der Krebsliga bezahlen lässt.

Für sein Engagement habe er überraschend ein Honorar von 1000 Franken bekommen. Emil Steinberger: «Es gibt immer wieder Gelegenheiten, wo man sagt, das mach ich gratis. Ich wollte es gratis machen.» Das Geld habe er aber angenommen, weil er dachte, es komme von Ringier: «Ich weiss ja nicht, wie die finanziert werden und was für ein Budget die haben», so der Kabarettist weiter.

Auch Hans Tinguely aus dem freiburgischen Bösingen ist ein grosszügiger Spender. 1000 Franken hat der pensionierte Garagist letzte Woche zugesagt. Dass er damit indirekt die Galasendung mitbezahlt, macht ihn wütend. Wenn Ringier schon Eigenwerbung mache, sollen sie diese auch selbst bezahlen. «Ich bin der Meinung gewesen, das Geld geht an die Krebsliga», betont Tinguely.

Vermeintlich grosszügig

Ein Höhepunkt der Gala ist die Spende von Ringier selbst, überreicht durch eine Ringier-Mitarbeiterin. Absurd: Ringier spendet 30 000 Franken, kassiert aber von der Krebsliga ein Vielfaches davon.

Krebsliga-Geschäftsleiter Bruno Meili nimmt im Kassensturz Stellung zur Kritik. Er sagt, es täte ihm Leid, wenn Prominente und Spender nicht verstanden hätten, dass die Sendung von der Krebsliga mitfinanziert werde. Die Unterstützung durch die Krebsliga sei so deklariert, wie es die Vorschriften verlangen.

«Wichtige Öffentlichkeitsarbeit»

Die von drei Quellen genannte Höhe der Zahlungen der Krebsliga an Ringier-TV bestreitet Meili. Am Dienstagvormittag hat er die Grössenordnung noch bestätigt. Seine Organisation sei auf eine solche Gala angewiesen. Dies sei nicht nur eine Sammelsendung, sondern ein wichtiges Mittel, um die Öffentlichkeit auf das Thema Krebs zu sensibilisieren.

Zur Tatsache, dass die Krebsliga Ringier-TV für die Krebsgala bezahlen muss, sagt Bruno Meili: «Wir haben ja gar keine Wahl (...), wir haben den Vertrag mit Ringier über die Jahre sukzessive verbessert (...). Heute sind wir auf einer sehr vernünftigen Basis. Dafür kann ich absolut gerade stehen.»

Die Redaktion Kassensturz hält fest: «Es war nicht Absicht des Kassensturz, den Eindruck zu erwecken, dass Ringier TV aus der Produktion der Krebsgala einen Gewinn erzielt. Sollte dieser Eindruck gleichwohl entstanden sein, bedauern wir dies.»
 2.4.2008